Moosbach
29.01.2019 - 14:11 Uhr

Vohenstraußer Feldfrüchte vor 150 Jahren: Kartoffeln und Hafer beliebt

Der Ostwind weht den Dünger fort, von dem die Bauern ohnehin wenig haben, und der Hopfen ist rau und bitter: Der königliche Bezirksarzt Sebastian Wallner berichtete vor 150 Jahren über die Landwirtschaft im Vohenstraußer Umland.

Bei der Ernte mussten alle mit anpacken. Das Bild zeigt die Moosbacher und Tröbeser Karolina Wittmann, Martin Krämer, Mathilde Baier, Maria Weiß und Rudolf Krämer (von links) sowie vorne drei Kinder. Repro: gi
Bei der Ernte mussten alle mit anpacken. Das Bild zeigt die Moosbacher und Tröbeser Karolina Wittmann, Martin Krämer, Mathilde Baier, Maria Weiß und Rudolf Krämer (von links) sowie vorne drei Kinder.

Sebastian Wallner aus Vohenstrauß hat in seiner Topografie von 1875 auch über die Landwirtschaft geschrieben. Im Bezirk Vohenstrauß bestellten die Bauern rund 42 000 Tagwerk Ackerland nach dem Dreifeldersystem. In dieser Zeit erhöhten sich die Viehpreise jährlich. Die Landwirte wurden dadurch in der Hoffnung auf Mehreinnahmen angespornt, den Viehbestand zu vergrößern. Sie beschafften mehr Futter und bauten größere Kartoffelsorten, Kraut und Rüben, besonders aber Wicken als Grünfutter an. Dazu musste oft die Brache herhalten.

Auch das Saatgut wurde teuerer. Und so stellten die Bauern fest, dass eine etwas schwächere Saat einen ergiebigeren Körnerertrag liefern würde, als dies früher bei sogenannter Übersamung der Fall gewesen ist. Beim dünneren Stand der Frucht kann die Sonne besser auf die Pflanzen scheinen und das Wachstum fördern. Die Beschaffenheit des Bodens im Gemeindebezirk Moosbach hielt Bezirksarzt Wallner trotz Mangel an Kalk für nicht schlecht. Er beklagte aber, dass manchmal der starke Ostwind den Kunstdünger bei höher gelegenen Feldern fortwehen würde. "In erster Linie dienen Mist und Jauche als Humusverbesserer, und trotzdem lassen viele Landwirte diesen in den Gräben der Dorfstraßen weglaufen", bedauerte der Bezirksarzt.

Hafer war die am häufigsten angebaute Feldfrucht. Er diente als Futter für das Vieh und als Nahrung für die Bevölkerung. Fast in jedem Haus war Haferbrot zu finden. Oftmals wurde auch Haferbier gebraut, erklärt Wallner. Er führte weiter aus: Winterroggen wächst vorzüglich und wird für Samen in wärmere Gegenden verkauft. Der Sommerweizen ist vierzeilig, kleinkernig und nicht ergiebig. Gerste gedeiht nicht jedes Jahr, bringt aber, wenn das Wetter passt, eine außergewöhnliche Ernte.

Nicht nennenswert war für Wallner der Winterweizenanbau. Hopfen wird nur selten angebaut. Er ist rau, bitter und nicht vom feinsten Aroma. Sehr ergiebig ist dafür der Kartoffelanbau. Auch der Kohl wird sehr stark angebaut und als Sauerkraut oder Viehfutter verarbeitet. Wallner nannte Dorschen (gelbe Erdrüben) als beliebtes Viehfutter, das starken Abfluss fördert. In kleinem Umfang wuchs der gewöhnliche rotblütige Klee auf den Feldern. Nach Meinung der Bauern entzog dieser dem Boden zu viele Nährstoffe.

Der Leinanbau ist laut Bezirksarzt ausgeprägt gewesen. Die ländliche Bevölkerung nutzte ihn für die Kleiderherstellung. Die Bauersfrau verarbeitete den Flachs und verdiente sich mit dem Verkauf ein kleines Taschengeld. Wallner sprach auch die mangelnde Düngung der Wiesen an. Der Mist werde nur für die Felder verwendet. Der Ertrag sei bescheiden gewesen: einmähige Wiesen: 6 Zentner; zweimähig: die erste Ernte 16, die zweite 8 Zentner; dreimähig: die erste Ernte 18, die zweite 8 und die dritte 6 Zentner. Die dritte Ernte wurde gewöhnlich grün verfüttert. Die Qualität des Futters bezeichnete er aber als schlecht, weil jene Pflanzen fehlten, welche Kalk zu ihrer Nahrung bedürfen. Ferner findet keine "Begrilung und Besämung" der Wiesen statt. So stehe die Kultur der Wiesen noch auf einer niedrigen Stufe.

Als vorherrschende Rindviehrasse nannte der Bezirksarzt das dunkelbraun gefärbte Weidauer- und Voigtländervieh. Es habe "weiße regelmäßig stehende, nicht zu große Hörner, ein rötliches Flotzmaul, einen kräftigen Hals und Klauen von dunkler Färbung". Der Bug, Rücken und das Kreuz waren "breit und ziemlich weit, tief, schön gerundet und in den Flanken gut geschlossen". Dieses Vieh eigne sich vortrefflich zum Zuge und stelle an das Futter keine großen Ansprüche, schrieb der Bezirksarzt.

 
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