18.11.2020 - 14:03 Uhr
NabburgOberpfalz

Bund Naturschutz Schwandorf warnt: Laubbläser macht Igel obdachlos

Laubbläser helfen schnell gegen lästige Blätter. Vielerorts macht so ein Sturm aber auch obdachlos. Betroffen sind Igel, die unter Blätterbergen ihr Winterquartier einrichten.

Wer dem Igel etwa Gutes tun will, verzichtet auf einen perfekt aufgeräumten garten mittels Laubbläser.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Der Bund Naturschutz (BN) im Landkreis Schwandorf bittet alle Gartenbesitzer, das Laub liegen zu lassen und den Garten igelfreundlich zu gestalten. Wer draußen zufüttern möchte, könne das jetzt tun. Auf Laubbläser sollte verzichtet werden, heißt es in einer Pressemitteilung de Kreisgruppe Schwandorf.

Gute Verstecke wichtig

Gute Verstecke sind für den Igel überlebenswichtig, warnt der BN. Die Tiere finden damnach Winterquartiere unter Holzterrassen, unter Sträuchern, Laub- und Holzhaufen oder Geräteschuppen. "Der November ist für die Tiere jedoch ein Monat mit Tücken", mahnen die Naturschützer. "Manche Igel befinden sich bereits im Winterschlaf. Weibchen und Jungtiere sind aber häufig noch auf der Suche nach Nahrung und einem Quartier für den Winter. Die Ordnungsliebe der Menschen bringt die Suche nach guten Verstecken vollkommen durcheinander."

So werden verletzte Igel aufgepäppelt

Scheckenhof bei Neustadt am Kulm

In vielen Gärten werde derzeit Laub gefegt, Hecken würden geschnitten, der Rasen gemäht - doch vor allem werde gelärmt. „Laubsauger zerstören Winterquartiere oder vertreiben die Igel durch ihren enormen Lärm“, beklagt Klaus Pöhler von der Kreisgruppe Schwandorf. Doch nicht nur Igel seien gefährdet. "Die Geräte bedrohen vor allem zahlreiche Kleintiere wie Würmer und Insekten, die durch die Beseitigung des Laubs ihren Lebensraum und die Nahrungsgrundlage verlieren. Also gerade die Tiere, die der Igel als Fleischfresser zum Überleben braucht." Der BN bittet deshalb alle Gartenbesitzer, auf Laubsauger und Laubbläser zu verzichten und stattdessen lieber wilde Ecken mit Laubhaufen im Garten einzurichten. „Winterquartiere, die durch eine übertriebene Gründlichkeit zerstört werden, bringen unsere Igel in große Bedrängnis. Die erneute Suche nach einem alternativen Schlafplatz, kostet die Tiere viel Energie und kann tödlich enden“, weiß Oskar Deichner, Biologe beim Bund Naturschutz.

Igelhaus bauen

Wer keine Möglichkeit für Laub- und Reisigecken im Garten hat, kann den Tieren ein fertiges Igelhaus anbieten und zufüttern. Gefressen werden gerne Rühreier, Katzenfutter, gekochtes Geflügel oder gebratenes Hackfleisch. Milch dagegen schadet den Tieren. Eine flache Schale mit frischem Wasser sollte in keinem Garten fehlen. Achtung: Eine Fütterung ohne zusätzlichen Unterschlupf in der Nähe macht keinen Sinn. Futterstellen werden von Igeln gerne angenommen, finden die Tiere dagegen kein Versteck in der unmittelbaren Umgebung, müssen sie bei kühlen Temperaturen weit laufen und verlieren ihre zuvor angefressene Energie. Die beste Lösung ist deshalb immer ein Naturgarten, in dem der Igel alleine zurechtkommt, folgern die Fachleute vom BN.

Hintergrund:

Igelhilfe – was ist erlaubt?

Der Igel ist eine besonders geschützte Tierart. Nur kranke und verletzte Igel dürfen häuslich aufgenommen und gepflegt werden. Sobald sich diese Tiere wieder selbst erhalten können, müssen sie unverzüglich in die Freiheit entlassen werden. Für die Pflege eines hilfsbedürftigen Igels reicht Tierliebe allein nicht aus. Igelfinder sollten sich in jedem Fall die nötige Sachkenntnis aneignen oder im Zweifelsfall fachkundigen Rat einholen. Mehr Infos hierzu auf https://www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/tieren-helfen/igel

Laubsauger zerstören Winterquartiere oder vertreiben die Igel durch ihren enormen Lärm. Die Geräte bedrohen vor allem zahlreiche Kleintiere wie Würmer und Insekten, die durch die Beseitigung des Laubs ihren Lebensraum und die Nahrungsgrundlage verlieren. Also gerade die Tiere, die der Igel als Fleischfresser zum Überleben braucht.

Klaus Pöhler, BN-Kreisgruppe Schwandorf

Klaus Pöhler, BN-Kreisgruppe Schwandorf

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