15.06.2021 - 13:16 Uhr
MitterteichOberpfalz

Zu schnell, zu laut: Stadtrat Mitterteich fordert hartes Durchgreifen gegen Verkehrsrowdys

Tempomessungen haben ergeben, dass in Mitterteich noch immer zu schnell gefahren wird. Weitere Messgeräte und mehr Blitzereinsätze sollen Abhilfe schaffen. Im Stadtrat gab es auch Forderungen nach einem harten Vorgehen gegen Verkehrsrowdys.

Das Symbolbild zeigt die Kontrolle eines sogenannten „Autoposers“.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Ausführlich beschäftigte sich der Stadtrat in der Sitzung am Montagabend mit dem Thema Verkehrssicherheit. Auslöser für eine längere und teils emotionale Diskussion waren die Auswertungen von Tempomessungen zwischen März und Mai.

Ausgewertet wurde mehrere Wochen lang in der Vorstadt (beide Fahrtrichtungen) und in der Waldsassener Straße (stadteinwärts), wo jeweils Tempo 30 gilt, sowie in Großensterz und Pleußen (Fockenfelder Straße), wo jeweils 50 km/h erlaubt sind. "Es wird nach wie vor zu schnell gefahren", kommentierte Bürgermeister Stefan Grillmeier die Ergebnisse. Gerade in den 30er-Bereichen seien die Werte bedenklich. Nur ein Drittel der Verkehrsteilnehmer halte sich an die Vorgabe. Viele Fahrzeuge hätten zwischen 40 und 50 km/h auf dem Tacho, einige Ausreißer lägen deutlich darüber.

Wie Grillmeier informierte, wurden in Absprache mit dem Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz in der Vorstadt und am Oberen Markt zwei weitere Blitzerstellen eingerichtet und die Stundenbuchungen erhöht. Hier werde die Verwaltung auch stetig nachjustieren. Weil sich die Tempomessgeräte mit ihren Display-Anzeigen in Mitterteich und auch in anderen Kommunen bewährt hätten, schlug der Bürgermeister vor, die aktuellen Messstellen unverändert zu lassen und zwei weitere Exemplare anzuschaffen. Möglich wäre dann ein wechselnder Einsatz an den Ortseingängen in der Marktredwitzer und der Tirschenreuther Straße sowie in Oberteich.

Die Sprecher aller Fraktionen begrüßten den Beschlussvorschlag, am Ende votierte der Stadtrat geschlossen für den Kauf zweier weiterer Tempomessgeräte, die jeweils rund 2500 Euro kosten. Auf Zustimmung stieß auch die Anregung von Josef Schwägerl (CSU), die Wiesauer Straße ebenfalls bei künftigen Messungen zu berücksichtigen. Zweiter Bürgermeister Johann Brandl (SPD) merkte an, dass wohl in keiner anderen Ein- und Ausfallstraße "so geheizt wird" wie in der Wiesauer Straße.

Von der Polizei verwarnt

In der Diskussion wies Josef Schwägerl darauf hin, dass es Ausreißer meistens nachts oder am frühen Morgen gebe, wenn die Leute wüssten, dass nicht geblitzt werde. Viele Bürger bemängelten auch die hohe Lautstärke mancher Autos. "Es sind immer die Gleichen, die in der Stadt kreisen", beklagte Schwägerl und wunderte sich, ob bestimmte Auspuffanlagen ordnungsgemäß eingetragen sind. Er wünschte sich, dass die Polizei gezielt gegen diese Art der Lärmbelästigung vorgeht. Bürgermeister Grillmeier erwiderte, dass kein Einschreiten möglich sei, wenn eine Betriebserlaubnis vorliege. "Wenn aber jemand zehnmal rumfährt, dann hat man eine Handhabe." Gegen zwei auffällig gewordene Fahrzeughalter sei die Polizei inzwischen vorgegangen und habe Verwarnungen ausgesprochen.

Stationäres Blitzgerät

Erzürnt über die extremen Ausreißer bei den Messungen zeigte sich Heribert Hegen (Wählergemeinschaft Zukunft Stadt Mitterteich). Wenn jemand in der Vorstadt 110 km/h, in der Waldsassener Straße 114 km/h und in Pleußen 110 km/h schnell fahre, dann sei das keine Nachlässigkeit mehr, sondern Vorsatz. "Das sind Geisteskranke, die gehören sich aus dem Verkehr gezogen, für immer und ewig." Hegen warf die Frage auf, ob es möglich sei, ein stationäres Blitzgerät anzuschaffen. Eine solche Investition hätte sich wohl nach gut einem Jahr amortisiert, so Hegen. Stefan Grillmeier sicherte eine Prüfung zu.

Hegen bestätigte, dass es häufig Beschwerden über Lärmbelästigung durch laute Autos gebe. Am Pfingstwochenende habe er an einem Abend sogar die Polizei angerufen - der Grund seien Runden eines Wagens mit Klappenauspuffanlage gewesen - mit einem Lärmpegel "wie ein Maschinengewehr". Hegen beschrieb im Detail noch zwei andere hochmotorisierte Autos, die immer wieder negativ auffielen. "Denen gehört der Führerschein abgenommen", forderte Hegen. Diese Fahrer störten nicht nur die Nachtruhe, sondern gefährdeten mit ihrer Raserei auch die Sicherheit, so Hegen.

Melden und anzeigen

Auf den Rat der Polizei hin rief Heribert Hegen die Bürger dazu auf, bei fragwürdigen Beobachtungen Datum, Uhrzeit, Fahrzeug und Kennzeichen zu notieren und die Übeltäter zu melden. Bürgermeister Grillmeier bestätigte, dass es sich bei den verwarnten Fahrern um die Besitzer von zwei der beschriebenen Autos handele. Weiter stimmte er mit Hegen überein, dass jemandem der Führerschein entzogen werden müsse, wenn er mit über 100 Sachen durch Mitterteich fährt. Wolfgang Karbstein (WG Zukunft) appellierte ebenfalls an die Bevölkerung, entschieden zu handeln – er selbst habe nach einem Zwischenfall schon einen der besagten Fahrzeughalter angezeigt.

Überholmanöver am Marktplatz

Erst am vergangenen Samstag sei es zu einem Überholmanöver am Marktplatz gekommen, welches Holger Paschedag (CSU) beobachtet habe. „Die Geräusche sind ja Nebensache, aber es entstehen lebensbedrohliche Situationen“, meinte Paschedag und gab zu bedenken, dass die Ortsmitte stark von Menschen frequentiert werde, wobei Kinder besonders gefährdet seien. Auch Gerhard Greim (SPD) steuerte eine aktuelle Erfahrung bei: Als er mit dem Fahrrad am Sonntagmittag in der Wiesauer Straße stadteinwärts unterwegs war, habe eines der drei zuvor genannten Autos einen anderen Wagen überholt. „Der ist etwa 80 bis 90 gefahren. Ich habe gedacht, der raucht gleich in ein Haus rein.“ Ein solches Verhalten müsse Konsequenzen haben. Bernhard Thoma (Freie Wähler) regte an, auch in Nachtstunden blitzen zu lassen, „so dass es die notorischen Schnellfahrer auch mal erwischt“. Bürgermeister Grillmeier versicherte, dass die Stadt dies prüfen werde. „Wir werden möglichst flexibel agieren müssen“, bekannte Grillmeier. Wenn dann einer mal nach nächtlicher Raserei den Führerschein abgeben müsse, werde sich das schon herumsprechen.

Zusätzliche Schwerpunktkontrollen

Johann Brandl erinnerte noch daran, dass es im Stadtgebiet schon einmal zu einem Unfall wegen Raserei gekommen sei. Neben den Haltern der drei genannten auffälligen Fahrzeuge gibt es laut Brandl aber noch viele weitere unbekannte, die in Mitterteich für Lärm und Gefahren sorgten. Er schlug vor, mit der Polizei und der Kommunalen Verkehrsüberwachung zusätzliche schwerpunktmäßige Kontrollen einzurichten. "Wenn sie das erste Mal vier Wochen zu Fuß gehen müssen und 500 Euro zahlen, dann merken sie es sich", zeigte sich Brandl überzeugt. "Nur so kann man sie erziehen."

"Das sind Geisteskranke, die gehören sich aus dem Verkehr gezogen, für immer und ewig."

Heribert Hegen (WG Zukunft) über innerörtliche Raser

Heribert Hegen (WG Zukunft) über innerörtliche Raser

"Die Geräusche sind ja Nebensache, aber es entstehen lebensbedrohliche Situationen."

Holger Paschedag (CSU) über gefährliche innerörtliche Fahrmanöver

Holger Paschedag (CSU) über gefährliche innerörtliche Fahrmanöver

Dieser Regeln gelten in der Saison 2021 im Freibad Mitterteich

Mitterteich
Weil der Verkehr laut Messungen noch immer zu schnell durch die Innenstadt fließt, wurden am Oberen Markt (Bild) und in der Vorstadt weitere Blitzerstellen festgelegt.

 

 

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