13.07.2018 - 14:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Team "Nu amal" macht das Rennen

819 Kilometer auf dem Rad in sieben Etappen, mit 17.739 Höhenmeter: Das ist das Pensum, das Bernd Büsching und Walter Frank in der letzten Juni-Woche herunterspulen - bei der Transalp-Tour von Brixen bis Riva.

Landschaftlich reizvoll, dafür aber zum Teil enorm anstrengend: Walter Frank (links) und Bernd Büsching während der Transalp-Tour von Brixen bis Riva in der letzten Juni-Woche.
von Paul Zrenner Kontakt Profil

Selbst gut zwei Wochen nach der letzten Etappe und dem anschließenden Team-Foto am Ziel in Riva sind Büsching und Frank noch immer begeistert von dem Erlebnis. "Jeder ambitionierte Radfahrer sollte das einmal gemacht haben", sagt Büsching. Der 55-Jährige aus Krummennaab ist Geschäftsführer der Kewog in Tirschenreuth. Den aus Mitterteich stammenden Walter Frank (60), Chef der Firma Glapor, lernte Büsching als Geschäftspartner kennen. Inzwischen sind Büsching und Frank beste Freunde.

Unter rund 85 Teilnehmern in der Altersklasse über 50 kam das Duo als 22. ins Ziel. Dass sie als "Team Nu amal" an den Start gingen, hat eine Vorgeschichte: Beide bereiteten sich schon vor zwei Jahren auf das Radsportereignis vor. Doch Büsching musste kurzfristig absagen: Ihn hatte die Grippe erwischt. "Und wenn du krank bist, brauchst du dort nicht mitfahren", so Büsching im Rückblick. Frank dagegen zog 2016 das Ding durch - mit einem anderen Partner, der kurzfristig einsprang. Doch er versprach seinem Sportsfreund Büsching: Wir treten zu gegebener Zeit an - noch einmal, auf oberpfälzisch "nu amal" eben. Anders als vor zwei Jahren, als sich die beiden Manager einen Coach nahmen, bereiteten sich Büsching und Frank diesmal nicht besonders auf die Aktion vor. "Wir haben das Pensum nicht groß geändert", erinnert sich Büsching an die regelmäßigen Trainingseinheiten im Vorfeld.

Strukturiertes Training

Beide, die übrigens mit Rennmaschinen aus der Waldsassener Fahrradschmiede "Ghost" unterwegs sind, sprechen allerdings von einer "Vorbereitung mit System". Das bedeutet strukturiertes Training, das Schwerpunkte bei den Ausfahrten setzt - mal Sprints, mal Steigungen. Außerdem motivierten sich beide gegenseitig - etwa bei abendlichen Trainingseinheiten: Die Partner spornten sich gegenseitig an, als die sportlichen Aktivitäten der über ihre Smartphones vernetzten Partner jeweils auf dem anderen Gerät angezeigt wurden.

"Radfahren gibt einem viel", weiß Walter Frank aus eigener Erfahrung und ist überzeugt: Diese Sportart beeinflusst das Leben positiv - auch in der Zeit, wenn man nicht auf dem Sattel sitzt. "Ich nehme da so viel mit in den Job", sagt Frank, und Büsching stimmt gerne zu. Beide sind in ihrem Positionen die Woche über schwer eingespannt und nützen die regelmäßigen Rennrad-Touren für den ausgleichenden Stress-Abbau.

Mit 60 wie ein 18-Jähriger

"Das ist eine super Sache, um fit zu bleiben", sagt Frank, der sich in der körperlichen Verfassung eines 18-Jährigen sieht. Sich Ziele zu setzen, sich durchbeißen müssen - dies sei auch im Beruf wichtig, findet Frank. Wobei er immer wieder vom "inneren Schweinehund" spricht, den es zu überwinden gilt. Diszipliniertes Leben lernten Rennrad-Sportler, ergänzt Büsching. Walter Frank empfiehlt Radsportlern, sich Ziele zu setzen. "So einfach dahinsandeln, das ist nix." Andererseits hält Frank aber auch für wichtig, den Rennradsport nicht überzubewerten im Leben: "Das darf nicht zur Religion werden." Bernd Büsching schwärmt von den besonderen Erfahrungen während des Rennens: Dass der Körper dort sieben Tage lang unter Belastung gehalten werden muss. Oder dass sich die Konzentration dauerhaft einzig auf den Sport fokussiert. "Das ist ein Feeling wie bei der Tour", sagt Büsching im Hinblick auf das aktuelle Radsport-Ereignis in Frankreich.

Dass es für die Fahrer auch schwierige Momente und "Durchhänger" gibt, gesteht Walter Frank: "Ich hatte die Schnauze voll", erinnert er sich an seine Gedanken während einer der letzten Etappen: "Was tue ich mir da eigentlich an?" Doch auch dabei half die Motivation durch den Partner. "Team Nu mal" war in einer der letzten Etappen zeitweilig auch ganz vorne in der Gruppe dabei. "Aber das ist richtig Stress", beschreibt Frank das Erlebnis, im geschlossenen Hauptfeld an der Spitze unterwegs zu sein, teils mit über 60 km/h, Rad an Rad.

"Wir haben es geschafft und sind zufrieden", sagt Büsching über die besonderen Anforderungen während der Transalp, trotz aller Strapazen ein unvergessliches Erlebnis. Dennoch: Nach aktuellem Stand haben die beiden Radsportler nicht vor, ein weiteres Mal bei der Tour mitzumachen.

Höhenmeter die besondere Herausforderung:

Höhenmeter die besondere Herausforderung

Sieben Tagesetappen umfasst die Transalp-Tour von Brixen bis Riva. Der Aufkleber auf dem Rahmen seines Rennrads, das Büsching diese Woche zur Kewog-Aufsichtsratssitzung in Tirschenreuth mitgebracht hat, zeigt die letzte Etappe von Kaltern am See zum nördlichen Ende des Gardasees. 819 Kilometer und 17 739 Höhenmeter umfasst die Strecke, die Büsching und Frank als "Team Nu amal" zurücklegten. Insgesamt waren 325 Teams am Start, aus 35 Nationen, wie es auf der Internet-Seite heißt: Die Einzeletappen sind jeweils zwischen 90 und rund 150 Kilometer lang. Die besondere Herausforderung aber bedeuten die Pässe - mit teils steilen und langen Anstiegen. (pz)

Walter Frank (links) und Bernd Büsching im Finisher-Trikot und mit den Medaillen am Ziel in Riva del Garda.

Büsching und Frank

Büsching und Frank

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