26.05.2019 - 12:09 Uhr
MitterteichOberpfalz

Verliebt in eine alte Gedichtform

Der Schriftsteller Friedrich Brandl aus Amberg scheint in der Region - beurteilt man den Besuch der Lesung beim Arbeitskreis Literatur - wenig bekannt zu sein. Der Kulturpreisträger des Bezirks Oberpfalz war jetzt in Mitterteich zu Gast.

Friedrich Brandl (rechts) war zur Lesung zum Literarischen Arbeitskreis nach Mitterteich gekommen.

Der Schriftsteller Friedrich Brandl aus Amberg scheint in der Region - beurteilt man den Besuch der jüngsten Lesung beim Arbeitskreis Literatur - wenig bekannt zu sein. Karl Haberkorn, Leiter des Arbeitskreises, bedankte sich bei Moderator Hans Günther Lauth und bei Walter Pilsak, der für die musikalische Untermalung sorgte. Lauth wies eingangs gleich darauf hin, dass sich Brandl im Vergleich zu manch anderen Schriftstellern in einer anderen Liga bewege: Brandl ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller und des Internationalen Dialektinstituts.

Brandl, Jahrgang 1946, stellte sich zunächst als waschechter Amberger vor. Der gelernte Industriekaufmann berichtete aus seiner Kindheit. Mit 15 Jahren habe er festgestellt, dass ihn die Schule nicht mehr interessiere. Er trat ins Berufsleben ein. Gleichzeitig habe er sich in diesem Alter auch das erste Mal verliebt - auch in eine alte Gedichtform, die heute kaum noch bekannt ist: Sonetten. Und die Besucher bekamen gleich eine Probe aus dem Sonettenkranz "Gartenklänge" zu hören.

Der Buchautor Brandl war auch ab 1983 aktiv am Widerstand gegen die Atommüll-Wiederaufarbeitungsanlage in Wackersdorf beteiligt. Seine Erlebnisse und Erinnerungen hat er unter dem Titel "Wieder am Bauzaun" festgehalten. Das Buch, so Brandl, sei so notwendig wie auch der jüngst erschienene Film.

Der Autor verstand es, die Zuhörer mitzunehmen in die Zeit als der Widerstand gegen die Anlage und die massiven Polizeieinsätze auf dem Höhepunkt waren. Gespannt lauschten die Zuhörer auch den Schilderungen von Brandl, der mit den Autoren Bernhard Setzwein und Harald Grill gemeinsam auf der "Goldenen Straße" wanderte und wo sich so mancher Weggefährte unterwegs mit hinzugesellte. Niedergeschrieben steht das in dem Buch "Zu Fuß auf der goldenen Straße", eine literarische Wanderung von Pilsen nach Amberg.

Auch von Spaziergängen berichtete Brandl, wo ihn Schiefer, Granit und Kalk zu Gedichten inspirierten. Mit seinen Eigenkompositionen bereicherte Walter Pilsak den trotz des geringen Interesses spannenden Abend. Karl Haberkorn freute sich abschließend, weil man diese besondere Gedichtform Sonett sonst nicht mehr erleben darf und kann. Er verwies noch auf den nächsten literarischen Abend mit dem Mitterteicher Manfred Knedlik in zwei Monaten.

Hans Günther Lauth (Mitte) moderierte den Abend und Walter Pilsak (links) steuerte musikalische Eigenkompositionen bei.
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.