29.05.2019 - 15:59 Uhr
NabburgOberpfalz

Babyboom macht Kopfzerbrechen

So viele Babys hatte keiner auf dem Schirm – und erst recht nicht die Wünsche der Mütter, die früher als erwartet zurück ins Berufsleben wollen. Die Stadt Nabburg bemüht sich um Krippenplätze, doch das braucht Zeit.

Alle Kapazitäten voll ausgeschöpft sind der zeit bei den Krippenplätzen im Kindergarten St. Marien, dem einzigen in Nabburg, der die Kleinsten betreut. Bis ein Neubau den Bedarf decken kann, müssen die Eltern auf Einrichtungen in der Umgebung ausweichen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

In den Krabbelgruppen hat es sich längst herumgesprochen: Die Krippenplätze in Nabburg reichen nicht für alle. So viel ist jetzt schon klar für alle Kleinkinder, die ab September 2019 betreut werden sollen. Da heißt es ausweichen, doch die Kindergärten in der Umgebung sind auch ganz schön voll. "Einige Mütter wurden jetzt nach Altendorf vermittelt", erzählt Miriam Rittmeyer, deren Tochter Charlotte den Nabburger Kindergarten St. Marien besucht. Mit Blick auf den fünf Monate alten Jonathan auf ihrem Arm stellt sie fest: "Ich bin davon zwar nicht aktuell betroffen, aber mit dieser Option könnte ich nicht arbeiten." Ihr geht es nun darum, möglichst abzusehen, wie denn die Chancen auf einen Platz in Nabburg für das Kindergartenjahr 2020/21 und später stehen.

"Die Eltern müssen ja ihren Bedarf für Erziehungszeiten auch schon in der Schwangerschaft anmelden", gibt Rittmeyer zu bedenken und berichtet von ziemlich verunsicherten Müttern in der Krabbelgruppe. Ihr selbst geht es nicht anders. Die 33-Jährige arbeitet bei einem Unternehmen in Neumarkt: "Ein Umweg über Altendorf wäre da schon sehr unpraktisch, auch wenn der Kindergarten dort echt toll ist und extra Baby-Betten angeschafft hat." Dann lohne sich auch ein Teilzeitjob kaum.

Inzwischen hat sich bei den Eltern auch herumgesprochen, dass die Stadt den Neubau eines Kindergartens in Diendorf anvisiert. "Vielleicht gibt es dann ja dort bald Kita-Plätze, vielleicht sogar schon 2020?", spekuliert Rittmeyer und wünscht sich Informationen aus der Tageszeitung. Eine Nachfrage von Oberpfalz-Medien bringt eine gute und eine schlechte Nachricht: Für einen neuen Kindergarten laufen Grundstücksverhandlungen, aber so schnell wird der geplante Neubau wohl nicht Richtfest feiern."Da ist noch einiges an Vorleistungen zu erbringen, es gibt noch gar keinen Bauplan", berichtet Johannes Schießl vom Nabburger Bauamt.

"Ausgeschöpft"

"Wir schieben an, wo es geht, aber das ist ein Millionenprojekt mit europaweiter Ausschreibung", gibt Bürgermeister Armin Schärtl zu bedenken und schildert den Hintergrund: Krippenplätze gibt es derzeit generell nur im Nabburger Kindergarten St. Marien, und zwar maximal 24. "Damit haben wir unsere Betriebserlaubnis ausgeschöpft", berichtet Kindergartenleiterin Silke Pfab. 11 Kinder mussten laut Bürgermeister Armin Schärtl bei der Anmeldung für 2019/20 abgelehnt werden. "Einige kommen später, für andere haben wir uns bemüht, sie in Einrichtungen in der Umgebung unterzubringen." Doch auch viele Kindergärten in der Umgebung sind voll. "Wir können den Rechtsanspruch aber abdecken", erklärt der Bürgermeister.

Im St.-Angelus-Kindergarten werden aktuell 3 Gruppen betreut, Krippenplätze gibt es dort nicht. Die letzte Generalsanierung des Hauses liegt laut Bürgermeister 25 Jahre zurück, und nach den Hochrechnungen könnte sich die Stadt dort statt der bisher 3 durchaus 8 Gruppen vorstellen. Deshalb die Überlegungen, die in Richtung Neubau gehen. "Wir sind etwas unter Druck", gesteht der Bürgermeister und verweist auf eine hohe Geburtenrate plus Zuzüge, womit keiner so richtig gerechnet habe. "In den Jahren 2017 und 2018 hatten wir 64 und 69 Geburten, in den 20 Jahren davor waren es nur so 30 bis 40", macht er die an sich erfreuliche Problematik an der Statistik fest.

"Wenn wir neu bauen, werden wir auf jeden Fall für acht Gruppen bauen", meint Schärtl, der die Zahlen basierend auf dem aktuellen Boom bis 2023 hochgerechnet hat. Schließlich gibt es noch einen weiteren Faktor, den man bei der Planung der Krippenplätze zu berücksichtigen hat. Aktuell werden hierzulande 18 Prozent der Einjährigen in einer Krippe betreut, für 2023 geht man davon aus, dass jedes zweite einjährige Kind dort untergebracht werden soll. "Die staatliche Förderung ist gut", gibt sich der Bürgermeister optimistisch und kündigt an, den Neubau eines Kindergartens auf jeden Fall zu forcieren.

Alternativen im Blick

Bis es so weit ist, müssen die Eltern sich auf Kompromiss-Lösungen einstellen - auch wenn das bedeutet, Geschwister in zwei verschiedenen Einrichtungen unterzubringen. "Wir machen uns da wirklich einen Kopf und spielen mehrere Varianten durch", verspricht Pfab und verweist auf schwierige Entscheidungen, die gemeinsam mit der Verwaltung gefällt werden. "Es gibt ja auch noch Fälle, wo die Eltern ihr Kind beispielsweise in Herzogenaurach unterbringen, weil das gut zum Arbeitsplatz liegt", weiß Tanja Reil vom Amt für öffentliche Sicherheit und Ordnung, die ebenfalls mit der Platz-Verteilung befasst ist. Und der Bürgermeister rät für die Übergangszeit: "Lieber ein Jahr Erziehungsurlaub mehr anmelden!"

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