10.03.2020 - 16:14 Uhr
Oberpfalz

Mysterium Menopause – Wenn die Eierstöcke die Arbeit einstellen

Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen, Schweißausbrüche – typische Symptome während der Wechseljahre. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt für die Frau. Doch oft ist die Menopause geprägt von Beschwerden und Anpassungsschwierigkeiten.

Ob und welche Beschwerden in den Wechseljahren auftreten, ist von Frau zu Frau unterschiedlich.
von Mona-Isabelle Aurand Kontakt Profil

Im Laufe eines Lebens verändert sich der Körper einer Frau immer wieder. Pubertät, Schwangerschaft, Elternzeit, Wechseljahre. Jede Zeit hat ihre Vor- und Nachteile. Und jede Frau nimmt die Veränderungen des Älterwerdens ganz individuell wahr. Mit den Wechseljahren, von Medizinern Klimakterium genannt, startet für eine Frau die letzte große Umstellung – das Ende der fruchtbaren Lebensphase. Wann und wie sich die Wechseljahre und die sogenannte Menopause äußern, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Während manche stark darunter leiden, sich nicht mehr weiblich oder attraktiv fühlen, begrüßen andere die Tatsache, dass das Risiko einer ungeplanten Schwangerschaft ab der Menopause nicht mehr besteht.

Anfang bis Mitte 40

Durchschnittlich beginnen die Wechseljahre Anfang/Mitte 40, bis zu ihrem Ende vergehen mehrere Jahre. Mediziner unterscheiden drei Phasen: die Prä-, die Peri- und die Postmenopause. Die Prämenopause (prae von lat. vor) setzt meist um das 40. Lebensjahr ein. Die Hormonproduktion nimmt auf natürliche Weise ab, die Eierstöcke arbeiten nicht mehr auf Hochtouren, die Fruchtbarkeit sinkt. Die ersten Anzeichen für die Wechseljahre sind unregelmäßige Regelblutungen, die möglicherweise sehr stark sind beziehungsweise lange anhalten. Zudem klagen einige Frauen über heftigere prämenstruelle Beschwerden wie Brustspannen, Wassereinlagerungen, Reizbarkeit oder Kopfschmerzen.

Der eigentliche „Wechsel“ wird als Perimenopause (peri von altgr. um … herum) bezeichnet. Der Östrogen- und der Progesteron-Spiegel sinken rapide. Zu einem unregelmäßigen Zyklus kommen die typischen klimakterischen Beschwerden wie Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Schlafstörungen und Stimmungsschwankungen hinzu. Laut Apotheken Umschau ist etwa jede dritte Frau von den berüchtigten Hitzewallungen betroffen. Das Ganze kann sich über fünf Jahre oder länger hinziehen. Die Perimenopause schließt auch die Menopause mit ein. Dabei handelt es sich um die letzte Regelblutung – übersetzt bedeutet Menopause so viel wie „Ende der Monatsblutung“. Bis zu diesem Zeitpunkt ist auch eine Schwangerschaft auf natürlichem Weg möglich. Dass es sich allerdings tatsächlich um die Menopause handelt, weiß Frau erst ein Jahr später.

Tritt über zwölf Monate hinweg keine Regelblutung mehr ein, ist von der Postmenopause (post von lat. nach) die Rede. In den meisten Fällen dauern die Beschwerden der Perimenopause weiterhin an. Zunehmend treten trockene Haut, Schleimhäute und Augen, Gelenk- und Rückenschmerzen, Harndrang oder gar Inkontinenz sowie Haarausfall auf. Da das männliche Sexualhormon Testosteron im weiblichen Körper nun überwiegt, wächst der einen oder anderen ein Damenbart. Zudem steigt das Risiko, an Osteoporose zu erkranken – dabei nimmt die Knochendichte ab, die Gefahr für Knochenbrüche nimmt zu. Da sich auch der Kalorienbedarf reduziert und die Muskelmasse schwindet, legen einige Frauen mit den Wechseljahren an Gewicht zu.

In sehr seltenen Fällen kann es vorkommen, dass die Wechseljahre bereits vor dem 40. Lebensjahr eintreten. Es handelt sich dann um das sogenannte „Climacterium praecox“, die „vorzeitigen Wechseljahre“. Etwa ein Prozent aller Frauen sind davon betroffen. Eine psychisch sehr schmerzhafte Situation für Frauen, deren Kinderwunsch noch unerfüllt geblieben ist. Die Symptome gleichen denen der echten Wechseljahre. Die Ursachen können oft nicht eindeutig geklärt werden. Ein bedeutender Faktor ist die Genetik, so haben in einer Familie oft mehrere Generationen mit der Diagnose „vorzeitige Wechseljahre“ zu leben. Eine verfrühte Menopause kann außerdem Folge von Autoimmunerkrankungen, Chromosomenanomalien, operativen Eingriffen an der Gebärmutter oder den Eierstöcken oder einer Strahlen- und Chemotherapie sein.

Hormonuntersuchung

Für die endgültige Diagnose sollte der behandelnde Frauenarzt eine Hormonuntersuchung durchführen. Spricht der Befund dafür, dass die Menopause bevorsteht, verschreibt der Arzt in der Regel bei jüngeren Frauen eine Hormonersatztherapie. Diese soll vor Langzeitschäden des unnatürlichen Östrogenmangels wie einem erhöhten Osteoporose-Risiko schützen. Die Therapie birgt allerdings auch einige Nachteile wie ein erhöhtes Risiko für Thrombosen oder Herzgefäßerkrankungen. Die Hormone werden in den meisten Fällen so lange eingenommen, bis die Frau das reguläre, durchschnittliche Menopausen-Alter erreicht hat. Der Prozess des Klimakteriums und der Menopause kann durch Medikamente allerdings nicht rückgängig gemacht werden.

Keine Krankheit

Für die normalen Wechseljahre ist eine Therapie nicht unbedingt notwendig. Schließlich handelt es sich nicht um eine Krankheit. Für Frauen, die jedoch massiv unter den Symptomen leiden, bietet sich ebenfalls eine Hormonersatztherapie an, deren Vor- und Nachteile aber gründlich abgewogen werden sollten. Gegen einige klimakterischen Beschwerden sind auch pflanzliche Präparate erhältlich. So zum Beispiel Johanniskraut oder Traubensilberkerze gegen Depressionen, Mönchspfeffer gegen typische Menstruationsbeschwerden oder Baldrian, Hopfen und Melisse als Schlafmittel. Generell sollten eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung mit viel Bewegung auf der Tagesordnung stehen, um sowohl der Gewichtszunahme als auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen.

Positives Denken

Wer die Wechseljahre als einen natürlichen Teil des Lebens ansieht, kann diese Zeit auch wesentlich entspannter durchleben und die damit einhergehenden Umbrüche gelassener hinnehmen. Autogenes Training, Meditation oder Yoga können dazu beitragen, den alltäglichen Stress abzubauen. Und wie wäre es beispielsweise mit einem neuen Hobby oder wieder etwas mehr Zeit mit dem Partner, wenn die Kinder von zu Hause ausgezogen sind? Mit einer grundsätzlich positiven Einstellung zum Leben und dem eigenen Körper können auch die Wechseljahre eine ganz vielversprechende, spannende Zeit werden.

Info:

Wechseljahre bei Männern

Ob Männer genauso „in die Wechseljahre kommen“ wie Frauen, ist umstritten. Zwar sinkt auch bei Männern der Hormonspiegel altersbedingt ab. Allerdings geschieht das bei Weitem nicht so abrupt wie bei Frauen. Auch die Symptome äußern sich nicht so stark wie bei Frauen. Trotzdem kann es zu Schlafstörungen, Verstimmungen, Gewichtszunahme, Konzentrationsmangel, Haarausfall, Rückgang der Muskelkraft und sexueller Unlust kommen. Der entscheidendste Unterschied: Männer können theoretisch – im Gegensatz zu Frauen – auch nach den „Wechseljahren“ noch bis ins hohe Alter Kinder zeugen.

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