Schuldscheine ans Kreuz heften

"Wo sind wir schuldig geworden gegenüber Gott, den Mitmenschen oder sich selbst?" Die Kinder fühlen im Familiengottesdienst den Gläubigen ganz schön auf den Zahn.

Familiengottesdienst in Mockersdorf.
von Autor HAIProfil

Denn die Besucher der Messe wurden bereits ganz schön überrascht, als sie vor dem Kirchenportal von den Geschwistern Johanna, Maximilian und Benedict Busch empfangen wurden und diese ihnen einen Schuldschein in die Hand drückten. Alles sollte sich in diesem Kindergottesdienst um dieses Stück Papier drehen. Passend dazu stimmte Lucia Fürst als Eingangslied auf der Orgel das "Doch darf ich dir mich nahen, mit mancher Schuld beladen?" aus der Schubert-Messe an.

Einen Schuldschein habe es in früheren Jahrhunderten gegeben, erklärte Pfarrer Sven Grillmaier in seiner Begrüßung. Dann nämlich, wenn man sich jemand von einem anderen etwas geliehen hatte. Diese Schuld wurde niedergeschrieben, damit sie nicht in Vergessenheit geriet.

Später konnte man den Schuldschein den Schuldner unter die Nase halten und ihn daran erinnern: "Ich bekomme noch Geld von dir. Rück´s ´raus", sagte Pfarrer Sven Grillmeier in bestem Dialekt. Und wenn man nur die Hälfte begleichen konnte, wurde der Schuldschein auf die Hälfte abgeändert.

"Analog schulden wir der Kirche oder Gott zwar kein Geld", merkte der Geistliche an. Aber der Mensch schulde Gott beispielsweise, dass er sich an die zehn Gebote halte, dass er ein Leben mit ihm führt, dass er es so lebt und seine Mitmenschen liebt, wie Gott es von den Menschen erwartet, dass der Mensch darauf hört, was Gottes sagt. Also: "Dass wir so leben, dass Gott Freude an uns hat."

"Nur, das schaffen wir nicht immer", sagte Pfarrer Sven Grillmeier. Deswegen stehe der Mensch in Gottes Schuld, die gleichsam wieder auf einem Schuldschein festgehalten sei.

In einem Moment der Stille waren Kinder und Erwachsene aufgefordert, ihr Gewissen zu erforschen und gleichsam in Gedanken ihren Schuldschein auszufüllen. Dazu spielte Lucia Fürst an der Orgel "Air" von Johann Sebastian Bach.

In seiner Predigt ging Grillmeier schließlich der Frage nach, was Jesus mit den Schuldscheinen mache. Jeder dürfe immer zu ihm kommen, wenn er etwas falsch gemacht habe. Und wenn der Mensch bereue, vergebe Jesus ihm die Schuld und dieser erlebe sein kleines Ostern. "Deshalb freuen wir uns, dass wir getauft sind." Aus diesem Grund erneuerten die Gläubigen ihr Taufversprechen und sangen das Tauflied "Fest soll mein Taufbund immer stehen".

In den Fürbitten beteten Antonia Schäffler, Lara Walter, Johanna Busch, Luca Wolfram und Julia Hummer, dass die Menschen Vergebung schenken und den Gläubigen sich die Tore des Himmlischen Reiches öffnen mögen. Unter den Klängen von „Jesu, meine Freude" von Johann Sebastian Bach und „Ombra mai fu" von Georg Friedrich Händel traten die Kinder und Gläubigen, aber auch Pfarrer Sven Grillmeier, Ministranten und Kirchenpfleger August Hofmann nach vorne an den Altar und hefteten ihren Schuldschein an ein Kreuz. Feierlich lobten und priesen sie anschließend mit den Lieder der Schubert-Messe Gottes Größe.

Bevor die Kinder und Erwachsenen mit dem A-Moll-Präludium von Johann Sebastian Bach in den Sonntag entlassen wurden, gab es von Pfarrer Sven Grillmeier an die Adresse des Vorbereitungsteams mit Maria Busch, Heidi Schäffler, Melanie Walter und Kerstin Haberberger ein dickes "Danke für die immer wieder tollen Ideen".

Familiengottesdienst in Mockersdorf.
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