17.09.2020 - 14:22 Uhr
Muckenthal bei WiesauOberpfalz

Teichnixe Sophia liebt Karpfen in Rahm-Sauce und schimpft über Otter

Die Karpfensaison ist eröffnet. Landauf, landab werden nun die Fischgewässer abgefischt. Die Oberpfälzer Teichnixe Sophia Bächer spricht im Interview über die neue Saison, Corona und Tiere, die Karpfen ebenso zum Fressen gern haben wie sie.

Teichnixe Sophia Bächer.
von Wolfgang Benkhardt Kontakt Profil

ONETZ: Wie gut haben sich Karpfen im vergangenen Sommer entwickelt?

Sophia Bächer: Genau lässt sich das leider immer erst sagen, wenn man den Fisch bei der Abfischung in der Hand hält. Das Wetter war für das Wachstum auf jeden Fall förderlich: Wir hatten warme, aber nicht zu heiße Temperaturen und Niederschläge im Wechsel. Das lässt eine durchschnittliche Ernte erwarten.

ONETZ: Wie werden sich die Preise entwickeln? Wird Karpfen teurer oder billiger oder bleibt der Preis unverändert?

Sophia Bächer: Wir haben die Befürchtung, dass viele Karpfen „stehen bleiben“ und wieder zurückgesetzt werden müssen, da aufgrund der Pandemie weniger Absatz möglich ist. Natürlich hoffen wir, dass es nicht zu einem Preisverfall kommt und die Preise gehalten werden können. Die Karpfen sind schließlich trotz der jetzigen Situation immer noch das gleiche, sehr hochwertige Qualitätsprodukt. Vielleicht ist sogar eine leichte Preissteigerung möglich aufgrund der hohen Qualität. Das lässt sich aber nur schwer einschätzen. Wir sind schließlich erst am Anfang der Saison.

ONETZ: Wie lange dauert eigentlich die Karpfensaison?

Sophia Bächer: Sie beginnt immer im September und endet im April. Und sofern uns die Pandemie nicht in die Quere kommt, hoffen wir auch, dass die Fischläden und Fischrestaurants in der Region durchgehend geöffnet bleiben können.

ONETZ: Gab es Probleme bei der Bewirtschaftung der Teiche wegen der Corona-Pandemie? Wie hat sich der Lockdown ausgewirkt?

Sophia Bächer: Nein, Probleme gab es nicht. Die Hygienevorschriften mussten natürlich eingehalten werden. Aber das Abfischen im Frühling war wie gewohnt erlaubt. Allerdings hat der Lockdown die zurückliegende Karpfensaison abrupt beendet. Daher sind viele Fische „übrig geblieben“. Auffallend war übrigens, dass man an den Teichen mehr Leute getroffen hat, welche die Region zu Fuß oder mit Fahrrad erkundet haben. Die Heimat und unsere Teichpfanne wurden von vielen als wunderschöne Kulturlandschaft wiederentdeckt.

ONETZ: Hat sich Corona auch auf Ihr Amt als Teichnixe ausgewirkt?

Sophia Bächer: Natürlich. Ich hatte fast keine Termine. Viele Events wurden abgesagt, darunter auch eine Slow-Food-Messe im März, Kochwettbewerbe im Sommer und andere Dinge. Es gab aber vermehrte Anfragen nach Autogrammen. Ich musste meine Autogrammkarte sehr oft verschicken. Nun freue ich mich auf die anstehenden Erlebniswochen Fisch und die Karpfensaison, damit zumindest im Kleinen wieder für den Karpfen geworben werden kann und viele Leute in unser Land der 1000 Teiche kommen. Aber auch hier gibt es große Einschränkungen. Normalerweise gibt es eine große Eröffnung der Erlebniswochen Fisch und dann natürlich als Höhepunkt die Kornthaner Karpfenkirchweih. Heuer ist stattdessen eine Tour der regionalen Genüsse mit vielen kleinen Veranstaltungen geplant.

Viele kleine Veranstaltungen ersetzen die große Eröffnung und die Kornthaner Karpfenkirchweih 2020

Tirschenreuth

Bei den Erlebniswochen Fisch in Tirschenreuth hatte Sophia Bächer einen ihrer Auftritte

Tirschenreuth

ONETZ: Wie lange wird es dauern, bis alle Weiher im Land der 1000 Teiche abgefischt sind?

Sophia Bächer: Insgesamt gibt es 4700 Teiche. Schwer zu sagen, wie lange das dauert. Die dreijährigen Karpfen zum Verzehr sind aber in der Regel bis Ende November abgefischt.

ONETZ: Wo sind die Hauptabsatzmärkte für die Karpfen aus dem Landkreis Tirschenreuth?

Sophia Bächer: 60 Prozent unserer Fische werden lebend nach außerhalb des Landkreises weiterverkauft. 20 Prozent bleiben im Landkreis und kommen verarbeitet in Restaurants auf den Tisch oder werden in Direktvermarktung verkauft. Außerdem sind da auch noch Angelvereine, die für den Besatz Karpfen abnehmen.

ONETZ: Und wie sieht es mit Fischräubern aus? Gab es da große Verluste?

Sophia Bächer: Ja, durchaus. Das größte Problem ist für die Teichwirte derzeit der Fischotter, der allein für 60 Prozent der Verluste verantwortlich ist. Zum Vergleich: Die Verluste durch Fischreiher liegen bei 10 und die durch den Kormoran bei etwa 30 Prozent. Und natürlich gibt es auch Einbußen durch den Biber, der zwar keinen Fisch frisst, aber schwere Schäden an den Dämmen und am Wasserverlauf anrichten kann. Doch zurück zum Fischotter. Er hat bei uns keine natürlichen Feinde. Das verstärkt das Problem noch. Er ist dabei nicht nur eine Bedrohung für verschiedene Fischarten, sondern für das ganze Ökosystem Teich, da er als Bruträuber auch Vögel frisst. Teichmuscheln stehen ebenfalls auf seiner Speisekarte. Hier haben wir übrigens auch ein mediales Problem. Es kursieren viele Videos, die Seeotter als kuschelige, flauschige Tiere zeigen. Fisch ist dagegen glitschig, kalt und schleimig. Für den hat kaum jemand ein Mitgefühl. Deshalb gibt es wohl wenig gesellschaftliche Akzeptanz für die Entnahme von Fischotter.

Bei einem Krisengipfel im Landratsamt ging es um die Teichwirtschaft

Tirschenreuth

ONETZ: Wie viele Fischotter gibt es eigentlich im Landkreis?

Sophia Bächer: Keiner weiß, wie viele Otter mittlerweile da sind, die bisherigen Verluste sind auf jeden Fall nicht mit denen anderer Fischräuber zu vergleichen. Ein Monitoring ergab im Frühjahr sieben männliche und ein weibliches Tier. Das Ungleichgewicht liegt wohl daran, dass Weibchen den Bau aufgrund der Aufzucht der Jungen während dieser Zeit kaum verlassen. Es ist anzunehmen, dass wir mindestens genauso viele Weibchen wie Männchen haben. Ein Otter benötigt pro Tag je nach Alter 500 bis 1200 Gramm Fisch. Das klingt nicht nach viel, ist aber auf das Jahr hochgerechnet eine ganze Menge, zumal er auch noch viele Tiere verletzt, die er nicht frisst. Ein weiteres Problem an diesem Räuber ist, dass er keine bestimmte Fischgröße bevorzugt. Kormorane sind zum Beispiel auf zweijährige Karpfen aus. Otter fressen wahllos. Zudem mögen sie am liebsten die inneren Organe, sie töten somit auch Laichfische, die für die Reproduktion wichtig sind. Das bedeutet für einen Teichwirt den Verlust tausender Nachkommen.

ONETZ: Zurück zu einem angenehmen Thema. Wie essen Sie Ihren Karpfen eigentlich am liebsten?

Am liebsten mag ich den Karpfen als Filet ohne Haut in allen möglichen Variationen, zum Beispiel mehliert in der Pfanne gebraten mit Birnen-Pfeffer-Rahm-Sauce, Butterkartoffeln und einem Karpfentrunk dazu.

Sophia Bächer.
Hintergrund:

Oberpfälzer Teichnixe

Sophia Bächer aus Muckenthal (Marktgemeinde Wiesau) stammt aus einer Fischbauernfamilie, die bis in die zwölfte Generation zurückgeht, ist 21 Jahre alt und seit April 2018 Teichnixe der Arge Fisch. „Gummistiefel sind meine Lieblingsschuhe und mein Lieblingstier ist der Waller“, sagt sie. Sie hat das Karpfenzepter von ihrer älteren Schwester Lena übernommen, die von 2015 bis 2018 Teichnixe war. In ihrer Freizeit tanzt die Botschafterin für den Oberpfälzer Karpfen viel, spielt Gitarre und kocht gerne, natürlich auch Fisch. Beruflich macht sie eine Ausbildung zur Physiotherapeutin. Ein Anliegen ist es ihr, der Bevölkerung die in der Oberpfalz gezogenen Fische als gesundes Lebensmittel zu vermitteln sowie für Nachhaltigkeit und den Schutz der Teichlandschaft zu werben.

 

 

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