Moosbach
02.08.2018 - 10:20 Uhr

Milchmarkt sehr fragil

Das ständige Wirtschaftswachstum könne nicht gesund sein. Und auch auf dem Milchmarkt läuft einiges in die falsche Richtung. Das kritisiert der Verband der Milchviehhalter.

Die SPD-Politiker Europaabgeordneter Ismail Ertug, Bundesabgeordneter Uli Grötsch (von rechts) und Landtagsabgeordnete Annette Karl (Zweite von links) stellen sich der Diskussion mit dem BDM-Kreisteam. Vor allem Hubert Meiler (Fünfter von rechts) spricht sich einiges von der Seele. dob
Die SPD-Politiker Europaabgeordneter Ismail Ertug, Bundesabgeordneter Uli Grötsch (von rechts) und Landtagsabgeordnete Annette Karl (Zweite von links) stellen sich der Diskussion mit dem BDM-Kreisteam. Vor allem Hubert Meiler (Fünfter von rechts) spricht sich einiges von der Seele.

(dob) Der Milchmarkt zeigt sich auf nationaler, europäischer und zum Teil auch auf globaler Ebene sehr fragil. Die Landwirte sind deshalb besorgt. Aber nicht nur darüber. Die Entwicklungen in der Landwirtschaft, die auf immer mehr Gewinnmaximierung hin gesteuert werde, treibt die Bauern um. „Dieses Wirtschaftswachstum ist nicht gesund“, ist Hubert Meiler vom Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) überzeugt. Er war mit dem Kreisteamleiter Werner Reinl, Martin Deubzer, Helmut Ott und Hans Mois zum Milchviehbetrieb von Edith und Martin Liegl in die Eslarner Straße gekommen, um mit dem Europaabgeordneten Ismail Ertug, Bundestagsabgeordneten Uli Grötsch und Landtagsabgeordneter Annette Karl von der SPD auf dem Milchviehbetrieb in einer kleinen Runde viele Probleme anzusprechen.

Mit spektakulären und nicht immer unumstrittenen Protesten machen die Mitglieder des BDM seit 20 Jahren auf sich aufmerksam. Derzeit falle den Bauern wieder die leidige Milchmarktpolitik auf die Beine. Die hohen Lagerkosten und der Verkauf unter dem Einstandspreis sind ein Dilemma. Mit großer Sorge blicken die Milchviehhalter auf die aktuellen Entwicklungen auf dem Milchmarkt wie auch auf die Diskussionen um die notwendigen politischen Weichenstellungen für die Marktrahmenbedingungen für den Milchmarkt. Große Sorgen bereiten immer noch die unverantwortlich großen Lagerbestände von Magermilchpulver in der staatlichen Intervention. „Das zu lange Warten auf einen wirksamen Markteingriff rächt sich jetzt“, wetterten die BDM-Mitglieder.

Alle Marktakteure seien gefordert, Verantwortung zu übernehmen und sich den vielfältigen Aufgaben zu stellen, die eine wirksame Krisenvorsorge mit sich bringt. Auf politischer Ebene gelte es, verantwortungsvoll zu handeln und Veränderungen in den Milchmarktrahmenbedingungen vorzunehmen. „Es müssen Instrumente installiert werden, die geeignet sind, Milchmarktkrisen wirkungsvoll entgegenzuwirken“, forderten die BDM-Vertreter.

Klare Meinungen vertreten die Männer ebenso über die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Als oberstes Gebot gelte die Einkommenssicherung der Landwirte. „Es darf keine Prämienkürzungen geben, da jeglicher Einkommensverlust bei den Landwirten einfach nicht mehr tragbar ist.“ Reinl weiter: „Wir fordern ein radikales Umdenken bei den GAP-Verhandlungen, wir brauchen eine gemeinsame Marktordnung, bei der wir gute Preise für unsere Produkte erzielen können und nicht von einer Krise zur nächsten schlittern.“

Doch nicht nur die Milchpolitik erregte die Gemüter. Gleiches gilt für die geplante Ostbayernring-Stromtrasse. „Jetzt gilt es, die geplante Schneise mit neuer Technologie schmaler zu machen“, sagte Karl. „Das müssen wir durchsetzen.“ Ihrer Meinung nach ist die verpflichtende Erdverkabelung eine Fehlentscheidung. Momentan werden die Varianten des Ostbayernrings in das Raumordnungsverfahren eingereicht. Im Prinzip laufe der Streckenverlauf neben der bestehenden Trasse. Ausnahme Windischeschenbach: Dort hätte die Wohnbebauung nah an die vorab geplante Trasse herangereicht. „Zufällig wohnen dort der Landrat und der Bürgermeister.“ Deshalb mache die nun neu ins Auge gefasste Trasse dort eine Kurve, um die Abstände zu den Wohngebieten deutlich zu vergrößern, berichtete Annette Karl. Ansonsten ändere sich nichts mehr in der Region, wusste die Landtagsabgeordnete. „Wir stückeln unsere ganze Landschaft mit der Autobahn, dem Ostbayernring und der Erdverkabelung“, merkte Meiler an. „Man ist nicht fähig, solche Trassen gebündelt zu verlegen." Auch Berlin habe hier "nicht geliefert", sagte Karl in Richtung Uli Grötsch.

Daraufhin erzählte der Bundestagsabgeordnete von einer Runde, in welcher die Bayern SPD-Landesgruppe im Bundestag übelst darauf gedrängt habe, dass die Erdverkabelung beim Ostbayernring umgesetzt wird. Dagegen habe sich Georg Nüßlein, CSU-Abgeordneter aus Schwaben, partout dafür eingesetzt, diese abzuwenden. „Der hat das zu Fall gebracht.“ Meiler will sich nicht einfach damit abfinden, dass schon alles beschlossen ist. „Wackersdorf hat unserer Region gezeigt, dass es auch anders geht.“ In der Stromleitung von Nord nach Süd sieht der Störnsteiner keinen Sinn. „Der Strom muss vor Ort erzeugt werden.“ Karl bestätigte: „Die Stromtrasse dient nicht der Oberpfalz zur Stromversorgung. Es geht darum, das Chemiedreieck Dingolfing zu versorgen.“„Die Industrie sei "Teil unseres Wohlstands in Bayern“. Man könne nicht alles verhindern. Meiler sieht darin das Aus für die Biogasanlagen die dann nicht mehr subventioniert würden.

Annette Karl will sich, sollte sie bei der anstehenden Landtagswahl wieder gewählt werden, genau die Ausbildung der Landwirte anschauen, aber auch die Lehrer an den Landwirtschaftsschulen. "Woher sollen die jungen Landwirte neue Ideen entwickeln, wenn ihnen Lerninhalte von vor 40 Jahren vermittelt werden? Da muss es Umbrüche geben.“ Der Verbraucher fordere gesunde Lebensmittel, die er vor Ort erzeugt und regional vermarktet haben wolle, wusste Meiler. „Was machen wir Landwirte? Wir produzieren immer mehr in immer größer werdenden Einheiten.“ Hier sei auch die Politik gefordert, regelnde Leitplanken einzupflocken.





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