18.03.2019 - 20:41 Uhr
NabburgOberpfalz

Bürger fühlen sich allein gelassen

Die neue Wohnanlage an der Krankenhausstraße mit sechs großen Gebäudeblöcken soll ohne Rücksicht auf die Anlieger genehmigungsfähig gemacht werden: Diesen Eindruck gewinnen Barbara und Franz Weber beim Besuch von zwei Stadtratssitzungen.

Anlieger wehren sich gegen Pläne, die an der Krankenhausstraße eine sechsteilige Wohnanlage vorsehen. Franz Weber (links), wohnhaft in der Hallerstraße und direkter Anrainer, zeigt auf einen Teilbereich der Fläche.
von Externer BeitragProfil

Sie sind erschüttert, wie im Rathaus mit ihren Interessen umgegangen wird. Barbara und Franz Weber haben ihr Haus seit vielen Jahren an der Hallerstraße. Sie werden direkte Anrainer der neuen Wohnanlage, für die seit Monaten die Aufstellung des Bebauungsplanes läuft. Sie fragen sich: Ist es die Aufgabe des Stadtrates, sich zu informieren oder sich von Fachstellen informieren zu lassen, wenn bereits durch Behörden und Anrainer auf Gefahren und Abweichungen von der bayerischen Bauordnung sowie die nicht ortstypische Bebauung hingewiesen wurde, um eine richtige Entscheidung treffen zu können? Sollten sie sich über die mehr als problematischen Zufahrten für Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge, auf die dann noch gefährlichere Verkehrssituation in der Krankenhausstraße und der Regensburger Straße weitergehende Gedanken machen, ob diese mehr als extrem hohe und dichte Bebauung für etwa 100 bis 120 Bewohner und für die seit Jahrzehnten hier wohnenden Anrainer überhaupt verträglich ist? „Wäre es da nicht von den Stadträten in der Sitzung am 19. Februar zu erwarten gewesen, dem vom Herrn Bürgermeister eingeladenen Bauträger Fragen zu stellen?“, meinen sie.

Ungleiche Maßstäbe

Die Vorgaben der Landesplanung und die angebliche Wohnungsnot alleine können es ihrer Meinung nach nicht sein, warum die 42 Wohnungen auf engstem Raum unbedingt verwirklicht werden sollen. Denn sonst, so sind sie überzeugt, hätte man schon bei der neuen Siedlung, der Hirtenleite III, andere Siedlungsformen wie Mehrfamilienhäuser vorgegeben. Hier wurde jedoch von der Stadt beschlossen, auf mehr als 40 000 Quadratmetern Einfamilienhäuser (in der Regel E+1 bzw. mit maximal zwei Wohnebenen) auf 43 Grundstücken mit 600 bis 800 Quadratmeter bauen zu lassen. Das geplante, neue Wohngebiet an der Krankenhausstraße, innerhalb eines schon bestehenden Baugebietes, weise lediglich eine Gesamtfläche von 5319 Quadratmeter auf – da sollen dann 42 Wohnungen entstehen. „Wo ist hier die Verhältnismäßigkeit zum Flächenverbrauch und zum Einwohner pro Quadratmeter Gesamtfläche?“, argumentieren die Eheleute Weber.

„Rivalitätskämpfe“ gesehen

Sie verstehen nicht, warum sich gerade Bürgermeister Schärtl so für den Bauträger Ehrenreich einsetzt, damit dessen Unternehmen ihr Vorhaben mit einer extrem hohen und dichten Bebauung „ohne Wenn und Aber“ umsetzen kann. In dieser Art, mit diesen Abständen, Höhen und Dichten zu bauen, habe sich noch kein Nabburger Bauunternehmer erlaubt. Wer sich hinter den bereits 31 vorliegenden Reservierungen für Wohnungen namentlich verbirgt, dürfe natürlich nicht gesagt werden. Inwieweit hier der Bürgermeister oder seine Kinder bei den Reservierungen gelistet sind, bleibe ein Geheimnis.

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Auf jeden Fall habe der Bürgermeister am 19. Juni 2018 vor Zeugen berichtet, dass er sehr starkes Interesse an Wohnungen für seine Kinder habe und er diesbezüglich mit dem Bauträger bereits Kontakt aufgenommen habe; ihm wurde auch ein Preis von etwa 1900 Euro pro Quadratmeter für eine Standardausführung genannt. „Leider ist mehr als deutlich zu erkennen, dass bei Abstimmungen parteigleiche und weitere Stadträte immer erst in Richtung des Herrn Bürgermeisters schauen und dann im Einklang die Hand heben, obwohl sie vielleicht anderer Meinung sind“, schildern die Webers ihre Beobachtung in den beiden Sitzungen. Hier gehe es augenscheinlich nicht um die Sache und die Anliegen der Bürger, sondern würden parteipolitische Rivalitätskämpfe ausgetragen. Das Abstimmungsergebnis könne eigentlich schon immer im Voraus abgeleitet werden.

Nicht durchgedrungen

„Auf die Abweichungen von der Bayerischen Bauordnung wurde in den Stadtratssitzungen, obwohl eine Stellungnahme dazu vorlag, nicht weiter hingewiesen und somit wurden auch die Stadträte darüber nicht informiert“, bedauern sie. Es entstehe der Eindruck, als rücke man es sich so zurecht, wie man es eben braucht. Sie selber hatten wiederholt um Redeerlaubnis gebeten, um den Stadträten die Situation der geplanten Abstände zu den Anrainern und zwischen den geplanten Gebäuden aufzuzeigen und was die bayerische Bauordnung dazu vorschreibt. Zur besseren Verdeutlichung hatte Weber sogar eine Skizze angefertigt, die bereits an die Stadträte verteilt worden war. Er scheiterte damit jedoch und ging auch deshalb nun mit einer umfangreichen Pressemitteilung an die Öffentlichkeit. Dem Beobachter werde deutlich, dass eine Information und Klarstellung für manche Stadträte nicht sonderlich gewünscht sei.

„Wir als Anlieger sind voll für eine Bebauung. Wir freuen uns über junge Familien sowie auf ältere Leute, die sich in unserer Nachbarschaft niederlassen. Sie sollen allerdings schön und sicher wohnen,“ schreiben die Webers in einer Stellungnahme, die der Redaktion zugeleitet wurde. In so einem „Ghetto“ mit vierstöckigen Wohnblöcken, nur durch minimalste Abstände voneinander getrennt, sei das sicher nicht gewährleistet. Bisher sei nicht einmal Grund für einen Spielplatz, obwohl in der bayerischen Bauordnung gefordert, berücksichtigt worden, geschweige denn für Bäume und Anpflanzungen – sechs Bäume in Pflanztrögen seien ja auf 5319 Quadratmeter „ausreichend“.

Auf welcher Seite?

Es sei ja verständlich, dass ein Unternehmer jegliche Möglichkeit nützt, um Profit zu erwirtschaften. Aber habe die Stadt die Aufgabe, im Sinne des Unternehmers zu handeln oder sich zum Wohle ihrer Bürger zu entscheiden? Wie gebaut wird, würden letztendlich der Bürgermeister und die Stadträte entscheiden. „Vielleicht gesteht sich so mancher von den Bürgen gewählter Stadtrat ein, die Entscheidung vom 8. Mai 2018 für den Aufstellungsbeschluss für diese Bauplanung etwas vorschnell getroffen zu haben. So ein Eingeständnis würde auch Stärke zeigen“, möchten die Beiden alle bisherigen Befürworter zum Umschwenken ermutigen.

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Kommentare

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Stefan Kreuzeck

Irgendwie hat man den Eindruck, dass heute nur noch jeder an sich denkt. Gibt es denn einen Anspruch mitzureden was in der Nachbarschaft gebaut wird?
Da reden alle darüber dass Wohnraum fehlt und dass immer mehr an die Ortsränder gebaut wird. Nirgends wird so viel Fläche wie in Bayern versiegelt. Jetzt hat man die Chance im Kern zu bauen und sogar auch für viele Menschen und dann wird das mies gemacht, weil es einem selbst vielleicht nur Nachteile bringt.
Man könnte also meinen wir entwickeln uns zu einer Ich-Gesellschaft. Kaum noch ein Bauprojekt ohne Klagen. Kaum noch Rücksicht auf die anderen und man ist natürlich immer das Opfer und die anderen sind die bösen, die einem nur böses wollen.

Ohne hier im Thema zu sein, das ist ein ganz normales Bauprojekt, wie es sie an vielen Orten gibt und die dringend benötigt werden für bezahlbaren Wohnraum.
Der Bau ist auch zum Wohle der Nabburger Bürger, vielleicht nur nicht für die Anwohner. Aber wie heißt es so schön: Allgemeinwohl vor Einzelwohl.

Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, es stehen im östlichen Landkreise viele Grundstücke leer, in Orten die potentiell aussterben oder auch Einödhöfe. Da wird einem sicher kein großer Klotz vorgesetzt.
Und das ist wirklich nicht zynisch gemeint, sondern der Hinweis, dass man bekommt was man will, eben im östlichen Landkreis Richtung Grenze.

22.03.2019