12.11.2019 - 16:20 Uhr
NabburgOberpfalz

Diskussion um Frauen in Männervereinen bewegt die Region

Die von Olaf Scholz (SPD) angefachte Diskussion, ob Vereine Frauen zulassen müssen, um als gemeinnützig zu gelten, hat für Aufsehen gesorgt - gerade in konservativen Regionen.

Müssen Frauen in rein männliche Vereine aufgenommen werden? Die Debatte beschäftigt nicht nur die Politik.
von Anne Sophie Vogl Kontakt Profil

Wenn ein Verein gemeinnützig ist, kann er Steuervorteile geltend machen. Er wird von der Körperschafts- und Gewerbesteuer befreit und muss auch keine Grund-, Erbschafts- oder Schenkungssteuer zahlen. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) will jenen Vereinen, die keine Frauen als Mitglieder akzeptieren, diese Vorteile streichen. Denn: "Generell muss die Tür zur Vereinsmitgliedschaft jedem offen stehen", schreibt der Verein Deutsches Ehrenamt laut dpa. Doch was ist mit dem Katholischen Männerverein, Männergesangvereinen, der Marianischen Männerkongregation und - umgekehrt gefragt - muss dann auch der Frauenbund Männer aufnehmen?

Dionys Ringlstetter ist der Vorsitzende des Katholischen Männervereins Nabburg. Er hat bereits von der politischen Debatte gehört. Seiner Meinung nach ein "Unsinn". Sein Verein, der 1900 gegründet wurde und etwa 300 Mitglieder zählt, gehört zwar der Kirche an, ist aber auch gemeinnützig und wäre von einem etwaigen neuen Gesetz betroffen. "Man muss nicht alles verwässern", ist seine Meinung. Schließlich gebe es für die Frauen ja den Frauenbund. Da würden die Männer auch nicht reinwollen. "Die Frauen wollen doch auch mal unter sich sein, genauso wie die Männer", so der 69-Jährige.

Frauen im Männerverein sinnlos

Auch wenn der Katholische Männerverein Nabburg sinkende Mitgliederzahlen verzeichnet, kann sich Ringlstetter jetzt und zukünftig nicht vorstellen, einmal Frauen aufzunehmen. "Das ist nicht sinnvoll." Zu den Aktivitäten des Männervereins gehören Betriebsbesichtigungen, Ausflüge, Vorträge, Weiterbildungsangebote und das Diskutieren und Beisammensein, "der Austausch unter Männern eben".

Dass die örtlichen Frauenvereine unterm Strich die gleichen Unternehmungen machen, sei kein Argument. Ringlstetter kritisiert, dass Bürger, die sich freiwillig engagieren, mit Sanktionen, wie sie Scholz fordert, bestraft werden würden. "Was ist daran sozial?", stellt er die Frage. Über die Folgen eines solchen Gesetzes mache er sich keine Gedanken. Der Vorsitzende denkt schlichtweg nicht, dass es sich durchsetzen wird. Alois Kleierl ist Präfekt der Marianischen Männerkongregation (MMC) Pfreimd. Dies ist kein Verein, sondern eine Gemeinschaft, lässt aber ebenso ausschließlich Männer als Sodalen (Mitglieder) zu. Kleierl ist ähnlicher Meinung wie Ringlstetter, dass Frauen nicht in jedem Verein willkommen sein müssen. Woanders gebe es auch Frauenkongregationen, nur eben nicht hier. Eine Frauen- und Männerkongregation befürwortet Kleierl nicht, gemeinsame Veranstaltungen schon. "In der Pfarrei sind wir alle eine Gemeinschaft und arbeiten zusammen", erklärt der 57-Jährige. Bei den Vorträgen, Gottesdiensten, Wallfahrten und weiteren Angeboten der MMC sind Frauen durchaus willkommen. Anfragen von Frauen nach einer Mitgliedschaft habe es nie gegeben.

"Absurde Vorstellung"

Emilia Müller (CSU) ist die Vorsitzende des Landesverbands Bayern des Katholischen Deutschen Frauenbunds (KDFB). Mit 165 000 Mitgliedern ist es der größte Frauenverein Bayerns. "Es wäre absurd zu überlegen, dass der größte Frauenverbund Männer aufnehmen soll", sagt die Politikerin aus Bruck. Seit über 100 Jahren seien die Frauenbundvereine gemeinnützig und treten für die Weiterbildung und die Rechte der Frauen ein. Außerdem engagieren sie sich für die Gesellschaft. Diese Gemeinnützigkeit absprechen zu wollen, weil keine Männer im Verein sind, sei nicht nachvollziehbar.

"Der Frauenbund ist weiblich und wird das auch bleiben", sagt die ehemalige Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten. Eng mit anderen Vereinen, zusammenarbeiten - darunter auch reine Männergruppen - würden die Frauenbunds-Mitglieder ohnehin schon.

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Kommentare

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Josef Bodensteiner

Diskussion um Frauen in Männervereinen bewegt die Region
Mal wieder viel Lärm um nichts.
Worum geht es eigentlich?
• Nicht jeder Verein hat die Gemeinnützigkeit beim Finanzamt beantragt.
• Was bringt die Gemeinnützigkeit?
Ein Verein, der die Gemeinnützigkeit beim zuständigen Finanzamt beantragt, muss einige Voraussetzungen erfüllen. Er muss eine dem Vereinsrecht entsprechende Satzung haben. Sinn und Zweck des Vereins müssen gemeinnützigen Zwecken entsprechen. Wird vom Finanzamt die Gemeinnützigkeit anerkannt, wird alle drei Jahre eine Steuererklärung fällig. Falls die Umsätze des Vereins in diesem Zeitraum 16.000 € übersteigen, wird das Finanzamt genauer nachschauen und Belege fordern.
Wird die Gemeinnützigkeit anerkannt, kann der Verein auch Spendenquittungen ausstellen.
Finanzminister Scholz hat einfach einen unbedachten Satz geäußert, der ihm eigentlich als Fachminister und als träumender SPD-Vorsitzender nicht passieren hätte sollen.
Die Medien greifen so was gerne auf. Ich bezweifle, dass die große Mehrheit der Gesangsvereine, katholischen Frauenbünde, Männerkongreationen überhaupt die Gemeinnützigkeit beantragt haben und eine Steuererklärung abgeben.
Zum Glück sind ja die Vereine in unserer Region, wie sie auch alle heißen mögen, fortschrittlicher und es spielt keine Rolle mehr ob Bou oder Moidl.
Ich hätte mir von der Autorin dieses Artikels mehr Recherche erwartet. Das trifft jedoch auf alle Medienveröffentlichungen der letzen Tage zu. Mit einer Überschrift kann man eben manipulieren.
Es geht nicht um Frauen in Männervereinen oder um Männer in Frauenvereinen sondern um die Gemeinnützigkeit.
Nein, ich bin kein Finanzfachmann. Falls mich jemand eines Besseren belehren kann, nehme ich das natürlich an.

12.11.2019