01.04.2021 - 10:26 Uhr
NabburgOberpfalz

Dürftige Kost für den Osterhasen

Der Legende nach versteckt „Meister Lampe“ an Ostern die bunten Eier. Dabei ist der Feldhase eigentlich ein Spezialist für Kräuter. Doch sein Spielraum wird eng, warnt der Bund Naturschutz im Landkreis Schwandorf.

An Ostern rückt der Feldhase als Eier-Lieferant in den Fokus. Der Bund Naturschutz verweist auf seinen schweren Stand in Zeiten intensiver Landwirtschaft.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Schwindende Lebensräume, Mangel an Kräutern und zunehmender Verkehr machen dem Feldhasen laut Bund Naturschutz (BN) zu schaffen. „Der Feldhase ist ein Kräuterspezialist. Doch die sind in der intensiven Landwirtschaft selten geworden.“, so Klaus Pöhler, Vorsitzender der Schwandorfer BN-Kreisgruppe. Die Naturschützer fordern daher von der Staatsregierung und insbesondere CSU-Chef Söder, sich in den aktuellen Diskussionen auf Bundesebene für eine Ökologisierung der Agrarzahlungen einzusetzen.

„Mehr Blütenreichtum, weniger Pestizide, mehr Ökolandbau und Biotopverbund helfen auch Meister Lampe“, heißt es in einer Pressemitteilung, in der der BN auch den nach wie vor hohen Flächenverbrauch im Landkreis kritisiert, der die Lebensräume nicht nur des Feldhasen laufend einschränkt. Demnach sollen aktuell beispielsweise in Teublitz 21 Hektar Gewerbe- und Industriegebiet auf wertvollen Waldflächen ausgewiesen werden.

Praktische Tipps rund ums Osterei

Schwandorf

Der Feldhase ist eine Art der Agrarlandschaft und war früher ein „Allerweltstier“, informiert der BN. Heute sei er wie viele andere Arten der Feldflur ein seltener Anblick geworden und stehe in der sogenannten Roten Liste der gefährdeten Arten. Er braucht artenreiche Kräuter-Nahrung sowie Verstecke vor Fressfeinden und für die Jungenaufzucht. In der intensiv genutzten Agrarlandschaft sei beides selten geworden, so die Naturschützer. Dazu kämen noch die Gefahren durch Straßen und zunehmenden Verkehr sowie generell abnehmender Lebensraum durch Siedlungen und Gewerbegebiete.

Der Feldhase ist bekannt als Kräuter-Spezialist. Margeriten, Wilde Möhre, Fenchel, Kamille, Rotschwingel, Klee und viele andere Kräuter stehen auf dem Speiseplan- Diese Kräuter-Apotheke ist laut BN gerade im Frühjahr besonders wichtig, wenn die Hasenjungen fette und gesunde Milch brauchen.

„Um einen weiteren Rückgang der Hasenbestände zu vermeiden, brauchen wir den Erhalt und die Aufwertung der Landschaft mit blütenreichen Wiesen, Rainen, Säumen, Versteckmöglichkeiten wie alten Heckenbeständen und Brachflächen sowie einen Biotopverbund zur Vernetzung der Lebensräume“, fordert Oskar Deichner, Biologe bei der BN-Kreisgruppe. Das heißt Aufbau und Verbesserung dieser „grünen Infrastruktur“ und Verminderung der negativen Wirkung der „grauen Infrastruktur“ wie Zerschneidung der Lebensräume durch Straßen und Ausbau des landwirtschaftlichen Kernwegenetzes. Davon würden auch viele andere Arten der Agrarlandschaft wie Goldammer, Kiebitz, Grasfrosch oder viele Insektenarten profitieren, gibt der BN zu bedenken und fügt hinzu: "Der Biotopverbund auf 15 Prozent der Offenlandfläche ist seit dem erfolgreichen Volksbegehren 2019 im Bayerischen Naturschutzgesetz verankert und seine Herstellung bis 2030 gesetzliche Pflicht."

Feldhasen profitieren außerdem vom ökologischen Landbau. Dieser verzichtet auf Mineraldünger und chemische Spritzmittel, baut viele verschiedene Kulturen an und sieht Wildkräuter nicht nur als Unkraut an. Aber auch wer nicht über Felder und Wiesen verfügt, kann mit Schokolade indirekt die Lebenswelt der Hasen verbessern.

„Wer sich jetzt über Schoko-Osterhasen und bunte Ostereier freuen will, sollte Erzeugnisse aus ökologischem Landbau oder lokalen Naturschutzprojekten nachfragen, weil dort die Artenvielfalt unterstützt wird", heißt es in der Pressemitteilung des BN. "Bio-fair-Trade-Schokolade schützt vor Pestizideinsatz." Auch beim bunten Osterei sollte man laut BN "nicht auf Käfigeier hereinfallen, denn bei den gefärbten Eiern muss die Haltungsform nicht gekennzeichnet sein"“ Der Tipp der Naturschützer: Eier aus ökologischer Haltung kaufen – mit Stempelkennzeichnung 0 auf dem Ei – und selbst zu färben.

Hintergrund:

Feldhase mit Meisterleistung

  • Zuhörer: Der Feldhase ist nicht nur ein Meister der Tarnung, er verfügt auch über ein hervorragendes Gehör. Vom Wildkaninchen kann man den Feldhasen durch seine deutlich größeren Ohren unterscheiden.
  • Sprinter: Durch seine langen, kräftigen Hinterbeine ist der Feldhase sehr flink: Auf der Flucht erreicht er Geschwindigkeiten von etwa 50, kurzzeitig sogar bis zu 70 Stundenkilometern. Damit ist er schneller als ein Rennpferd im Galopp
  • Hoch- und Weitspringer: Ein Feldhase schlägt 90-Grad-Haken und kann bis zu drei Meter hoch und sieben Meter weit springen.
  • Boxer: Um die Damen zu beeindrucken, liefern sich die männlichen Hasen in der Paarungszeit spektakuläre Boxkämpfe und Wettrennen.

"Um einen weiteren Rückgang der Hasenbestände zu vermeiden, brauchen wir den Erhalt und die Aufwertung der Landschaft mit blütenreichen Wiesen, Rainen, Säumen, Versteckmöglichkeiten wie alten Heckenbeständen und Brachflächen sowie einen Biotopverbund zur Vernetzung der Lebensräume."

Biologe Oskar Deichner

 

 

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