12.03.2021 - 09:54 Uhr
MoosbachOberpfalz

Moosbach bekommt dritte Photovoltaik-Großanlage

Am südlichen Ortseingang an der Staatsstraße nach Oberviechtach entsteht eine weitere Freiflächen-Solaranlage. Damit könnten alle Haushalte der Gemeinde mit Strom versorgt werden.

Auf dem drei Hektar großen Gelände südlich des Steinwerkes Rappl in Moosbach entsteht eine Photovoltaik-Anlage mit drei MWp Leistung.
von Peter GarreissProfil

Nun ist es amtlich: Der Moosbach erhält nach den beiden Photovoltaik-Anlagen im Gewerbegebiet „Schießtrath“ eine dritte Groß-Anlage am südlichen Ortseingang an der Staatsstraße nach Oberviechtach. Der Marktrat unter Vorsitz von Bürgermeister Armin Bulenda genehmigte in seiner Sitzung die dafür erforderliche Satzung ohne Gegenstimme. Der für künftige Zeiten geplante Grundsatz, neue Anlagen nur mehr zu erlauben, wenn 80 Prozent der geeigneten Dachflächen mit PV-Anlagen belegt sind, wurde nicht angewandt. Aus dem Rathaus verlautete, dass Planer weiterer PV-Anlagen Schlange stehen sollen.

„Sondergebiet Solarpark Scheibe"

Landschaftsarchitekt Matthias Rembold aus Nabburg legte dem Gremium die Ergebnisse der Anhörverfahren für die fünfte Änderung des Flächennutzungsplans und den vorhabenbezogenen Bebauungsplan „Sondergebiet Solarpark Scheibe“ vor. Die drei Hektar große Anlage könne künftig 963 Haushalte versorgen. In der Gemeinde gebe es nur 700 Haushalte. 50 Prozent des erzeugten Stroms wird im angrenzenden Steinwerk Rappl benötigt, der Rest in das Netz eingespeist. Die Anlage spare künftig 3100 Tonnen Kohlendioxid. Rembold erklärte, dass 13 Träger öffentlicher Belange (Fachstellen) gehört wurden. Sieben davon brachten Einwendungen, sechs nur Anregungen und Bedenken vor.

Das Landwirtschaftsamt Weiden stellte den Verlust landwirtschaftlich genutzter Flächen fest und forderte deshalb ein Alternativkonzept. Es signalisierte aber Einverständnis, wenn der Plan, das Gelände alle vier bis fünf Jahre zu kalken, zurückgenommen wird. Dies akzeptierte das Gremium. Die Untere Naturschutzbehörde forderte die Anpassung der Modulhöhen von 3 auf 2,80 Meter. Das Sachgebiet 41 (Naturschutz) stellte fest, dass die umzäunte Fläche 30.026 Quadratmeter betrage. Hieraus ergebe sich ein Ausgleichsbedarf von 6005 Quadratmetern. Der Ausgleich werde in einem Gemeindebach bei Gaisheim durchgeführt. Wäre der Gemeinderat bei der Kalkung des Grundstücks geblieben, so wäre der Ausgleichsbedarf wesentlich höher ausgefallen.

Die UWG-Fraktion diskutierte mit den Bürgern in einer Videokonferenz über das Thema Photovoltaik

Moosbach

Die technische Bauabteilung des Landratsamts Neustat verlangte, dass Feuerwehrfahrzeuge das PV-Gelände ungehindert befahren können. Auf eine innere Erschließung verzichtete die Behörde. Eine Ausführung des Zauns mit Stacheldraht wurde untersagt, gesetzliche Abstandsflächen müssen eingehalten werden. Keine Einwendungen kamen vom Regionalen Planungsverband Oberpfalz-Nord. Er wies darauf hin, dass die PV-Anlage die Ziele der Regional- und Landesplanung stärke und damit die Entwicklung im ländlichen Raum nachhaltig unterstütze. Mangels Alternativen stimmte auch der Bund Naturschutz der Errichtung der neuen PV-Anlage zu. Schließlich gaben auch die Deutsche Telekom, die höhere Landesplanungsbehörde bei der Regierung der Oberpfalz und die Bayernwerk Netz GmbH ihre Zustimmung.

Keine besonderen Auswirkungen

Johann Schnupfhagn fragte den Planer, ob das vom Gemeinderat in der März-Sitzung 2020 geforderte Lärm- und Blendschutzgutachten vorliege. Vor einem Jahr wurde über Lärm- und Blendschutzmaßnahmen ausführlich diskutiert. Anlieger auf der anderen Straßenseite befürchten Nachteile. Architekt Rembold bestätigte dies, und erklärte, dass die beiden Gutachten vorliegen. Sie kämen zu dem Schluss, dass durch die geplante Freiflächen-Photovoltaikanlage keine besonderen Auswirkungen hervorgerufen werden können. Blendungen durch die Sonne auf Autos oder die Nachbarschaft konnten ebenso wie eine Reflexion der Verkehrsgeräusche an der geplanten Heckenstruktur zur Staatsstraße hin ausgeschlossen werden.

Die Frage von Hermann Ach, ob die Blend- und Lärmschutzgutachten dem Landratsamt vorliegen, bejahte Rembold. Ach verlangte Sicherheiten, dass durch die Pflege der Ausgleichsflächen im Bachlauf bei Gaisheim keine Kosten auf dem Markt Moosbach zukommen. Erhard Scheuerer erklärte im Namen der UWG-Fraktion, dass Überlegungen geführt werden müssen, wie künftig bei PV-Anlagen verfahren wird. Es sollten mehr Anlagen auf die Dächer, damit landwirtschaftliche Flächen geschont bleiben. Bürgermeister Armin Bulenda unterstützte dies und wies Scheuerer auf einen Marktratsbeschluss vom Mai 2020 hin. Einstimmig wurde die fünfte Änderung des Flächennutzungsplanes sowie die Inkraftsetzung des Bebauungsplans „Sondergebiet Solarpark Scheibe“ genehmigt.

Hintergrund:

Die neue Photovoltaik-Anlage

  • Kann fast 1000 Haushalte versorgen, in Moosbach gibt es nur 700
  • Steinwerk Rappl wird 50 Prozent des erzeugten Stroms benötigen, Rest wird ins Netz eingespeist
  • Umzäunte Fläche 30.026 Quadratmeter
  • Kohlendioxid-Ersparnis 3100 Tonnen

 

 

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