09.07.2021 - 16:45 Uhr
NabburgOberpfalz

Arbeitsplatz an historischer Quelle im Nabburger Archiv

Gotthard Kemmether hat sich eingelebt im Stadtarchiv am Unteren Markt. Richtig heimisch kann der neue Archivar dort nicht werden, denn der Umzug des Archivs steht an. Doch bereits der jetzige Arbeitsplatz fühlt sich wie eine Heimkehr an.

Gotthard Kemmether pflegt seit 1. Juni die Archive für Nabburg und Pfreimd. In Nabburg werden die historischen Quellen bald umziehen.
von Irma Held Kontakt Profil

Am 1. Juni hat der 39-jährige Gotthard Kemmether die Archivstelle von Felix Engel übernommen, der in seine Heimat nach Sachsen-Anhalt zurückgekehrt ist. Dafür hat Gotthard Kemmether Frankfurt/Oder gegen Nabburg getauscht. Er macht kein Hehl daraus, dass es ihn und seine Familie – er hat verwandtschaftliche Bezüge in den Landkreis Regensburg – wieder nach Bayern zurückgezogen hat. Das ist die eine Seite der Medaille, die andere sieht so aus: "Wenn man keine Professur anstrebt, hat man an einer Universität wenig Perspektiven."

Der Wechsel ins Archiv war ein perspektivisch richtiger Schritt. Gänzlich fremd ist ihm die Archivarbeit grundsätzlich nicht, denn ehrenamtlich hat er bereits in einem Archiv mitgeholfen. Sein Studium tat das Übrige: "Als Historiker muss man in Archiven forschen. Was in Archiven läuft, ist mir schon bekannt." Als Historiker bleibe er in seinem Fachgebiet. Neu aufbauen muss er das Nabburger Archiv nicht. Es seien

solide Strukturen da. Seine beiden Vorgänger hätten gut vorgearbeitet, darauf ließe sich aufbauen.

Belege, wie Urkunden zum Beispiel, reichen in Nabburg bis ins 14. Jahrhundert zurück. Ratsbücher aus dem 15. Jahrhundert beherbergt das Archiv ebenfalls. Es gibt nach den Worten von Gotthard Kemmether einen umfangreichen Urkundenbestand. "Jede Urkunde ist einzeln verpackt." Genauer damit beschäftigen will er sich, wenn er mehr Zeit habe. Viel Aussagekraft steckt dem Archivar zufolge in Rechnungsbüchern, die in Nabburg ab dem 16. Jahrhundert vorhanden sind. Mit Informationen über Baumaßnahmen – Stadtbefestigungen etwa – oder Geschenke und Hinweise auf Persönlichkeiten seien sie wichtige Quellen für die Stadtgeschichte.

Das Alltagsleben hinter diesen Zahlenkolonnen machen Dokumente von Vereinen und Privatpersonen sichtbar. "Das Archiv ist verpflichtet, Schriftgut der Kommunen zu übernehmen. Archivalien von privater Seite oder Vereinen dienen als Ergänzung zu den Kommunalunterlagen." Bild- und Fotomaterial käme meist aus privater Hand. Besuche im Archiv seien coronabedingt selten, doch Gotthard Kemmether arbeitet regelmäßig Anfragen per Mail ab. Am Tag des Besuchs von Oberpfalz-Medien hat er die Anfrage einer Schule aus der Region auf dem Schirm.

Zum Wechsel im Archiv

Nabburg

Für den neuen Archivar mit Schwerpunkt Mittelalter bietet Nabburg auch Stoff für seine geschichtlichen Themen. An der Universität habe er sich mit Reformationsgeschichte beschäftigt. "Diese beschränkt sich nicht nur auf die evangelisch Seite. "Das war auch in der Oberpfalz eine spannende Sache. Es gibt einige interessante Ereignisse." Eines hat Gotthard Kemmether schon "ausgegraben". Den Überfall auf das Haus des Pfarrverwalters Breitschedl, geschehen anno 1592 zu Nabburg. Breitschedl war Calvinist. Der Anlass für die Tat ein Zwist zwischen Lutheranern und Calvinisten. Kemmether spielt seine Ausbildung jetzt als Archivar in die Karten. Er kann auch Schriftstücke beispielsweise aus dem 15. Jahrhundert lesen und verstehen.

Alle diese wertvollen und empfindlichen Dokumente gilt es nicht nur zu katalogisieren, sondern zu erhalten. Dazu ist der Umzug an die Bachgasse ein wesentlicher Schritt. Die Temperaturschwankungen am jetzigen Standort unter einem ungedämmten Dach sind zu groß. Ist es zu trocken, wird das Schriftstück porös, ist es zu feucht, kommt Schimmelbefall. Der für Jahresende geplante Umzug soll im Frühjahr 2022 erfolgen.

Mehr zum Archiv

Nabburg

"Als Historiker muss man in Archiven forschen. Was in Archiven läuft, ist mir schon bekannt."

Gotthard Kemmether, Archivar für Nabburg und Pfreimd

Gotthard Kemmether, Archivar für Nabburg und Pfreimd

In Klappboxen wird das Archivmaterial von den Kommunen angeliefert.
Eine alte liturgische Handschrift für Chorgesang dient diesem Register von 1602/03 als Umschlag. Dieses Dokument gehört zum Bestand des Nabburger Stadtarchives.
Hintergrund:

Gotthard Kemmether

  • 1982 geboren in Dettelbach (Unterfranken)
  • 2002 Abitur am Laurentius-Gymnasium Neuendettelsau
  • 2003 bis 2006 Bachelorstudium „Interdisziplinäre Mittelalterstudien" an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
  • 2006 bis 2009 Masterstudium „Interdisziplinäre Mittelalterstudien" an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg
  • 2008 bis 2016 Akademischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte Mitteleuropas und regionale Kulturgeschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)
  • 2016 bis 2021 Akademischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für vergleichende europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)
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