06.11.2020 - 17:57 Uhr
NabburgOberpfalz

Aufpassen, dass kein Horrorloch entsteht

An der Stelle des Bahnübergangs in Nabburg soll es später nur noch eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer geben. Doch die bisher vorgesehene Lösung ist vollkommen unbefriedigend. Das bekommen die Stadträte vor Augen geführt.

Architekt Ulrich Wieler ist überzeugt: Die Amtslösung für Fußgänger und Radfahrer muss mit gestalterischen Ideen verbessert werden.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Zum Umfeld des Bahnübergangs und der Naabbrücke hat die Stadt eine freiraumplanerische Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Sie soll zeigen, wie der Bereich einmal aussehen könnte, wenn der Bahnübergang an dieser Stelle geschlossen und die Umgehungsstraße auf der sogenannten Rahmenplantrasse gebaut ist. Gemacht wird diese Expertise vom Büro "UmbauStadt". Als dessen Repräsentant kam der Architekt Ulrich Wieler in dieser Woche nach Nabburg, um in der Stadtratssitzung einen Sachstandsbericht abzugeben. Unterstützt wurde er dabei von seinem Kollegen Marcus Hamberger, der per Livestream zugeschaltet war.

Die Studie basiert auf Visionen, die aus dem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) aus dem Jahr 2011 abgeleitet sind. "Hier entstehen drei Ingenieur-Bauwerke, die einmal ganz gravierend die Ansicht Ihres Stadteingangs verändern werden", schickte Wieler voraus, dass die beiden Unterführungen (innerhalb der Umgehung und an der Stelle des jetzigen Bahnübergangs) sowie die neue Naabbrücke gut in ein Gesamtkonzept für den ganzen Planfeststellungsbereich eingebunden werden müssen. Was bisher in der "Amtslösung" geplant sei, müsse verfeinert und für die späteren Nutzer zugänglicher gestaltet werden.

Es geht auch anders

Wieler und Hamberger zeigten in einer Präsentation, wie diese Amtslösung aussieht und wo ihrer Meinung nach Verbesserungsbedarf besteht. In der laufenden Planfeststellung sei eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer mit folgenden Elementen enthalten: von der Georgenstraße her 3,30 Meter breiter Treppenabgang über 23 Stufen, abgestützt durch fünf Meter hohe Wand, Radweganbindung über Alten Brückenweg, drei Meter breite Unterführung unter der Bahn, auf der anderen Seite zwei Zubringer zur Umgehungsstraße (je nach Richtung durch Unterführung und Weg mit elf Prozent Steigung). Die Architekten erkannten darin einige Schwachstellen, sprachen auch von Sicherheitsrisiken, die nicht von der Hand zu weisen seien. Diese möchten sie in einem Gegenvorschlag beseitigen.

Der Ansatz von "UmbauStadt" sähe vor: von der Georgenstraße her direkt geführter Zugang über eine breiter angelegte Freitreppe, Radfahreranbindung über eine zick-zack-förmige Rampe, breitere Unterführung unter der Bahn und auf der anderen Seite auf 7,5 Prozent reduzierter Anstieg. Bei allen Überlegungen gelte es zu berücksichtigen, dass auf eine benötigte Stützwand auch noch fünf Meter hoher Lärmschutz kommen werde, so dass man sich insgesamt auf eine zehn Meter hohe Wand einstellen müsse, die eine gestalterische Herausforderung darstelle.

Nicht nur Minimallösung

Ingenieur Wieler gab zu erkennen, dass die Planungen bisher parallel gelaufen seien, "ohne groß voneinander zu wissen." Straßenbauamt und Bahn würden da mit Minimalvarianten rechnen. Eine gefälligere und benutzerfreundlichere Variante löse mit Sicherheit einen finanziellen Mehraufwand aus, für den man rechtzeitig versuchen müsse, eine adäquate Förderung zu bekommen. Wieler veranschaulichte: "Die Amtslösung zeigt bisher nur, wie man mit einem Loch durch die Bahn durchkommt. Da muss man schon noch gute Gestaltungsideen draufpacken." Darüber gelte es zu verhandeln, bevor Fakten geschaffen sind.

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Nabburg

"Ich gehe schon davon aus, dass die Stadt daraus kostenneutral hervorgeht", meinte Bürgermeister Frank Zeitler (CSU) und formulierte damit auch gleich das anzustrebende Ziel. CSU-Sprecher Hans-Georg Dobler erkundigte sich, inwiefern mit einem Aufzug eine Erleichterung für Kinderwagen, Rollstühle oder Rollatoren möglich wäre. "Das wäre nicht allzu problematisch, aber das ist halt eine Kostenfrage", gab Ulrich Wieler zu verstehen, dass es dafür noch keine Pläne gebe, aber man sicherlich darüber nachdenken könnte. Für ihn steht fest: "Das soll ja kein Horrorloch werden, und wir müssen alles tun, um das zu vermeiden". Er sprach dabei aus der Erfahrung: "Ich kenne mehr schlechte Unterführungen als gute."

Was bringt eine Absenkung?

Hans-Georg Dobler warf die Möglichkeit einer Bahnabsenkung in die Waagschale und fragte Wieler nach dessen Einschätzung als Stadtplaner, ob sich dadurch Erleichterungen bei der Gestaltung ergäben. Wobei ÜPW-Sprecher Helmut Ertl gleich entgegen hielt, dass diese Variante nicht der Beschlusslage des Stadtrates entspricht. Wieler deutete an, dass er die in Nabburg laufenden Diskussionen durchaus mitverfolge, er aber bisher nur auf der Basis der Amtslösung arbeiten konnte. Es sei natürlich immer gut, einen Lärmerzeuger verschwinden zu lassen. Aber auf die Schnelle könne er da jetzt keinen Vergleich anstellen. Nur soviel: Aus rein städtebaulicher Sicht sei so eine Lösung gewiss komfortabler, wobei da zunächst alle technischen und finanziellen Konsequenzen ausgeblendet blieben.

Bürgermeister Frank Zeitler sah Bedarf, alle weiteren Planungen der verschiedenen Beteiligten, bei denen auch noch der Hochwasserschutz eine große Rolle spiele, besser aufeinander abzustimmen. Pläne seien dann die rein technische Seite, die monetäre Sichtweise komme dann bei der Finanzierung zum Tragen. Ein Beschluss war an diesem Abend nicht erforderlich.

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