11.10.2020 - 11:10 Uhr
NabburgOberpfalz

40. Hausgeburt: Das Mädchen Rosalie

Es gibt sie wieder, die „gebürtigen“ Nabburgerinnen und Nabburger. Das Mädchen Rosalie ist in diesem Jahr die 40. Hausgeburt und das dritte Kind, das im Standesamt Nabburg angemeldet wurde.

Die kleine Tochter von Melanie Ferstl (Zweite von links) und ihrem Partner Sebastian Lochner (links) ist dieses Jahr die 40. Hausgeburt der beiden Hebammen Verena Raab (rechts) und Alexandra Regner (Zweite von rechts).
von Sepp FerstlProfil

Jedes Jahr kommen in Deutschland etwa 6000 Kinder zu Hause auf die Welt. Und das nicht, weil es ihre Eltern nicht mehr zur Geburt ins Krankenhaus geschafft haben. Nein, geplant. Tendenz steigend. Ob es an dem Coronavirus und den damit verbundenen Änderungen für Krankenhausgeburten liegt? Die beiden Hausgeburtshebammen Alexandra Regner und Verena Raab glauben es nicht. „Bei der ein oder anderen Frau mag es vielleicht eine Rolle spielen, aber der Aufwärtstrend zeigt sich bei uns in der Region schon seit 2015 und da war von Corona noch keine Rede.“ Es gäbe die unterschiedlichsten Beweggründe für Frauen sich für eine Geburt im häuslichen Umfeld zu entscheiden.

Geburt im Wohnzimmer

Heuer haben die beiden Hebammen schon 42 Frauen bei der Geburt zu Hause betreut. Melanie Rosa Ferstl, selbst noch im Krankenhaus Nabburg geboren, war die 40. von ihnen. Stolz erzählt sie von der Geburt ihres ersten Kindes. Mit 3770 Gramm kam die kleine Rosalie an einem Montagabend um 21.22 Uhr daheim im kuscheligen Wohnzimmer zur Welt. In Nabburg konnte Rosalie’s Geburt dieses Jahr als Nummer drei im Standesamt beurkundet werden.

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Ihre Mama hatte als selbstständige Friseurmeisterin schon viele gutgemeinte Ratschläge und Geburtsgeschichten von Kundinnen gehört mit für und wider Hausgeburt. Doch Melanie und ihr Partner haben sich dennoch für die Entbindung daheim entschieden. Ihnen war es wichtig die Hebammen schon vor der Geburt zu kennen und sich und ihrem Kind einen so interventionsarmen Start wie möglich ins gemeinsame Familienleben zu ermöglichen. Ohne Dammschnitt für die Mutter oder Zeitdruck im Klinikalltag und mit vielen Kuschelstunden zu dritt zuhause im eigenen Bett.

Schnelle Verlegung möglich

„Ein bisschen ärgert es uns, dass zum Thema Geburt jeder etwas Schlaues zu sagen hat. Hinz und Kunz drücken den Schwangeren ihre Geschichten auf, ohne sich auch nur eine Sekunde wirklich über das Thema Hausgeburt informiert zu haben“, berichten die Geburtshelferinnen. „Gott sei Dank haben wir hier in Nabburg aufgeschlossene Frauenärztinnen, die der Hausgeburt ihre Berechtigung lassen.“ Außerdem müssen sich die Familien natürlich ja auch gut auf die bevorstehende Hausgeburt vorbereiten und sich in einem Krankenhaus vorstellen, falls die Geburt nicht wie geplant daheim beendet werden kann.“ Eine Hausgeburt sei leider nicht für jede Schwangere geeignet. Krankenhäuser seien wichtig und die Hebammen sind sehr froh, dass sie die Möglichkeit der schnellen Verlegung haben.

In Rufbereitschaft

Die beiden Hebammen betreuen „ihre Hausgeburtsmuttis“ bereits in der Schwangerschaft, bei der Hausgeburt sind sie, falls möglich, sogar zu zweit bei der Familie zu Hause und natürlich übernehmen sie auch die Wochenbettbetreuung. Für insgesamt fünf Wochen um den errechneten Entbindungstermin befinden sich die Hebammen in einer sogenannten Rufbereitschaft. „Es könnte ja jederzeit losgehen, Hobbies und Privatleben müssen öfter hintenanstehen“ sagt Verena Raab, Hebamme seit 2009, die nebenbei mit ihren Nabburger Hebammenkolleginnen auch noch im Kreißsaal in Cham Dienste übernimmt. „Eine Hausgeburt ist für heuer noch in Nabburg geplant“, weiß Alexandra Regner, mit Blick auf ihren vollen Terminkalender. Die gebürtige Regensburgerin arbeitet bereits seit 2012 in Nabburg und hat von ihren bisher knapp 100 Hausgeburten bereits acht „echte Nabburger“ ins Leben begleitet.

Melanie Ferstl hat sich jetzt erstmal Elternzeit genommen und genießt das Familienglück. In einigen Monaten wird sie dann wieder Stundenweise in ihrem Salon arbeiten. Melanie und ihr Partner Sebastian Lochner sind sich einig: „Wir würden uns jederzeit wieder zur Hausgeburt entscheiden.“

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