29.05.2020 - 17:30 Uhr
NabburgOberpfalz

Baywa: Der Rückzug aus Nabburg geht weiter

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Agrar und Technik sind schon umgezogen. Jetzt löst die Baywa auch ihren Baustoff-Standort in Nabburg auf, am 30. Juni macht die Verkaufsstätte zu und weicht der Trasse für eine Umgehungsstraße.

Die Tage der Baywa-Verkaufsstelle in Nabburg, die hier mit bis zu 70 Prozent Rabatt wirbt, sind gezählt. Noch im Juni macht sie endgültig dicht, andere Segmente wurden bereits verlagert, Verwaltung und Tankstelle bleiben.
von Monika Bugl Kontakt Profil

"Das ist hart für Nabburg", sagt ein Kunde. 70 Prozent Rabatt anlässlich der Baywa-Schließung können ihn nicht darüber hinwegtrösten, dass er bald für ein paar Schrauben weite Strecken in Kauf nehmen muss. "Wo doch erst letztes Jahr der Haas zugemacht hat", klagt er mit Blick auf das Eisenwarengeschäft, das bis vor einem Jahr noch den Bedarf vieler Heimwerker abdecken konnte. Doch überraschend kommt die Räumung des Baustofflagers nicht, denn die Furcht vor dem Rückzug ist so alt wie die Pläne für die Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs, also mehr als 20 Jahre. Es ist einen Rückzug auf Raten, mit dem Nabburg hier konfrontiert ist. Immerhin, ein Stück Baywa bleibt dem Standort noch treu.

In Nabburg war die Baywa bisher mit den Sparten Agrar, Technik, Baustoffe und Energie einer Automaten-Tankstelle sowie einer Verwaltungseinheit vertreten. Verwaltung und Tankstelle sind nun ab Juli die einzig verbleibenden Sparten. Die Baywa hatte ihren Rückzug in der Vergangenheit immer wieder angekündigt. Der Grund: die auf ihrem Areal geplanten Trassenführung zur Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs in Nabburg. "Als die Entscheidung für die Verlegung der Staatsstraße 2040 mit der geplanten Trassenführung gefallen war, hat die Baywa Gespräche mit dem Freistaat Bayern geführt, mit dem Ziel einer einvernehmlichen Lösung", rekapituliert Baywa-Pressereferentin Antje Krieger auf Anfrage von Oberpfalz-Medien. Im Februar 2019 sei man sich mit dem Freistaat einig geworden, dieser habe Anfang Juli dann sämtliche Grundstücke des Unternehmens erworben. "Für die einzelnen Sparten und die Verwaltungseinheit ergeben sich daraus unterschiedliche Lösungen für die Fortführung ihres Geschäfts in der Region", so Krieger. Sie fasst zusammen, wo Kunden die einzelnen Segmente künftig finden:

Für die Sparte Agrar sah die Baywa demnach wegen der Verlegung der Staatsstraße in Nabburg keine Betriebsmöglichkeit mehr: Dieses Geschäft wurde zur Ernte 2019 bereits ins 13 Kilometer entfernte Wernberg-Köblitz verlegt, dort ist ein neues Agrar-Kompetenzzentrum entstanden, das Areal in der Auerstraße in Nabburg gehört seit Dezember dem Staat.

Das Segment Technik hat Ende April seinen bisherigen Standort in Nabburg in ein neues Servicezentrum ins zehn Kilometer entfernte Schwarzenfeld verlagert. Zum Technik-Servicezentrum gehören eine Werkstätte, Verkaufsräume, Büros und Lagerhallen sowie ein Kommunaltechnik-Zentrum für das Einzugsgebiet mittlere und nördliche Oberpfalz. "Alle neun in Nabburg beschäftigten Mitarbeiter sind bei der Baywa geblieben" versichert Pressereferentin Krieger. Für den Standort Schwarzenfeld habe vor allem die verkehrstechnisch hervorragende Lage und die Infrastruktur im neuen Gewerbegebiet gesprochen. Die Grundstückseinheit Technik in der Nabburger Bahnhofsstraße geht zum 30. Juni offiziell an den Freistaat Bayern über.

Weiterer Bericht zum Thema:

Schwarzenfeld

Baustoffhalle und Baustofflagerplatz der Baywa in Nabburg gehören ebenfalls ab 30. Juni dem Staat. Der Standort könne somit nicht weiterbetrieben werden, heißt es vonseiten der Baywa. Das Personal werde künftig an anderen Standorten zum Einsatz kommen.

Die Tankstelle, die als Automat ohne Personal auskommt, bleibt mit der Baywa als Mieterin des Standorts bestehen. Aber auch die Verwaltung zieht nicht um. Nabburg ist einer von zwölf Standorten der Baywa Finance Services, die kaufmännische Leistungen für die Baywa AG erbringen. "Dieser Bereich ist von der geplanten Straßenführung nicht betroffen", so die Baywa-Sprecherin. Die Verwaltungseinheit mit rund 50 Mitarbeitern bleibe deshalb vor Ort, man nutzt die bisherigen Räumlichkeiten als Mieter weiter.

Hintergrund:

Untragbar oder unvermeidbar

"Standortvernichtend": So beschrieb Rechtsanwalt Jan F. Kuch im April 2018 die geplante Verlegung der Staatsstraße 2040 und deren Auswirkung auf die Baywa. Beim Erörterungstermins zur damit verbundenen Beseitigung des Bahnübergangs hatte das Unternehmen seine Einwände gegen die geplante Trasse vorgetragen. Das Gelände würde zerteilt, Lager müssten weichen,so die Argumentation. "Die Trassenplanung wird im Ganzen abgelehnt, da sie zu untragbaren Verhältnissen führt", hatte Kuch im Interesse der Baywa betont. Wegen der damit verbundenen Umsatzrückgänge werde sich die Baywa aus Nabburg zurückziehen müssen. Stefan Noll, Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach, hatte damals entgegnet, dass zahlreiche Varianten untersucht worden seien. Sein Fazit: "Aus unserer Sicht halten wir diese Variante für die vorrangwürdige und die Eingriffe für die Baywa für unvermeidbar." Ein angebotenes Ersatz-Grundstück in Nabburg kam für die Baywa nicht infrage.

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