28.10.2020 - 16:05 Uhr
NabburgOberpfalz

Ausgebüxte Kuh mit Kalb: Gut Aiderbichl schaltet sich ein

Schon seit Monaten streifen Kuh Elsa aus einem Ortsteil von Nabburg und ihr in freier Wildbahn geborenes Kalb durch die Region. Mehrere Einfangversuche sind gescheitert. Nun schalten sich die Tierschützer von Gut Aiderbichl ein.

Kuh Elsa und ihr Kalb grasen gemütlich auf der Wiese.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Kuh Elsa aus der Nähe von Nabburg hat mittlerweile in ganz Bayern und darüber hinaus Schlagzeilen gemacht: Im April ist sie aus ihrem Stall in einem Nabburger Ortsteil ausgebüxt, flüchtete zunächst auf den Truppenübungsplatz Pfreimd und streifte seither durch die Gegend. Die Kuh war trächtig und etwa im August brachte sie draußen in der Natur ein gesundes Kalb zur Welt. Seitdem grasen Kuh und Kalb - augenscheinlich zufrieden - durch die Umgebung von Nabburg.

Einfangen bisher gescheitert

Zu fressen gibt es noch genug und weiträumig ist der Landkreis Schwandorf auch, sodass sich die beiden bisher nicht einfangen ließen - auch nicht durch anfüttern oder den Einsatz eines Betäubungsgewehrs durch einen Tierarzt. Die Kuh war zuvor zu sehr gehetzt worden, sodass das Beruhigungsmittel nicht wirkte.

Der Besitzer scheint wenig motiviert seine Tiere nach Hause zu holen. Doch langsam drängt die Zeit. Alle Aufforderungen des Landratsamts an den Bauern haben bisher keine Wirkung gezeigt. Von rechtlicher Seite wäre es nunmal seine Aufgabe, sich um die Tiere zu kümmern.

Wird die Kuh zu einer Bedrohung - zum Beispiel wenn sie auf eine viel befahrene Straße läuft - droht der endgültige Abschuss. Außerdem werden sich Muttertier und Kalb im Winter schwerer tun in der Wildnis zu überleben. Die fast schon romantische Geschichte von der Kuh, die ihrem Leben in Gefangenschaft entflieht und einem Kalb, dass nichts als die Freiheit kennt, könnte jäh enden.

Die ganze Vorgeschichte zu Kuh Elsa und ihrem wilden Kalb

Nabburg

Gut Aiderbichl will helfen

Die Mitarbeiter von Gut Aiderbichl - einer Organisation aus Österreich die mehrere Gnadenhöfe betreibt - wollen Schlimmeres verhindern und haben sich eingeschaltet, nachdem die Geschichte von der wilden Kuh mit ihrem Kalb die Runde gemacht hatte. Aktuell sei ein Team von Gut Aiderbichl vor Ort in der Nähe des Heimatstalls der Kuh, und versuche sie anzufüttern.

"Wenn die Kuh sich einfangen lässt, bringen wir sie zu uns", erklärt eine Mitarbeiterin auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien. "Zu uns" bedeutet in diesem Fall, dass Kuh und Kalb ein tolles, langes Leben auf einem der 30 Gehöfte von Gut Aiderbichl winkt - wenn sie mitspielen. Der nächste dieser Höfe wäre in Eslarn - naheliegend dass die beiden Tiere dort ihr Für-Immer-Zuhause finden. Doch entschieden sei das noch nicht. "Jetzt müssen wir sie erst einmal einfangen", heißt es. Für Kuh und Kalb kann man nur hoffen, dass sie auf die Anlockversuche eingehen und so ein Weideleben auf Gut Aiderbichl führen können.

Hintergrund:

Gnadenhof seit 2001

Bereits seit 2001 gibt es den Gnadenhof Gut Aiderbichl. Etwa 30 Höfe laufen in Deutschland und Österreich unter dem Prädikat "Gut Aiderbichl". Dort werden Tiere zum Beispiel aus schlechter Haltung oder vor dem Schlachter gerettet und ihnen so ein neues, artgerechtes Leben geschenkt. Dabei wohnen dort nicht nur klassische Bauernhoftiere, sondern auch Exoten wie zum Beispiel ehemalige Labor-Schimpansen, die 2009 nach Aiderbichl kamen. Unter anderem Hunde, Füchse, Rehe, Frettchen, Papageien, Waschbären, Pferde und natürlich jede Menge Rinder in den verschiedensten Farben und Rassen wohnen auf den Höfen. Für die Tiere kann man auch Patenschaften übernehmen und so die Arbeit der Tierschützer unterstützen.

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