10.11.2020 - 17:24 Uhr
NabburgOberpfalz

11.11. - und keine Spur von Fasching

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Mirko Hägler redet nicht lange um den heißen Brei. Der Pfreimder Faschingszug "wird 100-prozentig ausfallen", kündigt er Oberpfalz-Medien gegenüber an. Auch in anderen Faschingshochburgen im Kreis Schwandorf wehen die Fahnen auf halbmast.

Bauern, Bier und Bons hatten Hochkonjunktur, als der Stullner Faschingszug heuer im Februar lautstark durch die Ortschaft tingelte. Im Februar 2021 wird es höchstwahrscheinlich keine Neuauflage des Spektakels geben.
von Thomas Dobler, M.A. Kontakt Profil

Es gibt ja nicht so viele Faschingszüge im Landkreis Schwandorf. Der in Pfreimd ist seit Jahren einer davon. Organisiert von der Werbegemeinschaft der Stadt, beteiligen sich immer am Faschingsdienst 30 bis 40 Gruppen am Gaudiwurm, an den Straßenrändern jubeln in der Regel 4000 bis 5000 Zuschauer den ambitionierten Darstellern aus den Vereinen der Region zu. "Diesmal wird das nichts," weiß Mirko Hägler schon jetzt, obwohl doch der Fasching nominell erst beginnt. Aber dass am 16. Februar 2021, also dem letzten Tag der aktuellen närrischen Saison, keine Pandemie mehr herrscht und keine Auflagen bestehen, die solche Großereignisse wie den Faschingszug in Pfreimd außer Kraft setzen, glaubt der Stadtrat und Faschingszug-Motor Hägler nicht.

"Es sollte eine tolle, aber kurze Faschingssession 2021 werden", fasst Michael "Mike" Welnhofer vom Vorstand der Tanzgruppe Grün-Weiß in Oberviechtach die Hoffnung der dortigen Faschingsjünger zusammen. Mit den Planungen nach dem ersten Lockdown ging man im Frühjahr davon aus, dass eine Art "abgespeckter Fasching" stattfinden könne. Die Verantwortlichen der Tanzgruppe Grün-Weiß erarbeiteten ein Hygienekonzept für den Mehrgenerationentreff, kauften Desinfektionsmittel und legten die maximale Teilnehmerzahl pro Einheit fest.

"Zusätzlich", so Welnhofer, "wurde von den Trainern viel Aufwand betrieben, die Tänzerinnen zu motivieren". Mit dem Austausch von aufwendigen Trainingsvideos habe dies "sehr gut" funktioniert. "Die Aktiven waren guten Mutes, dass eine Session stattfindet."

Beim dritten Sandradlfest bewies Grün-Weiß, dass auch eine Veranstaltung mit Hygienekonzept umsetzbar ist. "Leider war dieses Fest bis dato die einzige Einnahmequelle nach dem Faschingsdienstag 2020", bedauert Welnhofer. Rund 40 im Mehrgenerationentreff geplante Veranstaltungen mussten seinen Angaben nach aufgrund der Corona-Pandemie gestrichen werden: "Die finanziellen Folgen werden sich demnächst schmerzhaft spürbar machen, wenn auch die letzten Reserven verbraucht sind." Wie Präsident Welnhofer ausführt, stehe die Grün-Weiß im Frühjahr 2021 mit einem Bein nahe am Abgrund, wenn nicht finanzielle Unterstützung komme. "Die Situation hat noch in allen Strukturen Auswirkungen auf die nächsten Jahre der Tanzgruppe. Oberste Priorität hat der Erhalt des Mehrgenerationentreff für die Arbeiterwohlfahrt."

Nichts außer Training

Wie wichtig Brauchtum, Unterhaltung und Sport für alle sei, "hören wir täglich von jeder Seite, aber was wird bleiben nach der Pandemie?" Die Tanzgruppe werde versuchen, die 132 Tänzerinnen an den Verein zu binden und wenn die Möglichkeit besteht, Veranstaltungen im Mehrgenerationentreff durch zuführen. "Auch wenn die Luft fast heraus ist, wird der Kopf nicht in den Sand gesteckt und sich der Herausforderung gestellt," so Welnhofer kämpferisch.

Die fünf Tanzmariechen könnten immerhin einzeln trainieren "und das macht Mut, dass die Besucher bald wieder in kleiner Formation unterhalten werden können". Zum heutigen Faschingsstart sieht die Vorstandschaft sehr optimistisch in die Zukunft, nach dem Motto "nach Regen kommt die Sonne".

Auch für Gerlinde Graja, Präsidentin der Faschingsgesellschaft Nabburg, ist das alles "sehr deprimierend", wie sie kürzlich in einem Interview mit Oberpfalz-Medien versichert hat. Lange habe laut Graja die Faschingsgesellschaft Nabburg an der Inthronisation ihrer Prinzenpaare am 14.11. um 14.11 Uhr festgehalten - um dann festzustellen, dass es wohl doch nicht gehen wird. Der Frust war enorm, weil schon viel Arbeit in die Vorbereitungen geflossen ist. "Aber was willst machen? Bilder hochladen und dazu schreiben: 'Huhu, wir sind das Prinzenpaar!'" Das gehe nicht. Nun sei alles "auf unbestimmte Zeit verschoben." Wenn es bis Mitte Februar irgendwann möglich sei, werde man die Inthronisation nachholen. Aber jetzt sieht es noch ganz anders aus. Natürlich merken auch die Nabburger die Coronakrise in der Vereinskasse. "Wir finanzieren uns ja über die Feste im Sommer." Mittelaltermarkt, Nikolausmarkt, alles sei ausgefallen. Aber Versicherungen und andere Ausgaben liefen ja weiter. "Ein Jahr stehen wir locker durch, aber nächstes Jahr sollte es schon wieder anders sein," hofft die Präsidentin.

Auch kein Trauerzug

Marion Raab von der Faschingsgesellschaft Stulln hat mir ihren Vereinsfreunden, den Tänzerinnen und dem Prinzenpaar voller Spannung auf den nächsten Samstag geblickt. "Da wäre der große Faschingsauftakt im Sportheim gewesen," erzählt sie, "die Garden wären das erste Mal aufgetreten und das Prinzenpaar wäre gekürt worden". Aber die Corona-Einschränkungen gingen auch an den Stullnern nicht vorbei, die Proklamation mit allem drum und dran musste abgesagt werden. Nicht einmal die Alternatividee kann umgesetzt werden: "Stattdessen wollten wir nämlich einen Trauerzug durch den Ort machen." Aber auch er: abgesagt.

Traurig findet Raab, dass die Garden ihre Tänze erarbeitet haben und sie jetzt nicht zeigen könne. "Wir zeigen sie dafür im nächsten Fasching," verspricht sie frohgemut. Heuer geht allerdings nichts mehr: "Die ganze Saison wurde abgesagt." Nachdem auch schon die Kirwa im August Corona weichen musste "müssen wir eine große finanzielle Einbuße verkraften." Allerdings habe die Faschingsgesellschaft laut Raab "noch einige Rücklagen".

Im gleichen Ort gibt es noch einen Ansprechpartner in Sachen Fasching. Es ist Andreas Hanff vom TSV Stulln. Der Sportverein und sein Förderverein zeichnen für den jährlichen, großen Stullner Faschingszug verantwortlich. "Tendenz Absage," fasst Hanff die Chancen für den Zug durch die Gemeinde am 14. Februar 20121 zusammen. Ein kleines Fünkchen Hoffnung gibt es noch. "Endgültig entscheiden wir erst nach Lockdown-Light, also im Dezember." Aber Hoffnung, so Hanff, mache er sich wenig.

Über eine Saison, in der der Wurm drin ist – aber leider ohne Gaudi

Oberpfalz

Wir wollten am Samstag statt der Inthronisation einen Trauerzug durch den Ort machen. Auch das wird abgesagt.

Marion Raab, Präsidentin der FG Stulln

Marion Raab, Präsidentin der FG Stulln

Die fünf Oberviechtacher Tanzmariechen Hannah Killermann, Anna Last, Fabienne Ismail, Anna Augustin und Antonia Scheck (von links) von Grün-Weiß haben trainiert, soweit es erlaubt war.
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