06.11.2020 - 18:02 Uhr
NabburgOberpfalz

Alarmstufe Rot für Kindergärten im Kreis Schwandorf: Fällt St. Martin komplett ins Wasser?

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Die Kindergärten hatten fleißig Pläne geschmiedet, wie sie St. Martin trotz Corona feiern könnten. Die sind jetzt wohl dahin. Der gesamte Landkreis Schwandorf ist dunkelrot, für Kindergärten gilt ab Dienstag ein Schichtmodell.

So wie in den vergangenen Jahren wird St. Martin heuer nicht. Am Freitag erreichte die Kindergärten in der Region ein Schreiben aus dem Landratsamt, das zur Folge haben kann, dass überhaupt keine Feiern stattfinden dürfen.
von Wolfgang Ruppert Kontakt Profil

Die Kindergärten in der Region waren nicht untätig, was das St. Martinsfest angeht. Sie hatten Konzepte überlegt, mit denen es hätte möglich sein sollen, das Fest mit den Kindern zu feiern, wenn auch in abgespeckter Version. Am Freitag hatte Oberpfalz-Medien bereits mit den Einrichtungen gesprochen, als am frühen Nachmittag die Mitteilung des Landratsamtes kam, der zufolge die Feiern nicht stattfinden können, weil es die Infektionslage im Landkreis nicht zulasse. Diesbezüglich teilte Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamts, in seiner Mitteilung am Freitagnachmittag mit: "Aufgrund des dynamischen Infektionsgeschehens war es notwendig, heute für diesen Bereich die Stufe Rot auszurufen." Von der Inzidenzzahl her war der Landkreis schob vor Freitag auf Stufe Rot. Allerdings blieben die Kitas bislang auf Stufe Gelb. Der Corona-Inzidenzwert hat am Freitag laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) einen Negativ-Rekordwert von 110,9 im Kreis erreicht. Für die Kindergärten bedeutet das konkret: "Es kann nur noch ein Teil der sonst betreuten Kinder zeitgleich bzw. gemeinsam betreut werden", schreibt Prechtl. Das heißt, für die Kindergärten und Krippen im Landkreis gilt ab Dienstag ein Schichtmodell. Laut Prechtl könnten Schichtmodelle im wöchentlichen, halbwöchentlichen oder täglichen Wechsel stattfinden. "Diese Vorgehensweise bietet sich an, wenn eine räumliche Trennung der Gruppen und damit eine gleichzeitige Betreuung der Kinder nicht möglich sind." Eine Martinsfeier wie geplant stattfinden zu lassen scheint eher nicht mehr möglich.

Aufgrund des dynamischen Infektionsgeschehens war es notwendig, heute für diesen Bereich die Stufe Rot auszurufen.

Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamts über die Einführung eines Schichtmodells in Kindergärten und -krippen

Hans Prechtl, Pressesprecher des Landratsamts über die Einführung eines Schichtmodells in Kindergärten und -krippen

Kindergärten und Grundschule in Nabburg

Stadtpfarrer Hannes Lorenz hat die Mitteilung kalt erwischt. "Wir müssen am Montag besprechen, wie es weitergeht", sagt er. Die Verfügung tritt ab Dienstag, 10. November, in Kraft. An diesem Tag hätte einer der beiden Umzüge für die Kindergärten stattfinden sollen. "Gottesdienste feiern, das ist weiterhin erlaubt. Wir wissen aktuell aber nicht, ob wir einen Gottesdienst mit einem Kindergarten feiern dürfen", sagt er. Das ist umso ärgerlicher, weil der Stadtpfarrer sich einen gut durchdachten Plan zurechtgelegt hatte, mit dem eine Martinsfeier für die Kinder möglich gewesen wäre, die die bis dahin gültigen Coronabestimmungen erfüllt hätte. "Die Kinder haben schon auf so viel verzichten müssen. Es ist wichtig, dass sie so etwas miteinander erleben können. Mir ist eine solche Feier lieber, als ganz auf das Fest verzichten zu müssen", hatte Lorenz noch kurz zuvor im Gespräch mit Oberpfalz-Medien gesagt. Im Einzelnen hätte er für die Grundschüler und Kindergartenkinder Folgendes geplant gehabt: Die Martinsfeiern wären auf vier Gruppen aufgeteilt worden. Einen Laternenzug hätte es auch geben sollen, denn dieser stellt laut Lorenz eine Prozession dar, die mit dem Hygienekonzept der Gottesdienste durchgeführt werden darf. Ob sich das aber mit den neuen Regeln für die Kindergärten verträgt, ist im Moment noch nicht geklärt.

Am heutigen Samstag sind die Grundschüler dran. Sie betrifft die Bestimmung noch nicht, da diese erst ab Dienstag in Kraft tritt. Nach dem Familiengottesdienst um 17 Uhr findet ein Martinsumzug in den Schlosshof statt, an dem die Kinder ohne ihre Eltern teilnehmen dürfen. Dabei müssen sie eine Maske tragen.

Die Kinder haben schon auf so viel verzichten müssen. Es ist wichtig, dass sie so etwas miteinander erleben können. Mir ist eine solche Feier lieber, als ganz auf das Fest verzichten zu müssen.

Nabburgs Stadtpfarrer Hannes Lorenz

Nabburgs Stadtpfarrer Hannes Lorenz

Bei den beiden Kindergärten St. Marien und St. Angelus sieht es anders aus. Sie wären am Dienstag, 10. November, und am Mittwoch, 11. November, dran gewesen. Die Feiern sollten in der Pfarrkirche unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Das bedeutet, dass die Eltern nicht dabei sein hätten können. Lorenz: "Wenn neben den Kindern je zwei Elternteile in der Kirche wären, würde das die Platzverhältnisse nach Corona-Ordnung sprengen." Einzig bei den Kindern aus der Krippe von St. Marien wäre ein Elternteil zugelassen gewesen. Bei dem anschließenden Martinsumzug mit einem Reiter an der Spitze hätten wiederum nur die Kindergartenkinder mitlaufen dürfen. Lorenz hatte heuer den Glühweinausschank nach den Umzügen komplett abgesagt.

St. Martin in Pfreimd

Kerstin Birner teilte am Freitagvormittag auf Anfrage noch mit, dass das Fest heuer ohne die Eltern stattfinden sollte. "Wir machen die Feier gruppenintern und jede Gruppe hat das Fest an einem anderen Tag", sagte sie. Es sollte ein Schattenspiel, bei dem die Kinder die Geschichte von St. Martin zu sehen bekommen, geben. "Wir wollten den Kindern das Fest nicht vorenthalten. Wir haben uns aber in alle Richtungen abgesichert, damit das alles nach den geltenden Regeln läuft", sagte Birner noch am Vormittag. Jede Gruppe hättet einen kleinen Laternen-Umzug um den Kindergarten und die Schule herum machen dürfen. "Im Garten wartet dann der St. Martin auf seinem Pferd auf die Kinder. Da können sie dann noch mal eine kleine Runde zusammen mit St.-Martin gehen", sagte Birner. Auch den Kindergarten in Pfreimd haben die neuen Bestimmungen wohl kalt erwischt. Am Nachmittag rief Birner an und sagte: "Alles, was ich gesagt habe, ist hinfällig. Wir mussten unsere Pläne canceln. Es findet nichts statt."

St. Josef in Schwarzenfeld

"Wir bleiben heuer intern im Kindergarten", sagte Christine Gebhardt am Freitagvormittag. Ein religiöser Teil im Gruppenraum sollte diesmal die Andacht in der Kirche ersetzen. Einen Martinsumzug sollte es auch nur in den Räumen geben. Gebhardt ging davon aus, dass es dennoch ein tolles Fest für die Kinder hätte werden können. Es sollte Kinderpunsch und Lebkuchen. "Es wird sicherlich anders. Optimal ist die Situation heuer nicht. Die Kinder sollen aber auf jeden Fall einen schönen Martinstag erleben können", sagte Gebhardt. Damit die Kinder auch verstehen, worum es bei dem Fest geht, sollte es ein St. Martin-Rollenspiel geben. Laternen haben die Kinder bereits gebastelt. Wie der Kindergarten nun auf die Lage reagieren wird, konnte Oberpfalz-Medien am Freitagnachmittag nicht mehr herausfinden, weil die Einrichtung bereits geschlossen war.

Kindergarten Oberviechtach

In Oberviechtach bleibt zumindest eine Sache beim alten: Die Kinder bekommen eine leckere Martinsgans. Die Feier findet ebenfalls nur im Kindergarten statt. Dabei bleiben die Gruppen voneinander getrennt, allerdings findet die Feier für beide am selben Tag statt. Eine Andacht in der Kirche gibt es heuer wegen der Coronapandemie nicht. Laternen haben die Kinder aber dennoch gebastelt. Mit diesen werden sie im Garten der Einrichtung ein bisschen umherziehen.

Lesen Sie hier zur aktuellen Coronalage in der Region

Oberpfalz

Kindergarten Schönsee

Auf Anfrage von Oberpfalz-Medien teilte das Kinderhaus in Schönsee mit, dass man erst am Montag noch einmal besprechen wolle, wie sich die Feier gestalten soll und dazu jetzt noch nichts sagen könne.

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