09.07.2021 - 15:30 Uhr
MitterteichOberpfalz

Verkehrssicherheit in Mitterteich: Beschränkung in der Bachstraße angeregt

Über Raserei und Gefahrenstellen hatte der Mitterteicher Stadtrat zuletzt vor einigen Wochen diskutiert. In der jüngsten Sitzung ging es erneut um die Verkehrssicherheit: Diesmal rückte unter anderem die Bachstraße in den Blick.

Auf das Gefahrenpotenzial in der Bachstraße mit der engen Kurve in Richtung Johannisplatz wies Wolfgang Karbstein (WG Zukunft) jetzt im Stadtrat hin. Vor allem um die Sicherheit von Fußgängern zu erhöhen, regte er eine Tempobeschränkung an.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Es war eine längere und teils emotionale Diskussion, die der Stadtrat in der Juni-Sitzung über Gefahren im Straßenverkehr und das Verhalten einiger Autofahrer geführt hatte. Der Auslöser waren damals die Auswertungen von Tempomessgeräten im Stadtgebiet und in den Ortsteilen. Bei der jüngsten Zusammenkunft des Gremiums in dieser Woche kam erneut das Thema Verkehrssicherheit zur Sprache.

Fahrradfahrer überholt

Wolfgang Karbstein (Wählergemeinschaft Zukunft Stadt Mitterteich) berichtete beim Punkt "Wünsche und Anregungen" von einer brenzligen Situation, die er kürzlich beim Spazierengehen in der Bachstraße beobachtet habe. Zwei Fahrradfahrer seien dort bergab in Richtung Johannisplatz unterwegs gewesen. "Ein Autofahrer hat sie mit Vollgas überholt, dann trat das Worst-Case-Szenario ein", schilderte Karbstein. "Ein anderes Auto kam entgegen und musste auf den Bordstein fahren."

Gerade im Kurvenbereich sei der Gehweg sehr schmal, gab Karbstein zu bedenken. Wären Kinder oder ein Rollstuhlfahrer dort unterwegs gewesen, hätte sich eine sehr gefährliche Situation ergeben. "Wäre es möglich, auch dort eine 30er-Zone zu schaffen?", wollte Karbstein wissen und zeigte sich auch offen für eine Beschränkung in anderer Form. Als positives Beispiel nannte er die Tempo-20-Regelung am Sattlersberg in Tirschenreuth.

Kennzeichen weitergeben

Bürgermeister Stefan Grillmeier erwiderte, dass er die Anregung gerne aufnehme. "Aber wir können nicht ganz Mitterteich mit Tempo 30 belasten", meinte Grillmeier. Vor der Kurve müsse ohnehin abgebremst werden, so Grillmeier zur Situation im Bereich Bachstraße/Johannisplatz. Wie schon in der vergangenen Sitzung riet er dazu, bei gefährlichen Fahrmanövern das Kennzeichen zu notieren und weiterzugeben. Einige bestimmte Autofahrer habe man im Visier, diese seien auch der Polizei bekannt. "Aber nicht an jeder Stelle kann eine Streife stehen."

Grillmeier erinnerte daran, dass auch schon mal die Erstellung eines Verkehrskonzepts angedacht worden sei. Dies könnte ein Bestandteil künftiger städtebaulicher Planungen sein, die im kommenden Jahr in Angriff genommen werden sollen. Gespräche mit der Regierung dazu liefen bereits, so Grillmeier.

Zuvor hatte Heribert Hegen (WG Zukunft) mehrere Punkte angesprochen. So hätten Bürger einen Kanaldeckel bei der Gärtnerei in der Gartenstraße bemängelt, der sich stark abgesenkt habe. "Autofahrer nutzen schon den Gehweg zum Ausweichen", betonte Hegen. Weiter kritisierte er, dass ein Lastwagen trotz mehrerer Hinweise in der Vergangenheit nach wie vor ständig in der Porzellinerstraße parke.

Noch im Rohbau-Zustand

Hegen fragte auch nach dem aktuellen Stand bei der Sanierung des früheren Buchka-Hauses in der Vorstadt. Kürzlich habe er bemerkt, dass sich die rückwärtige Seite des Gebäudes noch immer im Rohbau-Zustand befinde. "Wie lange dauert das noch?", fragte Hegen. Wenn die Außenarbeiten abgeschlossen sind, könnte auch endlich die durch die Baustellensicherung bedingte Engstelle auf der Fahrbahn in der Vorstadt verschwinden.

Nicht zuletzt sei Hegen auf den derzeit laufenden Abbruch eines alten Hauses an der Marktredwitzer Straße angesprochen worden. Kritisiert worden seien ein noch stehengelassener, aber einsturzgefährdet erscheinender Kamin sowie eine unzureichende Baustellenabsicherung. Hegen sah eine Gefahr für Kinder, die neben dem Grundstück zum Seibertsbach hinuntergehen, und bat um Hinweise an den Eigentümer .

Mit der Verwaltung klären

"Das sind alles Verwaltungsthemen, die müssen nicht in die Stadtratssitzung", kommentierte Bürgermeister Grillmeier die vier vorgebrachten Punkte. Alles könne schnell und unbürokratisch mit der Verwaltung abgeklärt werden. Kurz ging er dann auf den Inhalt ein. Der Kanaldeckel in der Gartenstraße werde geprüft, der starke Regen in jüngster Zeit habe hier und da für Probleme gesorgt. "Da sind wir dran", sagte Grillmeier zum Lkw in der Porzellinerstraße. Beim früheren Buchka-Haus fehle noch eine Stromleitung, die verlegt werden müsse, so der Bürgermeister weiter. Mitte Juli werde dies erledigt, wie er vonseiten der Lebenshilfe erfahren habe. Und der Kamin des alten Gebäudes an der Marktredwitzer Straße sei am Tag der Stadtratssitzung abgerissen worden, wusste Grillmeier. Die Abbrucharbeiten würden bald abgeschlossen, die Baustelle sollte also bald Geschichte sein.

Rechnungsprüfung: Klärschlamm-Entsorgung im Blick

Ein Thema waren zuvor auch die Ergebnisse einer Rechnungsprüfung. Drei Tage lang war Mitte Juni der Rechnungsprüfungsausschuss des Stadtrats ans Werk gegangen, um die Jahresrechnungen der Haushaltsjahre 2019 und 2020 zu durchforsten. Beteiligt waren Bernhard Thoma (Freie Wähler) als Vorsitzender des Gremiums sowie Josef Schwägerl, Christoph Hampel, Wolfgang Hecht (alle CSU), Heribert Hegen (Wählergemeinschaft Zukunft) und Manfred Sommer (SPD).

Bürgermeister Stefan Grillmeier als persönlich Beteiligter nahm bei diesem Tagesordnungspunkt der Sitzung nicht an Beratung und Abstimmung teil, wie es die Gemeindeordnung vorsieht. Er übergab daher die Sitzungsleitung vorübergehend an Zweiten Bürgermeister Johann Brandl.

„Wir konnten keine größeren Ungereimtheiten feststellen“, berichtete Bernhard Thoma. Sämtliche Fragen habe man schnell mit Kämmerin Ursula Ockl oder den Sachbearbeitern klären können. Für das generell saubere Arbeiten sprach Thoma der Verwaltung ein großes Lob aus. Aufgefallen sei dem Ausschuss zum wiederholten Mal die Haushaltsstelle „Kläranlage/Klärschlammentsorgung“. Hier habe es jährliche Kostensteigerung von bis zu 25 Prozent gegeben, so Thoma. Die Stadt befinde sich ja bereits auf dem Weg zu einer Lösung – hier gelte es, am Ball zu bleiben, um die Kosten zu senken.

Johann Brandl erinnerte an eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Kläranlage und betonte, dass sich eine Lösung abzeichne. Einstimmig billigte der Stadtrat die Ergebnisse und erteilte jeweils die Entlastung. Bürgermeister Stefan Grillmeier richtete am Ende noch einen Dank an den Ausschuss und würdigte die Kämmerin und ihr Team für ihren Einsatz.

Befasst hat sich der Stadtrat auch mit der Wahlhelferentschädigung („Erfrischungsgeld“) bei der Bundestagswahl am 26. September dieses Jahres. Bürgermeister Stefan Grillmeier informierte, dass sechs Wahl- und sieben Briefwahlbezirke gebildet werden, so dass insgesamt 78 Wahlhelfer im Einsatz sein werden. Einstimmig beschloss der Stadtrat, dass die bisher gewährte Entschädigung von 30 Euro pro Person und Wahltag beibehalten wird.

Über das Thema Verkehrssicherheit hatte der Stadtrat auch im Juni diskutiert

Mitterteich
Wegen der enge Kurve ist die Bachstraße (hinten rechts) aus Richtung Johannisplatz nur schwer einsehbar.
An der Marktredwitzer Straße läuft seit einiger Zeit der Abriss eines alten Hauses. Heribert Hegen (WG Zukunft) monierte im Stadtrat den Zustand eines noch stehengelassenen Kamins und warnte vor Gefahren für vorbeilaufende Kinder. Darauf hieß es, dass der Kamin am Tag der Sitzung beseitigt worden sei.
Kommentar:

Bachstraße und Johannisplatz: Handeln ist überfällig

Dutzende Gefahrenstellen sind im Laufe der vergangenen Jahre in Mitterteich kritisiert worden, manche sind immer wieder im Stadtrat oder im Bauausschuss zur Sprache gekommen. Verwunderlich ist, dass die Bachstraße mit ihrem starken Gefälle, den schmalen Gehsteigen und der engen Kurve in Richtung Johannisplatz nicht viel öfter aufgetaucht ist. Denn das Gefahrenpotenzial ist enorm.

Überholmanöver kommen dort ständig vor, etwa wenn Lieferautos halten müssen. Und wenn Bewohner der Anwesen ein- oder ausfahren, kann auch kurzzeitig ein Hindernis für den Gegenverkehr entstehen. Wer dann vom Johannisplatz aus zu schnell um die schlecht einsehbare Kurve rauscht, erlebt eine böse Überraschung, muss scharf bremsen oder notfalls sogar ausweichen, wie von Wolfgang Karbstein geschildert. Von Bürgermeister Stefan Grillmeier kam dazu der Hinweis, dass man wegen der Kurve ja eh bremsen müsse – aber genau das tun viele eben nicht ausreichend.

Es ist überfällig, das zulässige Tempo in der Bachstraße und auch am Johannisplatz zu senken oder zumindest einen Verkehrsspiegel zu installieren. Bisher ging zwar alles gut aus – aber man sollte dennoch handeln und nicht warten, bis tatsächlich mal ein tragischer Unfall passiert ist.

Udo Lanz

 

 

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