04.01.2019 - 10:17 Uhr
MoosbachOberpfalz

Vier Rathäuser in 400 Jahren

In den meisten Gemeinden steht das Rathaus seit Jahrhunderten am selben Platz. Nicht so in Moosbach.

Das erste Moosbacher Rathaus befand sich von 1614 bis 1848 am Marktplatz vor der Pfarrkirche, dort wo heute die große Eiche steht (siehe Bild), die sog. Friedenseiche, die 1871 nach dem Frieden mit Frankreich gepflanzt wurde.
von Peter GarreissProfil

Bis auf das älteste Rathaus, waren die Standorte der anderen immer schon bekannt. Jetzt ist es klar: das erste Rathaus stand direkt am Marktplatz, das zweite beziehungsweise dritte Rathaus dort, wo sich heute die Musikschule befindet und das vierte und jetzige Rathaus in der Brunnenstraße/Ecke Hauptstraße. Insgesamt wurden also vier Rathäuser neu gebaut: 1614 das erste, 1869 das zweite, 1963 das dritte und 1986 das vierte. Bis zu Beginn des 17. Jahrhunderts war das Rathaus immer in der Wohnung des Bürgermeisters untergebracht.

Mit der Erhebung von Moosbach zum Markt 1608 war die Verpflichtung verbunden, ein Rathaus zu bauen und einen Marktschreiber anzustellen. Der Bau begann 1610 und dauerte vier Jahre. Endlich 1614 war das Rathaus fertiggestellt. Es befand sich unterhalb der Pfarrkirche, dort wo heute die 1871 gepflanzte Friedenseiche steht und war ein stolzer Bau von 14 Metern Länge und sieben Metern Breite. Über 230 Jahre, bis zum großen Brand von Moosbach 1848, bei dem 96 der 100 Wohnhäuser vernichtet wurden, war hier das Rathaus untergebracht.

Ein Inventarium aus dem Jahr 1792 gibt einen Überblick über die Räume und die Einrichtung: „Auf dem Rathaus in der Amtsstube befinden sich ein großes in Holz geschnitztes Kruzifix sowie gefasste Bilder der heiligen Johannes Nepomuk und Michael. Außerdem ein auf Leinwand gemaltes Bild in schwarzem Rahmen zur Abschreckung von der Ablegung eines falsches Eides, denn der Markt Moosbach hatte die niedere Gerichtsbarkeit.

Außerdem waren im Rathaus ein großer Tisch aus Föhrenholz, ein blauer Teppich mit blau-weißen Fransen, zwei beschlagene Registrierkästen, 15 Lehnstühle für die Räte und das Buch „Der ökologische Hausvater“ vorhanden. Unter dem Rathaus befanden sich drei Feuerleitern und zwei Feuerhaken sowie ein Zwei-Zentner-Stein mit eisernen Ringen, der viele Jahre als Pranger für kirchliche Strafen verwendet wurde. Das Rathaus hatte einen Turm mit einer fast 36 Pfund schweren Glocke. Wichtigste Utensilien des Bürgermeisterzimmers waren eine beschlagene Truhe, das Marktsiegel, ein hölzerner Hammer sowie eine Messingglocke. In der Marktschreiberei befanden sich in dieser Zeit das Buch „Oberpfälzisches Landrecht von 1658“, die Gesetzessammlung „Juris Bavariae“ von 1755 und ein eisernes Haferl.

Im Erdgeschoss des Rathauses befand sich auch ein Brotladen. Darin waren ein Holzgestell zum Lagern von Brot, ein Stand für das Roggenbrot sowie Anschreibetafeln untergebracht.

Der Zustand des über 200 Jahre alten Rathauses wurde kurz vor dem Brand von 1848 so beschrieben: "Das Rathaus in Moosbach gleicht einer Ruine. Es ist notwendig, wenigstens den Putz an Pfeilern und Gemäuern zu erneuern, da der Mörtel stellenweise bis auf vier Zoll Tiefe ausgewettert ist.“

Nach dem Brand von 1848 konnten sich die Verantwortlichen über einen Wiederaufbau lange nicht einigen. Das Mauerwerk des Rathauses ragte zu weit in den Marktplatz hinein und der regelmäßige Viehmarkt mit oft 1500 Rindern Auftrieb sowie die anderen Märkte wurden dadurch sehr eingeengt. 1853 bot Georg Adam Forster sein Wohnhaus Hausnummer 3 (Gasthaus und Frisör Weiß-Boder) zum Kauf an. Der Kaufpreis von 2400 Gulden war den Ratsherren aber zu hoch und wurde abgelehnt. 1869 konnte endlich das Wohnhaus des Kaspar Willax erworben und mit einem Aufwand von 538 Gulden saniert werden. Der Marktplatz konnte dadurch wesentlich vergrößert werden.

Dieses zweite Rathaus musste1963 einen Neubau, dem dritten Rathaus, weichen. Den Plan entwarf Architekt Pusch aus Vohenstrauß. Der künstlerische Fassadenschmuck stammte durch Grafiker Karl Salzbauer aus Neustadt/WN. Schon 1964 erfolgte die Einweihung. Die Baukosten betrugen 200.000 Mark. Im Parterre befanden sich das Rathaus mit Bürgermeisterzimmer, Sitzungssaal, Büroräume und Registratur. In den zwei Stockwerken waren Lehrerwohnungen untergebracht.

Nach der Gebietsreform 1970 bis 1972 benötigte der Markt weitere Verwaltungsräume, so dass in die freigewordene Wohnung im erste Stockwerk Büroräume eingerichtet werden konnten. Aber trotzdem wurde es zu eng im Moosbacher Rathaus und so entschloss sich der Gemeinderat 1984, ein neues Rathaus, das Vierte, in der Brunnenstraße mit einem Kostenaufwand von zwei Millionen Euro zu errichten. In das alte Rathaus zog die Musikschule ein.

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