26.10.2020 - 16:00 Uhr
MitterteichOberpfalz

Zwangspause für Nikolaus und Knecht Ruprecht in Mitterteich

Ein großes Programm absolvieren der Burschenverein Mitterteich und die örtlichen Pfadfinder alljährlich am Nikolaus-Tag. Heuer wird es jedoch erstmals seit 66 Jahren keine Hausbesuche und auch keine anderen Auftritte geben.

Mehrere Nikolaus-Teams des Burschenvereins „Concordia“ Mitterteich nahmen hier im Bild bei einem Pressetermin vor drei Jahren Aufstellung im Altarbereich der Stadtpfarrkirche St. Jakob.
von Udo Lanz Kontakt Profil

Die Corona-Pandemie wirbelt das gesellschaftliche Leben in der Region weiter durcheinander und erzwingt jetzt auch bei beliebten Traditionen im Advent eine Pause. Der Burschenverein "Concordia" Mitterteich und der Stamm Mitterteich der Deutschen Pfadfinderschaft (DPSG) haben bekannt gegeben, dass sie in diesem Jahr keine Nikolaus-Hausbesuche und auch keine anderen Auftritte absolvieren werden. Und das zum ersten Mal seit 1954.

In Mitterteich wird es in diesem Jahr keinen Weihnachtsmarkt geben

Mitterteich

Stefan Helgert vom Burschenverein und Petra Landstorfer von den Pfadfindern informierten jetzt bei einem Gespräch mit Oberpfalz-Medien über diese Entscheidung und die Beweggründe. Wie Helgert berichtet, habe er Ende September das Landratsamt kontaktiert und angefragt, welche Auflagen bei Nikolaus-Hausbesuchen zu beachten wären. Als die umfangreiche Antwort einging, folgten Beratungen im Vorstand des Burschenvereins und eine Rücksprache mit den Pfadfindern.

Immense Auflagen

Am Ende seien sich beide Vereine angesichts der immensen Hygiene- und Sicherheitsauflagen und des damit verbundenen Aufwands schnell einig gewesen, auf die Dienste zu verzichten. "Das hätte nichts mehr mit einem klassischen Nikolaus-Besuch zu tun, der ja Freude machen soll", resümiert Helgert. "Es ist wirklich schade", räumt Petra Landstorfer ein. Aber so habe es keinen Sinn.

Stefan Helgert gibt zu bedenken, dass bei jedem Hausbesuch die Kontaktdaten der Anwesenden erfasst werden müssten. "Und man kann nicht überall den Abstand von 1,5 Metern einhalten", erklärt Helgert mit Verweis auf kleine Räumlichkeiten. Dann müssten der Nikolaus und der Knecht Ruprecht zusätzlich zum Bart noch Maske tragen. In unangenehme Situationen könne man auch kommen, wenn in einer Wohnung plötzlich mehr Leute versammelt wären als erlaubt.

Schwierig zu gestalten wäre auch die Verteilung von Geschenken, welche die jeweiligen Eltern normalerweise beim Eintreffen des Nikolaus-Paars an der Tür oder im Flur in den Sack geben. "Wir müssten den Sack jedes Mal desinfizieren", schildert Helgert. "Oder immer gleich einen neuen Sack nehmen."

Alle oder gar keiner

"Wir haben uns den Kopf darüber zerbrochen, ob wir das Ganze im Freien machen könnten", gibt Helgert Einblicke in die internen Beratungen. "Aber viele haben keinen Garten und wollen es vielleicht auch nicht an der Haustür durchziehen." Daher habe man aus Gerechtigkeitsgründen den Schluss gezogen, entweder alle zu bedienen oder gar keinen.

Ein logistisches Problem ergäbe sich auch schon beim Einkleiden der zahlreichen Nikolaus-Teams am 5. Dezember. Bei beiden Vereinen gehe es dabei ziemlich eng zu. "Wir haben nur einen Ein- und Ausgang und könnten keine Abstände einhalten", berichtet Helgert.

Wiederholt betont Helgert, dass die Auskünfte zu Auflagen schon mehrere Wochen alt seien. Damals sei man bei der Prüfung der Sachlage noch von deutlich niedrigeren 7-Tages-Inzidenzwerten ausgegangen. Doch ab 50 Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner mit den damit verbundenen Beschränkungen könnten derartige Dienste überhaupt nicht mehr angeboten werden, so Helgert. Und selbst bei einer zwischenzeitlichen Besserung der Situation könnten die Zahlen schnell wieder nach oben gehen. "Dann dürften wir kurzfristig alles abblasen."

Wir wären der Wander-Hotspot von Mitterteich.

Stefan Helgert über das Risiko einer unbemerkten Corona-Infektion eines Nikolaus- oder Knecht-Ruprecht-Darstellers

Ohnehin hätten schon mehrere Burschen frühzeitig mitgeteilt, dass sie heuer lieber nicht mit auf Tour gehen wollen, so Helgert. Petra Landstorfer ergänzt, dass in den Reihen der Pfadfinder einige Mitglieder zu Risikogruppen gehörten. Letztlich gebe es auch das Risiko einer unerkannten Corona-Infektion bei den Nikolaus-Teams, die von Haus zu Haus ziehen. "Wir wären dann der Wander-Hotspot von Mitterteich", macht Stefan Helgert deutlich. Eine Situation wie im Frühjahr wolle vor Ort keiner mehr. Nicht zuletzt könnten die Vereine unter Umständen auch rechtlich belangt werden.

Anziehende Wirkung

Keine Chance sehen Stefan Helgert und Petra Landstorfer auch für anderweitige Nikolaus-Auftritte, etwa beim geplanten "Weihnachts-Shopping" auf dem Oberen und Unteren Markt. "Ein Nikolaus zieht Kinder an", weiß Helgert. Die Bildung von Menschentrauben könnte wohl nicht verhindert werden.

"Wir bitten, dass die Entscheidung akzeptiert wird", appellieren die Vertreter beider Vereine am Ende an die Bevölkerung und werben um Verständnis.

Stefan Helgert vom Burschenverein "Concordia" und Petra Landstorfer von den Pfadfindern erklärten bei einem Pressegespräch, warum die beiden Vereine heuer auf Nikolaus-Dienste und weitere Auftritte verzichten.

Zur Absage von Advents-Veranstaltungen und Nikolaus-Auftritten ein Kommentar von Redakteur Udo Lanz

Mitterteich
Das Archivbild zeigt ein Nikolaus-Team der Pfadfinder beim Mitterteicher Weihnachtsmarkt 2019. Auch solche Auftritte werden die Pfadfinder und der Burschenverein in diesem Jahr nicht absolvieren.
Schon das Ankleiden der zahlreichen Nikolaus-Teams wäre laut Stefan Helgert (Mitte) wegen der Hygiene-Auflagen ein Problem, wie er berichtete. Dieses Archivfoto entstand bei einem Pressetermin vor drei Jahren. Mit im Bild Wilhelm Pauli (rechts) und Rainer Hutterer.
Hintergrund:
  • Seit 1954 bieten der Burschenverein "Concordia" Mitterteich und der Stamm Mitterteich der Deutschen Pfadfinderschaft jeweils Nikolaus-Dienste an. Das Einsatzgebiet ist längst nicht mehr auf das Gemeindegebiet beschränkt, sondern erstreckt sich über die ganze Region.
  • Der Burschenverein bildet alljährlich am Nikolaus-Tag bis zu 13 Teams gleichzeitig, die Pfadfinder bis zu 8. Bei den Pfadfindern werden Nikolaus und Knecht Ruprecht zum Teil auch noch um Engel ergänzt.
  • Im vergangenen Jahr absolvierten die Nikolaus-Paare des Burschenvereins am 5. Dezember 105 Hausbesuche, hinzu kamen über die ganze Weihnachtszeit verteilt noch über 60 Einsätze bei Vereins- oder Firmenfeiern und öffentlichen Veranstaltungen. Bei den Pfadfindern waren es 50 Hausbesuche am Nikolaus-Tag und rund 15 weitere Auftritte.

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