11.06.2019 - 14:10 Uhr
MoosbachOberpfalz

Landwirte rechnen mit Naturschutz ab

Tobias Maul, Vertreter der Regierung der Oberpfalz, stellt im Moosbacher Rathaussaal ein neues Tier- und Pflanzenschutzkonzept vor. Die anschließende Diskussion wird zu einer Abrechnung mit dem bisherigen Naturschutz.

Das FFH-Gebiet links und rechts entlang des Loisbachs führt ab dem ersten Baum links neben dem Bachlauf Richtung Eslarner Kurpark. Grundstücksbesitzer Hans Kleber fürchtet eine Beschränkung seiner Handlungsfreiheit.
von Ernst FrischholzProfil

Die Regierung der Oberpfalz erarbeitet einen Managementplan für das Fauna-Flora-Habitat (FFH) "Pfreimd und Loisbach". Darin sollen Erhalt und Entwicklung der Lebensräume für Tiere und Pflanzen geplant werden.

Tobias Maul stellte als Vertreter der Regierung den Plan im Gemeindesaal in Moosbach vor und stellte sich den Fragen der Zuhörer. Es gab heftigen Gegenwind: Albert Gollwitzer fragte grundsätzlich, ob die Landwirte bei der Kartierung beteiligt werden und ob Widerspruch gegen Maßnahmen darin möglich ist. Dies verneinte Maul. Erst der Runde Tisch mit den Ergebnissen der Kartierung, vermutlich im Jahr 2021, sehe eine Möglichkeit für Einwände vor.

Schützenswerte Fische

Das stieß vielen der Anwesenden sauer auf. Hans Kleber aus Eslarn ergriff das Wort und stellte unter Applaus klar, dass sich die Landwirte bis dahin nicht mitgenommen fühlen. "Ihr kartiert, legt Maßnahmen fest, und wenn es dann ums Umsetzen geht, erst dann braucht ihr uns Bauern." Kleber sprach die Probleme an, vor denen er selbst stehe: Der Loisbach fließt als Teil des kommenden FFH-Gebiets in Eslarn durch sein landwirtschaftliches Anwesen. Kleber nannte es abstrus, einen Bach mitten durch Eslarn in diese Maßnahme einzubeziehen. Ihm werden wohl Entwicklungsmöglichkeiten genommen.

Der Regierungsbeamte erklärte dazu, dass die bestehende Nutzung weiter möglich sein werde. Eine Hofstelle herauszunehmen, sehe der Plan nicht vor. "Wenn kein Schutzgut vorhanden ist, gibt es keinerlei Probleme." Kleber befürchtete nun aber, dass sich im Verlauf der Kartierung eine Groppe, einer der schützenswürdigen Fische, in den Bach verirrt. Dann sehe er sich vor dem Aus.

Eslarns Bürgermeister Rainer Gäbl meinte, im Loisbach sei seines Wissens nach "nichts". Laut Christian Harrandt, zuständig für den Fachbeitrag "Fische", fehle schon die Struktur für die Groppe. Allerdings könne er auch nicht ausschließen, dass es diesen Fisch im Loisbach gibt.

Angst um Existenz

Thomas Kleber, ebenfalls Landwirt fragte, ob der Bachlauf im Bereich der Wiesen befestigt werden könnte, um diese vor Überschwemmung zu schützen. Der Regierungsvertreter räumte diesem Vorhaben kaum Chancen ein. Allerdings komme es hier auf den Einzelfall an. Zum Thema Wiesen ergriff auch die Moosbacher CSU-Vorsitzende Erika Sauer das Wort. Sie züchtet Rotes Höhenvieh und sah ihre Existenz gefährdet, wenn ihr eine intensive Nutzung ihrer Wiesen untersagt wird. Inge Roßmann von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts wandte ein, hierfür gebe es Förderprogramme wie "KULAP". "Was soll ich mit der Förderung, meine Kühe fressen kein Geld, sondern Gras", konterte die Bäuerin sichtlich verärgert. "Wenn meine Tiere zwei Mal im Jahr den Rasenmäher machen sollen, kann ich gleich aufgeben."

Otter und Biber

Ein weiteres heißes Thema war der Fischotter: "Wenn dieser bei der Kartierung vorkommt, wo ist dann der Biber, der die FFH-Gebiete massiv beeinträchtigt", fragte der Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands, Hans Winter. Der Biber sei als Schutzgut außen vor, da nicht aufgeführt, antwortete Maul. Das konnten einige Anwesende nicht nachvollziehen, galt der Biber doch noch vor Jahren als schützenswerte Art. Daran erinnerte Ludwig Saler und sagte, das Tier sei heute "die Plage". Genauso würde es mit dem Fischotter werden. Dies konnte der Regierungsbeamte Maul wiederum nicht ausschließen.

Johann Dittmann vom Kreisfischereiverein malte eine düstere Prognose: "Mit dem Schutz des Fischotters wird es in fünf Jahren in der Pfreimd keine Fische mehr geben. Der Fischotter ist eine Marderart, und der frisst alles." Er stellte die Möglichkeit der Entnahme in den Raum. "Mein Verein pachtet die Gewässer für 14 000 Euro im Jahr. Er stellt sie auch zum Angeln dem Tourismus zur Verfügung." Die Fischer füllten jährlich den Fischbesatz mit hohen Kosten auf. "Was sie bis jetzt dürfen, wird auch weiter so bleiben", antwortete Maul. Es müsse allerdings beim Fischotter geprüft werden, ob der Bestand eine Entnahme zulässt.

Moosbachs Bürgermeister Hermann Ach warf noch die Frage auf, welche Einschränkungen es für die Gemeinde für die Abwasserleitungen oder die Drainagen der Landwirte gebe. Ach befürchtete zukünftig eine "eingeschränkte Bewirtschaftung".

Das FFH-Gebiet entlang des Loisbachs in Eslarn beim Anwesen von Hans Kleber.

Schutzprojekt Fauna-Flora-Habitat Pfreimd und Loisbach

Moosbach
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