17.08.2020 - 15:33 Uhr
NabburgOberpfalz

Bergwacht im Landkreis Schwandorf für mehr Einsätze gewappnet

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Felsen blockieren den Weg zum Verletzten, meterhoher Schnee und kein Weg weit und breit. Das ist ein Fall für Spezialisten, wie sie die Bergwacht ausbildet. Corona versorgt sie mit noch mehr Einsätzen, ausgerechnet im Jubiläumsjahr.

Der Wildstein bei Teunz ist ein beliebtes Übungsgelände für die Bergwacht im Landkreis Schwandorf.
von Monika Bugl Kontakt Profil

100 Jahre Bergwacht Bayern: Das ist ein Anlass zum Feiern. Nicht ganz so alt ist die lokale Rettungsgruppe, die Bergwacht im Landkreis Schwandorf (bis 2019 noch Bergwacht Schönseer Land), sie gehört zu den jüngsten unter dem Dach der Rettungsorganisation. Die Corona-Pandemie hat die große Jubiläumsfeier in München vorerst auf Eis gelegt, doch weniger Arbeit haben die ehrenamtlichen Mitglieder deshalb nicht. "Es trifft vor allem die Kollegen im Gebirge", berichtet Bereitschaftsleiter Dieter Güll. Der 69-jährige Nabburger, ist Gründungsmitglied der Bergwacht im Landkreis Schwandorf. Grund sind die heuer verstärkten Aktivitäten auf dem Freizeit-Sektor: Mehr Menschen als sonst machen Urlaub im eigenen Land, mehr sind draußen in der Natur unterwegs, und mehr wagen sich beim Wandern ein Stück weiter.

"Durch die Freizeit-Aktivitäten hat sich unser Aufgabenfeld schon seit einiger Zeit verlagert", sagt Güll und wirft im Gespräch mit Oberpfalz-Medien einen Blick zurück auf den November 1982. Das Skizentrum Reichenstein war damals ausschlaggebend, um die neue Bergwacht-Gruppe in der Region Bayerwald ins Leben zu rufen. "Pro Winter gab es dort 10 bis 20 Einsätze", erzählt der Bereitschaftsleiter, "wenn man bedenkt, dass wir eine kleine Mannschaft waren, dann war das eine ganz schöne Herausforderung". Sechs Personen stellten damals den "harten Kern". Momentan stehen zwölf Mitglieder für die Rufbereitschaft rund um die Uhr zur Verfügung. Das Skizentrum gibt es nicht mehr, aber überflüssig ist die Bergwacht deshalb noch lange nicht.

Viele Unfälle bei Waldarbeit

"Wir werden bei allen Unfällen gerufen, die in unwegsamem Gelände passieren", erklärt der Nabburger, der in solchen Fällen auch sein Frau Margit als ausgebildete Einsatzleiterin an seiner Seite weiß, "eine der ersten Frauen bei der Bergwacht überhaupt". Wenn ein Reiter vom Pferd fällt, ein Mountain-Biker stürzt oder ein Läufer auf einem Pfad im Wald erschöpft zusammenbricht, dann ist ganz klar das Know-how dieser speziellen Retter gefragt. "In einem Jahr hatten wir allein 25 Unfälle mit Waldarbeitern", berichtet der 69-Jährige, der sich diesem Ehrenamt gerade deshalb verschrieben hat, weil es so anspruchsvoll ist.

"Es gibt keine Organisation, die so vielseitig ausgebildet ist wie die Bergwacht", stellt er klar, "das hat mich persönlich überzeugt". Da ist die Bergung per Hubschrauber, die schon mit der Suche nach einem geeigneten Landeplatz beginnt, die Strategie bei Sucheinsätzen oder der Transport von Verletzten mit dem Wannen-Schlitten (Akia oder Akja). Wer bei der Bergwacht helfen will, sollte Skifahren und Klettern können und sich nebenbei auch mit Notfallmedizin und Naturschutz auskennen. Entsprechend aufwendig ist die Ausbildung. "Da wird ganz schön viel verlangt", meint Güll. Schließlich gibt es auch Fälle, in denen die ausgebildeten Mitglieder bei Katastrophen helfen, wenn Menschen aus Hochwasser-Gebieten evakuiert werden müssen oder Schneelast von Dächern zu räumen ist. Sogar von Lawinen sollten die Ehrenamtlichen im Landkreis etwas verstehen. "Die gibt's auch am Arber", sagt Güll.

Großes Plus beim Wandern

Das Know-how, das das Ehrenamt bei der Bergwacht mit sich bringt, will der 69-Jährige auch bei privaten Wanderungen nicht missen: "Damit kann man in den Bergen unterwegs oft anderen Menschen helfen, das ist ein großes Plus." Auch wenn es im Landkreis inzwischen nur noch zwei Skilifte gibt, so bleiben doch die Loipen. "Wir sind auf jeden Fall für steigende Unfallzahlen gewappnet", stellt der Bereitschaftsleiter klar, der ein wachsames Auge auf den Nachwuchs hat. Zu den 21 Mitgliedern, darunter 6 Anwärter, in der Organisation würde er im Jubiläumsjahr gerne noch neue Interessenten hinzugewinnen. Dem 100-jährigen "Geburtstagskind" mit seiner 38 Jahre jungen Gruppe im Landkreis wünscht er "weiterhin eine erfolgreiche Arbeit im Ehrenamt zum Wohle der Bevölkerung".

Es gibt keine Organisation, die so vielseitig ausgebildet ist wie die Bergwacht.

Bergwacht-Bereitschaftsleiter Dieter Güll

Bergwacht-Bereitschaftsleiter Dieter Güll

Info:

Struktur und Ausbildung

Am 14. Juni 1920 trafen sich im Münchner Hofbräuhaus gleichgesinnte Vertreter von Alpenvereinssektionen und Wandervereinen zur Gründung einer "Natur- und Sittenwacht". Die Bergwacht startete mit der Aufgabe "zur Bewahrung der guten Sitten und dem Schutz fremden Eigentums im Kontext des Bergsteigens und des alpinen Skilaufs". Bald gewann allerdings die Bergrettung an Bedeutung. Ein für 14. Juni 2020 geplanter Festakt zum Jubiläum wurde wegen der Corona-Pandemie abgesagt. Die Bergwacht Bayern bewältigt jährlich rund 8500 Rettungseinsätze. In den bayerischen Alpen und Mittelgebirgen sind 113 Bergwacht-Bereitschaften aktiv. Neben sieben Geschäftsstellen in den Regionen gibt es die Landesgeschäftsstelle in Bad Tölz mit Ausbildungs- und Trainingszentrum. Aktive Einsatzkräfte haben eine komplexe Ausbildung zu bewältigen, die mit einem Eignungstest Sommer (Klettern bis Schwierigkeitsgrad 4, Abseilen und Sichern sowie Kenntnis von Knoten) beginnt. Ein zweiter Eignungstest erfolgt im Winter (sicheres Skifahren auf Piste und im unwegsamen Gelände). Dazu kommt eine Ausbildung in Notfallmedizin und Naturschutz, außerdem ein Grundlehrgang Luftrettung. Erst dann stehen Prüfungen an, zu denen auch Lawinenkunde und der Umgang mit dem Akia gehören.

Mehr über die Bergwacht, die zum 1. Januar ihren Namen geändert hat

Schönsee

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