07.06.2018 - 11:06 Uhr
MoosbachOberpfalz

Der Don Camillo von Moosbach

Der einstige Moosbacher Pfarrer Joseph Staab gilt als umsichtiger, aber auch streitbarer Geistlicher. Heuer jährt sich sein Geburtstag zum 150. Mal. Ein Grund, in die Chronik eines weiteren ehemaligen Seelsorgers, Andreas Hirn, zu werfen.

Pfarrer Joseph Staab mit seiner Schwester Maria vor dem Pfarrhaus in Moosbach. Er ging keinem Streit mit der Gemeinde aus dem Wege, war aber stets ein Helfer und Unterstützer seiner Gläubigen.
von Peter GarreissProfil

Staab wirkte 24 Jahre in der Pfarrei. Er kam vor 150 Jahren, am 3. Juli 1868, in Eichstätt zur Welt. Seine Eltern und der dortige Ortsgeistliche erkannten sehr schnell, dass es den kleinen Joseph zur Priesterberuf hinzog.

Nach seinen Studien wurde er am 16. Juni 1895 zum Priester geweiht. Es folgten Anstellungen als Kooperator in Hirschau (1895 bis 1899) und Sulzbach (1899 bis 1901). Am 12. Juni 1901 wurde Staab der neue Expositus von Prunn im Altmühltal. Sieben Jahre verrichtete er seinen Dienst in diesem sehr geschichtsträchtigen Ort unterhalb der weltbekannten Gralsburg. Vor 110 Jahren berief ihn der Bischof von Regensburg mit Wirkung vom 20. Mai 1908 zum Pfarrer von Moosbach. Bis 1. Oktober 1932 war er ein treu sorgender Geistlicher für seine rund 1800 Pfarrangehörigen.

Besonders in den Kriegszeiten von 1914 bis 1918 war Staab ein Rückhalt in der Bevölkerung. Wöchentlich gingen Meldungen über gefallene und vermisste Frontsoldaten ein. Mit über 100 Toten war der Blutzoll für Moosbach besonders hoch.

Pfarrer Staab besuchte die betroffenen Familien, tröstete sie und leitete notwendigen Hilfen ein. Und noch ein großes Verdienst von Staab ist zu nennen: Während seiner Amtszeit wurden fünf junge Männer zu Priestern geweiht, die er fürsorglich zum Altar des Herrn führte. Es waren Johann Beugler aus Grub (1910), Andreas Dobmeier aus Gaisheim (Priesterweihe 1911), Dionysius Bauridl aus Moosbach (1914), Jakob Eckl aus Grub (1914) und Jakob Meiler aus Tröbes (1929).

Pfarrer Staab hatte aber auch eine andere Seite, nämlich die, dass er sich nicht alles gefallen ließ. Da konnte er zum Don Camillo werden. Als der Gemeinderat am 19. März 1909 neue Wassergebühren festsetzte, konnte er nicht ahnen, welcher Ärger damit auf ihn zukam. Anlass der Verwirrung war, dass für den Springbrunnen des Seelsorgers ein Pauschalbetrag von 26 Mark festgelegt wurde. Der Brunnen war mit einem Ablauf versehen, der das kostbare Nass in den Ortskanal ableitete.

Staab entpuppte sich als streitbarer Geistlicher. Prompt legte er Widerspruch ein. Diesen verwarfen die Räte am 13. April 1909. Auch das Angebot des Pfarrers, den Wasserablauf zu entfernen und den Springbrunnen nur drei Stunden laufen zu lassen, lehnten sie ab. "Wenn jeder andere Wassergast bei jeder Gelegenheit auf Minderung seiner Wasserzinsen bestehen würde, müssten die Wasserzinsen im Jahr drei bis viermal geändert werden", konterten die Räte am 11. Mai und empfahlen ihrem Ortsgeistlichen, sich an das königliche Bezirksamt zu wenden. Aber auch hier fand Staab kein Gehör. Erbost stellte er den Brunnenbetrieb ein. Und weiter ging der Streit zwischen Kirche und Gemeinde. Pfarrer Staab und sein Benefiziat Röck stellten beim Gemeinderat Antrag auf Entfernung alter Bäume an der Nordseite der Pfarrkirche (heute Parkplatz hinter der Kirche).

Der Gemeinderat lehnte das ab. Er nannte die Bäume eine Zierde des Kirchplatzes und der Schaden, den dieselben im Garten des Benefiziaten verursachen sollen, könne nicht berechnet werden. Kurzerhand ließ Pfarrer Staab die Wurzeln, die von Gemeinde- auf Kirchengrund eindrangen, abhauen und entfernen. Die Gemeinderäte waren darüber sehr erzürnt. Noch dazu als es offenkundig wurde, dass die Bäume nun langsam abstarben.

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