In Bad Neualbenreuth wird das Sterben teurer: Erstes Begräbnis im Wald

Mit den Friedhofs- und Bestattungsgebühren befasste sich der Marktrat Bad Neualbenreuth. Im November billigte das Gremium eine dramatische Preiserhöhung. Die gestiegenen Kosten führten nun zu einer ersten Bestattung im Tillenwald.

Am Fuße des Tillenberges entdeckten die Schlüsselcluberer die letzte Ruhestätte. (Anmerkung: Foto wurde vom Schlüsselclub in weiser Vorausschau als Archivbild angefertigt, da sonst 2021 mit Abstand nicht alle auf das Foto gepasst hätten“).
von Externer BeitragProfil

Erste Geschichte aus dem "Michareihter Fosnatbladl": „Uns fehlen die Einnahmen aus 2019, als die Opferstöcke in der Kirche aufgebrochen wurden“, leitete Bürgermeister Klaus Meyer in der Gemeinderatssitzung im November den Tagesordnungspunkt „Finanzierung Friedhof“ ein. „Der Aufstieg zum Heilbad und die Umbenennung in Bad Neualbenreuth muss von jedem von uns mitgetragen werden. Tot oder lebendig. Auch die Verstorben müssen was beitragen“, merkte ein Gemeinderat an.

„Wir dürfen nicht weiter Haus und Friedhof verspielen“, warf ein anwesender und marktbekannter Wutbürger ein, der sich über die Finanzpolitik der Gemeinde grundsätzlich ärgerte. „Ich werde auf die Friedhofsbarrikaden gehen und der Gemeinderat wird noch Blut und Wasser schwitzen.“ „Wir müssen den Rotstift auch beim Sensenmann ansetzen“ konterte Meyer und bat zur Abstimmung, in welcher der Gemeinderat Meyers Vorschlag mit einer Erhöhung der Friedhofs- und Bestattungsgebühren einstimmig um 25 Prozent zum 1. Januar 2021 zustimmte.

Ein Marktrat kommentierte das Ergebnis mit „In Bad Neualbenreuth liegen sie richtig! richtig teuer!“ Das Gemeindeoberhaupt schloss die Sitzung mit: „Himmelhoch jauchzend ist mir zwar auch nicht zu mute, aber Hauptsache der Rubel rollt.“

Ankündigung von Baumaßnahmen im Januar

„In Gottes Namen“ eröffnete Klaus Meyer die erste Gemeinderatssitzung 2021. Schnell stellte sich in dem Treffen heraus, dass anstehende Neuinvestitionen der Grund für die massive Gebührenerhöhung waren. Noch heuer ist die Neugestaltung des Friedhofs in Bad Neualbenreuth geplant, wie Meyer in seinem Bürgermeisterbericht mitteilte.

Unter Beteiligung des Staatlichen Bauamtes und der Kirchenstiftung der Pfarrgemeinde werden die Friedhofswege neugestaltet und barrierefrei ausgebaut. Die Kosten für den Ausbau belaufen sich nach vorläufigen Schätzungen auf rund 250.000 Euro. Meyer sprach von einem sinnvollen Projekt. „Mit der Erhöhung der Friedhofsgebühren haben wir genügend Puffer geschaffen für die Finanzierung weiterer Projekte. Wir haben dies in unserer Neukalkulation und den darin eingebauten Abschreibungsmöglichkeiten versteckt“, gab das Oberhaupt an.

Bei der Bekanntgabe nichtöffentlicher Beschlüsse der Dezember-Sitzung war zu erfahren, dass der Marktrat dieses Schlupfloch schon nutzt und entschieden hat, die Kapelle am Kirchberg instand setzen zu lassen. „Die Investitionen sind über die Adjustierung der FFP-2 (Friedhofs-Finanzierungs-Politik 2) gedeckt“, hieß es in der Beschlussvorlage.

Erstes Waldbegräbnis im Friedwald von Bad Neualbenreuth

Beim Elferrat des Schlüsselclubs Münchenreuth ging ein anonymer Hinweis aus der Bevölkerung von Bad Neualbenreuth ein. „Da das Sterben in Bad Neualbenreuth nun um ein Viertel teurer wurde, konnte sich jemand dies nicht mehr leisten. Es hat ein erstes Waldbegräbnis stattgefunden“, verlautete die Sensationsmeldung.

Wie die Schlüsselcluberer recherchierten, können Bayerns Bürger nach einem Landtagsbeschluss aus dem Jahre 2010 die letzte Ruhe auch im Staatswald finden. „Im Einklang mit der Natur, biologisch abbaubar und ohne Liegegebühren“, heißt es dazu in einem Werbeflyer. „Davon hat jemand aus Alwareith Gebrauch gemacht“, so der Hinweisgeber. „Ihr findet dies direkt am Fuße des Tillenwaldes.“ „Da hatte einer Finanzierungsprobleme“, dachten die Elferräte.

Idee der Zahnradbahn im Wald begraben

Die Schlüsselcluberer machten sich umgehend auf, um den Fall nachzugehen. In der Tat, am Fuße des Tillenberges fanden die Schlüsselcluberer die letzte Ruhestätte. Auf dem Grab lag ein Kondolenzbrief mit diesem Text: „In tiefer Trauer nehme ich Abschied von dir liebe Zahnradbahn. Du wärst meine geliebte Zahnradbahn auf den Tillenberg geworden. Leider gehen die Guten immer zuerst. Ach du warst einfach meine beste Idee. Mit dir wäre es einfach bergauf gegangen. Mit dir, hätten die Touristen schon im Bademantelgang im Sibyllenbad einchecken können und wären in zehn Minuten am Mittelpunkt Europas gewesen. Die erste Fahrkarte hatte ich auch schon gedruckt und wir zwei waren einst der Hit beim Michareither Fosnatzug. Wenn ich aber auf die Kosten blicke, stehen mir meine drei Haare zu Berge. Es war einfach zu viel Sand im Zahnradgetriebe. Der Zug ist nun leider abgefahren. Ich möchte dir hiermit die letzte Ehre erweisen und werde alle Pläne und Fahrkarten hier an der Stelle der geplanten Talstation begraben. Dein trauender Klaus Meyer.“

Neben dem Brief fanden die Schlüsselcluberer eine Blechbüchse mit original Fahrkarten und Bauplänen. Nach einem letzten Gedenken verabschiedeten sich die Schlüsselcluberer von der Ruhestätte der Zahnradbahn und bedauerten, kein weiteres Fosnatthema gefunden zu haben.

Münchenreuth bei Waldsassen
Neben dem Brief fanden die Schlüsselcluberer eine Blechbüchse mit original Fahrkarten und Bauplänen.
Hintergrund:

"Fosnatbladl"-Geschichten als Serie in Oberpfalzmedien

  • In Zusammenarbeit mit Oberpfalz-Medien veröffentlicht der Schlüsselclub Münchenreuth eine Serie von 11 Berichten über Faschingsthemen und Narreteien.
  • Alles darf dann in diesen Berichten, so wie in diesem Beitrag auch, dann aber auch nicht bierernst genommen werden.

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