Michareither Fosnatbladl: Plößberger Camper müssen Zelte abbauen, "Besetzer" nutzen letzte Möglichkeit

In der zweiten Geschichte des "Michareither Fosnatbladls" 2021 rückt der Campingplatz Plößberg in den Blickpunkt. Dabei geht es auch um eine Mahnwache, die bis zum Faschingsdienstag dauern soll.

Eine Inszenierung für das "Michareither Fosnatbladl": Zwei Camper entschieden sich, jeden noch möglichen Tag am Großen Weiher in Plößberg zu verbringen. Seit November halten sie auch bei Minustemperaturen eine Mahnwache ab - noch bis zum Faschingsdienstag.
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Die Ereignisse um den Campingplatz Plößberg sind das Thema in der zweiten Geschichte des "Michareither Fosnatbladls" 2021: Weil der Campingplatz Plößberg nicht mehr rentabel ist, beschloss die Marktgemeinde, den Betrieb einzustellen. Selbst Alternativkonzepte halfen nicht weiter. Die Camper müssen sich geschlagen geben und das Areal bis zum Sommer räumen.

„Der Campingplatz kann nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden“, sagte Bürgermeister Lothar Müller. In den vergangenen 20 Jahren hätten sich Defizite von 800 000 Euro angesammelt. Mit dem Finanzproblem einhergehen inzwischen auch vielfältige Mängel. Gebäude sind heruntergewirtschaftet, zu wenig Toiletten sind vorhanden und das Gelände entspricht nicht mehr aktuellen baurechtlichen Vorgaben.

"Das ist ein Saustall"

Müller spricht in dem Zusammenhang von einem Investitionsstau. „Die Dauercamper waren nun 25 Jahre, 365 Tage im Jahr und 24 Stunden täglich anwesend. Wann hätten wir da was reparieren können“, entschuldigt sich Müller. Zudem fehlt ein Pächter, weshalb die Kommune das Areal seit April selbst betrieb. „Weil allerdings nicht zu allen Tages- und Nachtzeiten jemand von der Gemeinde dort sein kann, stieg der Verschmutzungsgrad auf dem Platz extrem.“

„Das ist ein Saustall“, rief dazu ein Marktrat in die Runde. Er ließ dabei aber offen, ob er damit das große Loch in der Gemeindekasse oder die Schweinerei auf dem Platz meinte. Das Marktgremium beschloss daher eine schnellstmögliche Schließung und Räumung des Areals.

Diese Nachricht schreckte die Dauercamper auf. Neben der Verärgerung über die Vorgehensweise kritisierten sie die Räumung des Geländes innerhalb kürzester Zeit. Die Dauercamper zeigten sich schwer enttäuscht und verstanden die Campingwelt nicht mehr. Jeder Camper zahle bis zu 900 Euro jährlich. 2,8 Millionen Euro rechneten sie aus, habe Plößberg in den letzten drei Jahrzehnten von den gut 110 Dauercampern eingenommen. Warum im Rathaus nun von 800 000 Euro Verlust durch den Campingplatz die Rede sei, würde keiner verstehen. „Da wurde nichts gemacht. Die Sanitäranlagen sind wie immer. Nicht einmal die Löcher in den Zufahrtsstraßen wurden aufgefüllt!“

Campingplatz zu Geschichtspark

Am 11. November trafen sich elf Vertreter der Marktgemeinde und elf Vertreter der Camper zu einer Aussprache am Lagerfeuer. Es wurden alternative Nutzungskonzepte vorgelegt. Ein ortsansässiger und geschäftstüchtiger Holzverarbeiter bot an, den Campingplatz in eine Holzbausiedlung umzuwandeln. Die Zelte mit Weihnachtskrippen auszustatten war eine weitere Idee, um so den Plößberger Krippenweg zu verlängern. Damit wolle man Denkmalschutz erlangen und als Weltkulturerbe anerkannt werden. „Synergien nutzen“ lautete das Konzept des Tourismuszentrums Oberpfälzer Wald. Die anwesende Vertreterin brachte einen gemeinsamen Betrieb mit dem Geschichtspark Bärnau ins Spiel. Das Zentrum werde beratend zur Seite stehen und so könne man den Campingplatz in einen Geschichtspark umwandeln. „Sanitäranlagen wie in einem Mittelalterpark haben wir schon“, begrüßte ein Camper den Vorschlag und ergänzte: „Archäologische Rekonstruktionen von uralten Zelten befinden sich auch schon am Großen Weiher.“ Allerdings war man wenig angetan, dass man dann für eine staatliche Förderung die Zelte mit Stroh bedecken müsste. Eine gemeinsame Aktion mit der Initiative Tierwohl um die Schweinereien auf dem Platz zu beseitigen fand auch wenig Gegenliebe.

Markt zieht Lockdown nicht zurück

Auf Alternativen zur Schließung will sich die Gemeinde aber nicht einlassen. „Der Markt ist nicht bereit, den harten Lockdown zurückzuziehen“, teilte Müller mit. Er gewährte dafür aber eine Verlängerung der Räumungsfrist um vier Monate bei voller Stellplatzmiete. Wenig Kompromissbereitschaft herrschte bei der Wasser- und Stromversorgung. „Das drehen wir ab April ab!“ Selbst eine Petition mit über 900 Unterschriften, die dem Landtag übergeben wurde, brachte bisher keine Änderung herbei.

Jeden Tag nutzen

Zwei Camper entschieden sich daraufhin jeden noch möglichen Tag am Großen Weiher zu verbringen. Seit November halten sie auch bei Minustemperaturen eine Mahnwache ab. „Selbst die Weihnachtsfeiertage waren wir rund um die Uhr hier“, berichtet ein Dauercamper und verweist auf seinen Christbaum und die leeren Glühweinflaschen im Zelt. „Ja, man kann uns schon als Campingplatzbesetzer bezeichnen“, gab sein Kompagnon an. „Wir genießen gerade noch jeden einzelnen Tag. An Fasching brechen wir unser Zelt dann ab. Wir ziehen am Faschingsdienstag an den Koiserteich von Münchenreuth“, gaben die beiden als Zukunftspläne aus. Und verkündeten lächelnd: „Dou is doch wirklich alles zspath, zum Glück san mir dann in Micharath.“

Die erste Geschichte aus dem "Michareither Fosnatbladl" 2021:

Münchenreuth bei Waldsassen
Hintergrund:

„Fosnatbladl“-Geschichten

  • In Zusammenarbeit mit Oberpfalz-Medien veröffentlicht der Schlüsselclub Münchenreuth eine Serie von 11 Berichten über Faschingsthemen und Narreteien.
  • Alles darf in diesen Berichten, so wie in diesem Beitrag auch, aber nicht bierernst genommen werden.

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