Genau 27 Jahre stand Otto Kühner an der Spitze der Nabburger Rettungswache. Mit Blick auf die bevorstehende Rente im Herbst hat er nun zum Jahreswechsel die Leitung an einen jüngeren übergeben. Ein Abschied auf Raten, aber auch eine gute Gelegenheit, um zurückzublicken auf aufregende Zeiten, die für den heute 64-Jährigen 1975 in der Rettungswache Oberviechtach begonnen haben.
"Einsatzfahrzeug war damals ein VW-Bus, damit wurden schon mal zwei bis drei Verletzte auf einmal transportiert", erinnert sich Kühner und berichtet von Nachbarn, die beim Aufladen helfen mussten, oder Ehrenamtlichen, die mal schnell in den Rettungswagen zusteigen sollten. Immerhin, einen Rettungswagen gab es dann in Nabburg schon, wo Kühner sich nach dem Zivildienst erfolgreich um eine Planstelle bewarb. Hier war er einer von drei Rettungssanitätern, in einer ausgesprochen "blutigen" Zeit. "Damals hatte sich die Anschnallpflicht noch nicht durchgesetzt," erinnert sich Kühner, "da gab es Jahre mit 15 Verkehrstoten im Landkreis". Eine Zeit ohne Knautschzone, Airbag und Schutzhandschuhe. Als Leitstelle habe oft die Privatwohnung fungiert, mit der Ehefrau am Telefon. So mancher Kollege habe sein Telefon in der Salatschüssel deponiert, um den Klingelton nicht zu überhören. Der Rettungswagen parkte vor der Haustüre, mit den Kollegen wurde dann ein Treffpunkt ausgemacht. Auch Medikamente gab es damals kaum, Infusionen selten. "Ab ins Krankenhaus", lautete die Devise. Ein Notarztsystem wurde erst in den 80er Jahren eingeführt.
Fleißaufgabe
Heute sieht die Situation im Rettungsdienst ganz anders aus: "Intubation, Intensivmedizin, rund 40 Medikamente, standardisierte Herzinfarkt-Versorgung, Telemedizin, EKG", zählt Kühner die Errungenschaften auf. 520 Stunden mussten die Rettungssanitäter in den 70er Jahre in die damals höchste Ausbildungsstufe investieren, inzwischen dauert es drei Jahre, bis die Notfallsanitäter- Ausbildung abgeschlossen ist. Die Zeiten, als Infusionen im Rettungswagen eingefroren waren und die Helfer am Steuer mit der Taschenlampe auf der Landkarte nach dem Weg suchten, sind auch vorbei. "Als Fleißaufgabe sind wir in der Freizeit die ganzen Dörfer abgefahren und haben eigene Hausnummern-Pläne gemacht", berichtet Kühner. Jetzt sendet die Leitstelle ein Stichwort aufs Navi, und statt der drei Hauptamtlichen in den 70er Jahren gibt es in der Rettungswache aktuell 19 Beschäftigte, darunter fünf Schüler zur dreijährigen Ausbildung als Notfallsanitäter.
Doch eines ist für Otto Kühner gleich geblieben: das Gefühl der Ungewissheit beim Ausrücken. "Man arbeitet in diesem Job immer unter Spannung", hat er festgestellt. "Das ist auch gut so, denn bei Routine schleichen sich Fehler ein." Eins ist dem 64-Jährigen in all den Jahren besonders wichtig gewesen: "Rettungsdienst ist Teamarbeit, nie ist es der Einzelne, der erfolgreich ist." Der gute Zusammenhalt in der "Wach-Familie" sei es aber auch gewesen, der die über 43 Jahre im Rettungsdienst ermöglicht habe, meint Kühner. "Mit den Jahren merkt man, dass der Job am Nervenkostüm nagt, aber dafür ist man etwas abgeklärter, das gleicht sich aus."
Große Fußstapfen
Die Weichenstellung für den Umzug der Nabburger Rettungswache ins Gesundheits- und Betreuungszentrum im ehemaligen Krankenhaus wollte Kühner schon mal dem Nachfolger überlassen. So bleiben noch einige Monate Zeit für eine nahtlose Übergabe. Ein paar Wochen als Chef hat der neue Leiter der Rettungswache, Roland Lebrecht, schon hinter sich. "Das wird sicher eine große Herausforderung", überlegt der 32-Jährige aus Stulln und spricht von großen Fußstapfen, in die es jetzt zu treten gilt.
Statt der durchschnittlich drei bis vier nächtlichen Einsätze pro Woche in Kühners Anfangszeit gibt es diese Fallzahlen nun pro Nacht - auch wenn Unfälle längst nicht mehr Schwerpunkt sind. Der "Sanka-Fahrer" jedenfalls gehört angesichts der geforderten Kompetenz und Verantwortung definitiv der Vergangenheit an.
Rettungsdienst im Wandel
1975 gehörte Otto Kühner neben einem weitern Kollegen zu den ersten Zivildienstleistenden beim BRK Schwandorf. Damals gab es das Berufsbild des Rettungssanitäters, 520 Stunden an Ausbildungszeit waren dafür vorgesehen. 1990 dann löste eine zweijährige Ausbildung zum Rettungsassistenten das bisherige Modell ab. Noch umfassender ist die Qualifikation, die aktuell angestrebt werden kann: Für einen Notfallsanitäter ist eine dreijährige Ausbildung Pflicht.
Rettungsdienst ist Teamarbeit, nie ist es der Einzelne, der erfolgreich ist.














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