28.08.2018 - 15:38 Uhr

Mut zur Langeweile

Jede Minute füllen wir mit Zerstreuung oder Anregung. Leerlauf in unserem Kopf lassen wir meistens gar nicht mehr zu. Hängen Sie einfach mal Ihren Gedanken nach, rät die OWZ-Glücksexpertin.

Tagträume sind notwendig für neue Ideen, Kreativität und Geistesblitze. Und sie schaffen einen wichtigen Ausgleich zum oft stressigen Alltag. Bild: FotoAndalucia – stock.adobe.com
Tagträume sind notwendig für neue Ideen, Kreativität und Geistesblitze. Und sie schaffen einen wichtigen Ausgleich zum oft stressigen Alltag.

Macht es Sie auch manchmal fast wahnsinnig, wenn Sie wieder einmal an der Bushaltestelle warten müssen, länger in der Schlange an der Supermarktkasse stehen - oder stundenlang im Zug oder Flugzeug sitzen? Langeweile und Nichtstun ist für uns oftmals nur schwer zu ertragen, meist lenken wir uns dann ganz schnell ab, holen unser Smartphone oder Tablet aus der Tasche, surfen im Internet, telefonieren mit einem Freund oder lesen Zeitschriften oder Magazine. Jede Minute füllen wir mit Zerstreuung oder Anregung, Leerlauf in unserem Kopf lassen wir meistens gar nicht mehr zu.

Das Phänomen ist keineswegs neu, schon im 17. Jahrhundert sagte der französische Philosoph Blaise Pascal: "Dem Menschen erscheint nichts so unerträglich wie die Langeweile. Denn in diesem Zustand spürt er das Nichts, seine Verlassenheit, seine Unzulänglichkeit, seine Abhängigkeit, seine Ohnmacht, seine Leere." Studien zeigen tatsächlich, dass Menschen, die mit sich und ihren Gedanken allein sind, häufiger bei negativem als bei positiven Erinnerungen hängen bleiben. Das mag vielleicht erklären, warum wir uns meistens lieber ablenken, als einfach nur die Gedanken schweifen lassen.

Dabei sind Mußestunden und sogenanntes "Gedankenwandern" enorm wichtig für Wohlbefinden und Glück. Wissenschaftlich erwiesen ist: Tagträume und das Sich-Abkoppeln aus der realen Umgebung sind notwendig für neue Ideen, Kreativität und Geistesblitze. Und sie schaffen einen wichtigen Ausgleich zum oft stressigen Alltag. Doch es scheint, als müssten die meisten von uns erst wieder lernen, einfach mal nichts zu tun - und die Langeweile zu genießen. Oscar Wilde schrieb dazu: "Gar nichts tun, das ist die allerschwierigste Beschäftigung und zugleich diejenige, die am meisten Geist voraussetzt."

Dennoch brauchen wir oftmals genau diese Langeweile, um uns zu motivieren. Denn wenn es uns irgendwann zu viel wird mit dem großen Nichts, dann suchen wir uns Dinge, die wir tun könnten. Alte Freunde treffen zum Beispiel, mal wieder ins Kino gehen - oder ein gutes Buch lesen. Andererseits können wir uns auch überlegen, woher sie denn eigentlich kommt, unsere Langeweile. Surfen wir sogar im Büro im Internet, um uns zu beschäftigen, dann sollten wir die Zeit der Langeweile vielleicht besser einmal nutzen, uns zu fragen, ob es nicht Sinn machen würde, einen anderen Job zu suchen. Einen, der uns wirklich ausfüllt und uns Freude macht.

Lassen Sie also das nächste Mal an der Bushaltestelle, im Zug oder im Wartezimmer das Smartphone einfach mal in der Tasche stecken oder die Zeitschrift auf dem Tisch liegen - und beweisen Sie Mut zur Langeweile. Sie werden sehen, es lohnt sich. Es könnte dann nämlich schnell passieren, dass Sie endlich genau die Idee haben, auf die Sie schon lange gewartet haben - und die Sie so richtig glücklich macht. (ewa)

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