22.01.2021 - 18:05 Uhr
NabburgOberpfalz

Campingplatz Perschen: Vorsitzender sieht Zweckverband zum Handeln gezwungen

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Die Schließung des Campingplatzes in Perschen ist Sache des Zweckverbandes für das Freizeit- und Erholungszentrum. Das Thema landet nun auch im Stadtrat. Dort macht der Bürgermeister und Verbandsvorsitzende deutlich: Es gibt kein Zurück.

Der Zweckverband für das Freizeit- und Erholungszentrum Perschen sieht sich veranlasst, den hauptsächlich von Dauercampern frequentierten Campingplatz zu schließen. Diese Entscheidung betrachtet der Verbandsvorsitzende Frank Zeitler als unumkehrbar.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Die Anfrage kam in dieser Woche gegen Ende der öffentlichen Sitzung von ÜPW-Stadtrat Helmut Ertl. Er sagte in der Nordgauhalle, er sei von Dauercampern wegen der für sie überraschend gekommenen Kündigung der Stellplatzmietverträge angesprochen worden. Von ihrer Seite werde nun geplant, den zuständigen Zweckverband für das Freizeit- und Erholungszentrum Perschen mit einer Fülle von Klagen zu überziehen. Auf sie, so meinte er, solle man zugehen und eine einvernehmliche Lösung suchen. Zudem sah Ertl den Brandschutz aktuell durch den erfolgten Abbau eines Wasserhydranten gefährdet.

Bürgermeister Frank Zeitler (CSU) gab dazu eine ausführliche Erklärung ab und fing dabei mit dem besagten Hydranten an. Er sei baulich am Ende gewesen und in Verbindung mit einer Rohrbruch-Reparatur abgebaut worden. Daraus resultiere kein Brandschutzproblem, denn in einer Zisterne und im nicht abgelassenen Schwimmerbecken sei im Falle eines Falles genügend Löschwasser vorhanden.

Gutachten und Bestandsaufnahme

Gesprächsbereit sei er grundsätzlich und immer. Er lasse im Rathaus alle ankommenden Telefongespräche, die den Campingplatz betreffen, zu sich durchstellen. Es seien auch schon Mieter persönlich da gewesen, denen er die Situation und die Hintergründe darstellte. Manche hätten nach eigenen Worten schon mit einer Reaktion des Zweckverbandes gerechnet, nur nicht, dass es so schnell geht. Nicht gefalle es ihm jedoch, wie oberflächlich mit dem Thema in den sozialen Netzwerken umgegangen werde.

Es gebe ein vom Zweckverband in Auftrag gegebenes Brandschutzgutachten und einen von der Verwaltung erstellten Aufriss der Infrastruktur auf dem Platz. Auf dieser Basis habe die Zweckverbandsversammlung am 25. November 2020 ihre Entscheidung getroffen. Im Gutachten des Sachverständigen Norbert Thiel stehe klar drinnen, dass eine gesicherte Nutzung des Campingplatzes bezüglich der belange des Brandschutzes nicht gegeben sei. Diese Aussage müsse ernst genommen werden. Im Falle einer Nichtbeachtung würde der Verbandsvorsitzende vollumfänglich für alle Folgen haften. "Davor kann ich die Augen nicht verschließen", betonte Zeitler.

Außerdem seien eben bei den Prüfungen auch noch etliche andere Dinge zum Vorschein gekommen, vor denen man anscheinend "in der Vergangenheit ein bisschen die Augen zugemacht hat". Da gehe es um die Hygiene bei Wasser und Abwasser und um die Stromversorgung. "Wir waren zum Handeln gezwungen", sah er es als alternativlos an, den Platz rasch zu schließen und bis 30. Juni 2021 Zeit zur Räumung zu geben: "Alles andere wäre fahrlässig gewesen", so Zeitler.

Zukunft noch offen

Er wies auch darauf hin, dass teilweise schriftliche Verträge mit Mietern fehlen, ebenso erforderliche Baugenehmigungen. Andererseits seien aber auch Erlaubnisse unter Vorbehalt ausgesprochen worden und unter Hinweis darauf, dass es keine Ersatzansprüche geben wird, falls mal eine Beseitigung von Anlagen erforderlich wird. "Ich habe in der Zweckverbandsversammlung einen eindeutigen und klaren Auftrag erhalten", fasste Frank Zeitler die Beschlusslage zusammen, wonach der Platz geschlossen und geräumt werden muss. Was danach dort entsteht, lasse sich noch nicht sagen, denn dazu gebe es noch keinen Beschluss.

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"Na gut, wenn ich das so höre", reagierte Stadtrat Helmut Ertl mit Verständnis. Dennoch solle man halt doch versuchen, den Platz abschnittsweise zu sanieren, um eine komplette Räumung zu verhindern. Für notwendige Gespräche mit den Campern bot er sein Mitwirken an, auch als "Blitzableiter".

"Vielleicht zu nachlässig"

"Es ist keine Frage, dass da draußen Handlungsbedarf besteht", erfuhr Zeitler Zustimmung von seinem Vorgänger im Amt des Zweckverbandsvorsitzenden, Armin Schärtl. Er habe das alles schon richtig dargestellt, sagte der frühere Bürgermeister und nunmehrige SPD-Stadtrat. "Vielleicht war ich als Vorsitzender auch ein bisschen zu nachlässig", zeigte er sich nachdenklich und fügte an, dass er schon auch kontrolliert und Rechtsverstöße unterbunden habe, sofern ihm welche bekannt wurden. Trotzdem: "Wir sollten jetzt keine Klagewelle riskieren", zumal viele Camper schon seit Jahrzehnten fest zu Nabburg gehörten. Wie Ertl, so bat auch Schärtl an, Gespräche mitzuführen. Wichtig sei, dass man den Campern, die da bleiben wollen, eine Perspektive aufzeige.

"Es ist Zeit für einen Neuanfang", unterstrich Bürgermeister Frank Zeitler und dankte für die angebotene Unterstützung. Aber die Rolle des "Blitzableiters" spiele er schon selber, indem er seinen Auftrag als Verbandsvorsitzender ausführt.

Artikel über Entscheidung des Zweckverbands

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Zeitler blendete kurz auf 2017 zurück: Schon damals habe der Verbandsvorsitzende Schärtl angekündigt, dass der Platz möglicherweise mal vorübergehend geschlossen werden muss. Nun sei es eben notwendig, eine neue Anlage mit einem neuen Konzept zu schaffen. Dazu müsse sich der Verband von Experten beraten lassen, um auch aktuellen Trends und Standards im Tourismus gerecht zu werden. "Die Entscheidung ist unumkehrbar", wollte er den Mietern jedenfalls keinerlei Hoffnungen auf ein Abweichen vom Schließungsbeschluss machen.

Emotionen zählen nicht

Für enttäuschte Reaktionen konnte Freie-Wähler-Sprecher Albert Bruckner durchaus Verständnis aufbringen. Aber wie emotional damit umgegangen wird, das sei nicht ausschlaggebend. "Tatsache ist: Es sind Missstände da, und denen muss nachgegangen werden", meinte er und sah Klagen gelassen entgegen. Nach den Worten von SPD-Stadträtin Evi Thanheiser, selbst Mitglied und somit stimmberechtigt in der Zweckverbandsversammlung, sei in der Vergangenheit auf dem Campingplatz nur immer geflickt worden. Nun sei es einfach nötig, mal wieder alles neu aufzuziehen. Diese Meinung habe sie auch in der Verbandssitzung vertreten.

Den Zweckverband Perschen bilden drei Gebietskörperschaften, die jeweils Mitglieder in die Verbandsversammlung entsenden. Zu 40 Prozent ist der Landkreis Schwandorf beteiligt, zu 35 Prozent die Stadt Nabburg und zu 25 Prozent die Stadt Pfreimd.

Hintergrund:

Mängel und Gründe für Schließung

  • Brandschutz: Laut Gutachten ist eine gesicherte Nutzung des Campingplatzes bezüglich der Belange des Brandschutzes nicht gegeben.
  • Abwasserbeseitigung: Unerlaubte Einleitung (nicht fäkalhaltig) in den Regenwasserkanal oder Straßenentwässerungskanal. Einleitungen müssen vom Verursacher zurückgebaut werden.
  • Trinkwasserversorgung: Veraltertes Netz aus den 70er Jahren. Private Anschlüsse an den Entnahmestellen, die nicht der gültigen Trinkwasserverordnung entsprechen, somit bestehende Gefahr der Rückverkeimung in das gesamte Trinkwassernetz. Absperrung aus hygienischen Gründen erforderlich.
  • Energieversorgung: Veraltertes Netz aus den 70er Jahren. Standverteiler teilweise in marodem Zustand und nicht mehr standfest.
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