15.07.2020 - 17:25 Uhr
NabburgOberpfalz

Abschluss der Girls' Day Akademie in Nabburg

Die Vorstellung vom klassischen Frauenberuf ist auch 2020 noch mehr als ein Klischee. Die Hälfte aller Schulabgängerinnen entscheidet sich für einen der zehn klassischen Frauenberufe. In Nabburg gibt es ein Projekt, das das ändern soll.

Die Schülerinnen der Naabtal-Realschule in Aktion. Die Girls’ Day Akademie half ihnen dabei, einen besseren Einblick in die MINT-Berufe zu bekommen. Ziel ist es, dass mehr junge Frauen über den beruflichen Tellerrand blicken.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

In Bayern sind heute in der Elektro- und Metallindustrie rund 26 Prozent der beschäftigten weiblich. Bayern steht damit gar nicht mal so schlecht da. Zum Vergleich: Deutschlandweit sind es im Schnitt nur rund 20 Prozent. Dennoch ist es auch 2020 mehr als nur ein gängiges Klischee, dass sich junge Mädchen zumeist für klassische Frauenberufe interessieren. In den MINT-Berufen, also solchen die etwas mit Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik zu tun haben, lag der Frauenanteil laut Arbeitsagentur 2018 bei gerade einmal 15,5 Prozent.

Ein Projekt, an dem auch die Naabtal-Realschule in Nabburg teilnimmt, soll dem entgegenwirken. Die Girls' Day Akademie findet ein Schuljahr lang zusätzlich zum Unterricht statt, wobei es darum geht, den Mädchen bei der Berufswahl helfen und das Interesse für Berufe und Studiengänge im Bereich MINT zu wecken.

Die Abschlussfeier der Absolventinnen fand heuer nur digital statt. Auch wenn das Coronavirus manche Veranstaltung ins Wasser fallen ließ, liegt ein spannendes Jahr hinter ihnen. So waren sie zum Beispiel zu Besuch beim Pirker Folien-Giganten Constantia-Pirk, haben einen Roboter gebaut und programmiert, ein Solar-Panel gebaut, selbst Gummibärchen hergestellt und konnten bei der Firma EMZ-Hanauer wichtige Kontakte knüpfen.

Mehrere Optionen

Laura Fischer (14), eine der Girls'-Day-Akademie-Teilnehmerinnen, sagt: "Die Girls' Day Akademie hat stark dazu beigetragen, dass wir einen besseren Überblick darüber bekommen haben, welche Möglichkeiten es eigentlich für uns gibt. Ihre Mitschülerin Laura Lottner (14) sieht das ähnlich: "Es hat mir total geholfen, einen Einblick in verschiedene Berufe zu bekommen. Ich habe jetzt mehrere Optionen kennengelernt."

Mädchen nehmen viel auf sich

Träger des Projekts sind die bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeberverbände, kurz "bayme vbm" gemeinsam mit den regionalen Agenturen für Arbeit und der Regionaldirektion Bayern. Dorothea Seitz-Dobler, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt bei der Schwandorfer Arbeitsagentur, hat die Mädchen während des Projekts besucht. Sie ist von ihrem Engagement begeistert. Sie sagt: "Sie waren konzentriert und fokussiert, einfach voll bei der Sache. Ich konnte mein Thema an die Frau bringen." Die Mädchen hätten bewiesen, dass sie ihre berufliche Zukunft nicht auf die leichte Schulter nehmen. Seitz-Doblers Ziel sei es, den Mädchen das nötige Selbstbewusstsein zu geben, damit sie später einmal einen Job ausüben, bei dem sie auch selber eine Familie ernähren können, selbst wenn sie in keiner Partnerschaft leben sollten. Ihr Tipp für die Mädchen: "Macht so viele Praktika wie möglich. So werden Vorurteile abgebaut. Nur wer sich viel anschaut, kann sich entscheiden, was er machen möchte."

Auch Hermann Brandl, Geschäftsführer der "bayme vbm"-Geschäftsstelle Oberpfalz, lobte das Projekt in Bezug auf seine wirtschaftsstärkende Funktion für die Region: "Unser Ziel ist es nicht zuletzt, dass die Mädchen sich später nicht einen Job in den Ballungszentren wie München und Nürnberg suchen, sondern der Region treu bleiben. Das macht den Unternehmen möglich, weiter hier ihre zu Betriebe haben."

Brandl betonte, wie wichtig es sei, alte Rollenmuster nicht an junge, talentierte Mädchen und Frauen weiterzuvererben. "In jedem Beruf sollen Männer und Frauen als gleichberechtigt geeignet angesehen werden. Es gibt überhaupt keine Rechtfertigung, warum das eine ein Männer- und das andere ein Frauenberuf sein sollte." Mädchen seien vor allem in der IT-Branche gefragt. "Wir brauchen mehr Fachkräfte im Bereich IT und anderen. Gerade bei jungen Frauen liegt da noch viel Potenzial brach", sagte Brandl.

Noch ein langer Weg

Auch er ist sich bewusst, dass es wohl noch ein langer Weg werden dürfte, bis gängige Klischees in der Mottenkiste landen. "Natürlich gibt es diese Stereotype noch. Ist ein Generationenproblem", sagt er. Als Lösung schlägt er vor: "Sehr hilfreich ist es, über erfolgreiche Unternehmerinnen zu berichten. Sehr wichtig ist es auch, fähige Absolventinnen von der OTH ins Rampenlicht zu rücken."

Damit sie auch etwas vorweisen können, das von ihrem Engagement zeugt, haben die Schülerinnen ein Zertifikat der Akademie erhalten, das sie ihren späteren Bewerbungen beilegen können.

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