01.10.2018 - 16:21 Uhr
NabburgOberpfalz

Dank für die Früchte der Erde

"Die Tennen sind voll von Getreide, die Keltern fließen über von Wein und Öl": So beschreibt die Bibel die reiche Ernte, die Gott denen schenkt, die an ihn glauben. Das Erntedankfest zeigt, dass das tägliche Brot gar nicht alltäglich ist.

Am Unteren Markt spielte die Jugendblaskapelle ein kurzes Standkonzert, bevor sich der Kirchenzug auf den Weg zum Johannesdom machte.

Trotz der Überfülle an Lebensgütern dankte die Pfarrgemeinde Gott am Ende der Erntezeit für das Gedeihen lassen der Früchte. Die Feierlichkeiten starteten am Sonntag mit dem Einholen des Erntewagens mit der Erntekrone. Das Landvolk zog - begleitet von Ministranten und Geistlichkeit - mit Marschmusik von der Kemnather Straße zum Unteren Markt. Zahlreiche Gläubige hatten sich dort bereits versammelt. Ein kurzes Standkonzert der Jugendblaskapelle eröffnete das Fest. Nach der Segnung der Krone und des Wagens folgte das Lied der Kindergarten-Kinder "Danke für diese guten Gaben".

In den Kirchenzug zum Johannesdom reihten sich die Gartenbauvereine Nabburg und Neusath mit Blumen und Erntekörben ein. Die beiden Kindergärten waren mit kleinem Erntewagen und "Bandlbaum", die Landjugend mit Erntebroten und die Kommunionkinder mit farbenfrohen Erntekörbchen dabei. Traditionell im Zug vertreten waren auch die Fahnenabordnungen der kirchlichen und vieler weltlicher Vereine sowie die Räte: Bürgermeister mit Stadtrat, Kirchenverwaltung und Pfarrgemeinderat.

"Inmitten des alttestamentlichen Dankes steckte aber auch der Satz, über den wir mit Blick auf die vergangen Monate fast stolpern: 'Gott schickt euch den Regen, Herbstregen und Frühjahrsregen'": Mit diesen Worten leitete Stadtpfarrer Hannes Lorenz seine Predigt ein. "Und dieser Regen war Knapp", fuhr er fort.

Darum stehe in diesem Jahr der Krug mit Wasser auch ganz oben auf dem Erntealtar. Nicht nur der Dank für die Früchte der Erde und für das tägliche Brot klinge heute an, sondern ganz besonders stark der Dank für Wasser. Wasser haben, heiße, leben können, hob Lorenz hervor. So gesehen, hätten auch wir allen Grund, in ein überschwängliches Loblied auf Gott einzustimmen, fuhr der Geistliche fort. Wenn auch die Getreideernte weniger war und die Körner deutlich kleiner als in anderen Jahren, so seien die Obstbäume unvorstellbar voll gewesen. Der Wein verspreche, ein gigantischer Jahrgang zu werden - und die Ernte war so früh eingebracht, dass die Felder auf das nächste Jahr warten.

Eigentlich sei das ein Grund zum Danken. Eigentlich. Doch sei die Erntezeit von einem stetigen Jammern begleitet gewesen, betonte der Pfarrer. So sei zu lesen gewesen, dass die Kartoffeln dieses Jahr kleiner und nicht gut zu lagern seien. Und darum würden die Chips kleiner und teuerer. "Wir müssen also gewaltige Abstriche machen, wenn wir abends vor dem Fernseher sitzen - in der einen Hand die Flasche Bier und in der anderen die Tüte mit Chips. Ist das der Erntedank des Jahres 2018? Wir beklagen uns, dass die Chips kleiner werden?", fragte Lorenz. Viele Bauern müssten in diesem Jahr große Abstriche machen, zum Teil werde das Futter für die Tiere nicht ausreichen - das sei keine frohe Botschaft. Aber andererseits aber wären Kühlschränke und Ladentheken doch immer noch genauso voll wie gewohnt. Da werde der Bericht des Lukas-Evangeliums wieder lebendig: Ein einziger von zehn Geheilten kehrte um und dankte von Herzen. "Sind wir heute beim Erntedankgottesdienst die zehn Prozent, die umkehren, zurückblicken auf den heißen Sommer und die eingefahrene Ernte und Danke sagen?", fragte der Geistliche und sagte weiter: "Vielleicht sind wir die zehn Prozent wenn wir heute nicht nur die Tradition feiern, sondern wirklich bekennen, dass wir unser gutes Leben in Überfülle dem Segen Gottes verdanken."

Bevor die Kirchengemeinde nach dem Lied "Großer Gott wir loben Dich" mit Unterstützung von Kirchenchor und "Effata" aus dem Gotteshaus auszog, erfreuten die kleinen Sänger beider Kindergärten mit einem weiteren Danklied. Die Landjugend verkaufte Mini-Brote zur Unterstützung sozialer Projekte, und der Frauenbund lud mit Unterstützung des Männervereins im Spitalhof vor dem Jugendwerk zur Leberkäsebrotzeit ein. Die Jugendblaskapelle spielte unter der Leitung von Markus Ferstl beim Frühschoppen auf.

Stadtpfarrer Hannes Lorenz dankte in seiner Predigt für die Ernte und sprach auch nachdenkliche Worte.
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