13.11.2019 - 15:44 Uhr
MitterteichOberpfalz

Stadt unverändert auf Investitionskurs

Es war die letzte Bürgerversammlung, die Roland Grillmeier in seiner Amtszeit als Bürgermeister im Josefsheim hielt: Vor rund 100 Gästen gab es einen umfassenden Überblick über laufende Projekte und in naher Zukunft geplante Investitionen.

Regierungsbaumeisterin Annegret Michler und Bürgermeister Roland Grillmeier nannten Eckpunkte zur geplanten Neugestaltung des Oberen Marktplatzes.
von Josef RosnerProfil

"Wir haben unsere Stadt gemeinsam in den vergangenen fast 18 Jahren nach vorne gebracht", betonte Grillmeier am Dienstagabend und dankte für die gewährte Unterstützung. In den vergangenen fast 18 Jahren habe er nach eigenen Angaben fast 70 Bürgerversammlungen in der Stadt und den Dörfern gehalten.

Zu Beginn seiner rund 40-minütigen Präsentation ging er auf den Haushalt dieses Jahres ein und stellte den Verzicht auf neue Kredite heraus. Bis zum Jahresende 2019 werde die Stadt rund zwei Millionen Euro an Rücklagen auf dem Konto haben. Dank zollte der Bürgermeister dem Freistaat Bayern für bisher gewährte Stabilisierungshilfen in Höhe von 8,9 Millionen Euro. Davon habe man 6,72 Millionen Euro zur Schuldentilgung eingesetzt. Grillmeier zeigte sich überzeugt, dass Mitterteich auch künftig Finanzhilfen erhalten werde, nicht zuletzt wegen der geplanten Investitionen.

Der Bau der neuen Wasserleitung von Leonberg nach Mitterteich soll – falls die Witterung mitspielt - noch heuer abgeschlossen werden. Bei der Sanierung der Grundschule liege man sechs Monate hinter dem Plan. Jetzt laute das Ziel, den Umzug vom Altbau in den neuen Bereich in den Osterferien zu vollziehen. Danach wird der Altbau abgerissen, schließlich folgt der Bau des Kinderhorts. Im September 2021 soll das Projekt abgeschlossen sein, die Gesamtkosten liegen aktuell bei 9,8 Millionen Euro.

3600 Arbeitsplätze

Noch nie gab es laut Grillmeier in der Stadt so viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze wie derzeit: Waren es im Jahr 2004 noch 2700, so sind es derzeit 3600. Im Zuge der Dorferneuerung wird das Sportheim des SV Steinmühle im kommenden Frühjahr zum neuen Dorfmittelpunkt ausgebaut. Mit der Sanierung des alten Rathauses soll ebenfalls 2020 begonnen werden. Danach soll die Tourist-Info ins Erdgeschoss einziehen, für die Stadtbücherei werden andere Räume gesucht. In der Mehrzweckhalle soll von Mai bis zum Herbst ein neuer Fußboden eingebaut werden. Weitere Sanierungsmaßnahmen stehen im Hallenbad und im Freibad an.

"Wir haben heuer so viele Bauplätze verkauft wie seit 20 Jahren nicht mehr", sagte Grillmeier zum Thema Bauen und Wohnen. Zwar seien noch einige Parzellen verfügbar, aber die Stadt suche schon nach neuen bebaubaren Flächen. "Mitterteich und seine Ortsteile sind ein attraktiver Lebens- und Wohnstandort", so Grillmeier. Wichtig sei aber auch der soziale Wohnungsbau,hier gebe es eine große Nachfrage. Nahezu abgeschlossen sei der Breitbandausbau, 98 Prozent der Mitterteicher Haushalte seien versorgt.

Großer Strombedarf vor Ort

Zum Thema Stromtrassen gab der Bürgermeister zu bedenken, dass eine Stadt wie Mitterteich mit selbst erzeugter Energie niemals auskommen könnte. "Wir haben viel Industrie und Gewerbe vor Ort, so viel Strom könnten wir vor Ort gar nicht erzeugen." Grillmeier informierte, dass der genaue Trassenverlauf des geplanten Süd-Ost-Links im kommenden Jahr bekannt gegeben werde.

Regierungsbaumeisterin Annegret Michler gab Einblicke in die mögliche Zukunft des Oberen Marktplatzes. Ein wichtiges Ziel sei es, Barrierefreiheit wie am Unteren Markt zu erreichen. Messungen hätten ergeben, dass die Belastung entlang der Ortsdurchfahrt überschaubar sei, lediglich zu Stoßzeiten komme es zu leichten Behinderungen. Konkreter nächster Schritt sei eine Aufgabenbeschreibung im Mai 2020. Beim Thema Leerstände regte sie für den Robert-Lindig-Platz eine Strukturoffensive an. Vorstellen könne sie sich dort nach dem Abbruch alter Mehrfamilienhäuser kleinere Wohneinheiten.

Zum Umbau des Oberen Marktplatzes kündigte Grillmeier einen Architektenwettbewerb an. Auf die Anlieger kämen durch die Umgestaltung keine Kosten zu, so Grillmeier. Die bisherige zweite Fahrbahn am Oberen Markt werde künftig wahrscheinlich der Vergangenheit angehören. Dagegen sei für die Entschärfung der Kreuzung noch keine Lösung in Sicht.

Weiter reduziert werden soll im Zuge der Übernahme der Staatsstraße 2176 der durch die Innenstadt rollende Schwerlastverkehr. Verkehrszählungen hätten aber ergeben, dass nur sechs Prozent aller Fahrzeuge in diese Kategorie fielen. Skeptisch zeigte sich der Bürgermeister, ob eine Tempo-30-Zone mit entsprechender Verkehrsüberwachung breite Akzeptanz findet.

Nicht zuletzt wies Bürgermeister Grillmeier auf das Kommunale Förderprogramm hin, das seiner Meinung nach noch mehr in Anspruch genommen werden sollte. Sein Rat: "Wenn Sie etwas machen wollen, dann machen Sie es jetzt."

Rund 100 Besucher waren am Dienstagabend zur Bürgerversammlung ins Josefsheim gekommen.
Rund 100 Besucher waren am Dienstagabend zur Bürgerversammlung ins Josefsheim gekommen.
Information:

Fragen und Kritik: Wasserzähler, Lkw-Zufahrt und Naturfreundehaus

Nach der Rede von Bürgermeister Roland Grillmeier und den Ausführungen von Regierungsbaumeisterin Annegret Michler gab es nur wenige Fragen und Anmerkungen vonseiten der Zuhörer.

Anja Dreßel fragte nach ersten Erkenntnissen zum Ablesen des Wassers mit Funkzählern und ob sich am Wasserverbrauch etwas geändert hat. Bürgermeister Grillmeier berichtete, dass es mit den Funkzählern zu keinerlei Problemen gekommen sei und sich dadurch die Arbeit für die Verwaltung erleichtert habe. Funkzähler hielten zwölf Jahre, während herkömmliche Zähler schon nach wenigen Jahren ausgewechselt werden müssten, so Grillmeier. Im kommenden Jahr würden auf diese Weise 99 Prozent aller Hausanschlüsse erfasst.

Heribert Hegen wollte wissen, ob durch die jüngsten Wasserleitungsbauarbeiten höhere Gebühren auf die Verbraucher zukommen. Bürgermeister Grillmeier erwiderte, dass der Kalkulationszeitraum noch bis 2021 laufe, bis dahin werde sich an den Gebühren nichts ändern. Danach werde der Wasserpreis für den Kalkulationszeitraum von vier Jahren erneut angepasst. Grillmeier betonte, dass es für den Bau der Wasserleitung von Leonberg nach Mitterteich eine 80-Prozent-Förderung gegeben habe. Der Eigenanteil der Stadt und damit der Bürger halte sich deshalb im Rahmen.

Karl Neid monierte, dass er auf einen Ende Januar an die Stadtverwaltung gerichteten Brief noch immer keine Antwort erhalten habe. In dem Schreiben forderte Neid, dass für einen Speditionsbetrieb die Lieferadresse von Ziegelhütte auf Südstraße geändert wird. Seinen Angaben zufolge fahren große Lastwagen regelmäßig in den Bereich Ziegelhütte ein, wo es gar keine Zufahrt zum Betriebsgelände gibt. Die Lkw müssten dann wieder umkehren, was oft zu Problemen führe. Im Übrigen sei die dortige Straße nach Ansicht Neids für schwere Fahrzeuge nicht ausgebaut. Bürgermeister Grillmeier zeigte sich erstaunt angesichts des von Neid erwähnten Briefs und sicherte eine schnelle Antwort zu. Klären lassen wolle er, ob das Problem mit der Zufahrt durch eine Änderung der Beschilderung gelöst werden kann.

Erich Tilp fragte nach dem aktuellen Stand beim Naturfreundehaus. "Im März war für unsere Naturfreunde Schluss, jetzt ist November. Was ist bislang passiert?" Bürgermeister Grillmeier erinnerte an den Erbpachtvertrag, von dem die Naturfreunde zurücktraten, weshalb die Stadt das Haus abzulösen habe. Das Ergebnis eines von den Naturfreunden in Auftrag gegebenen Gutachtens zum Wert des Hauses sei der Stadt unrealistisch vorgekommen, weshalb man selbst die Erstellung eines Gutachtens beauftragt habe. Dieses sei aber noch nicht fertiggestellt. "Ich will die Summe nicht nennen, die die Stadt für das Haus hätte bezahlen sollen", sagte Grillmeier. Erich Tilp kritisierte weiter, dass der Bürgermeister erst drei Tage vor Ablauf des Pachtvertrags auf die Naturfreunde zugekommen sei, obwohl das Ganze schon länger bekannt gewesen sei. Der Bürgermeister betonte, dass die Stadt das Ergebnis des von ihr beauftragten Gutachtens abwarten wolle. "Dann sehen wir, wie es weitergeht."

Auf eine Nachfrage von Josef Schrems erklärte Grillmeier wie zuvor in seiner Rede, dass der Süd-Ost-Link kommen werde. "Die Leitung bringt den Strom nach Landshut, von dort aus wird er verteilt."

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