22.03.2020 - 13:30 Uhr
NabburgOberpfalz

Einkaufen, aber mit Abstand

Das erste Wochenende mit Ausgangsbeschränkung in Bayern: Wer am Samstag unterwegs ist, kauft meist ein. Das ist erlaubt – mit Abstand. "Die Kunden sind sehr diszipliniert und sozial zueinander", so Rewe-Marktbetreiber Berhard Harbig.

Im Getränkemarkt wurden Trennscheiben an den Kassen und Pfeile, die die „Einbahnstraße“ durch die Getränkepaletten vorgeben, angebracht.
von Claudia Völkl Kontakt Profil

Ruhig, einsam ist es geworden in den Städten und Gemeinden – auch im Landkreis Schwandorf. In der Nacht zum Samstag traten die "grundlegenden Ausgangsbeschränkungen" in Kraft, um die rasante Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen. Wege zur Arbeit, zum Arzt und zum Einkaufen bleiben erlaubt, auch ein Spaziergang, Gassigehen mit dem Hund oder Joggen. Die Gaststätten sind geschlossen. Manche bieten Abholung oder Lieferservice an. Diesen Weg beschreiten auch etliche Gärtnereien - immerhin ist Pflanzzeit - und Geschäfte, die eben keine Waren des täglichen Bedarfs anbieten.

Die Lebensmittelgeschäfte haben sich schnell auf die neue Situation eingestellt. In kleinen Geschäften werden die Kunden nur noch einzeln in den Laden gelassen, zu den Verkaufstheken sind Abstandsmarkierungen eingezogen, Papiertücher und Desinfektionsmittel werden bereitgestellt, Ausgabe und Kasse sind getrennt. Gummihandschuhe gehören beim Personal zur Selbstverständlichkeit, inzwischen sind auch nicht wenige Kunden mit Mundschutz unterwegs.

Am stärksten frequentiert sind noch die Supermarktparkplätze, doch auch hier viele Lücken. In den Geschäften sind oder werden am Samstagvormittag an den Kassen bereits Plexiglas-Trennscheiben eingezogen, um Personal und Kunden zu schützen. Gestapelte Gemüsekisten wirken beispielsweise wie Barrieren, damit auch am Laufband mindestens 1,5 Meter Abstand gewahrt werden muss. "Mancher meint aber auch, er kann sich dann dazwischen zwicken", schimpft eine Kundin in einem Nabburger Markt über den ein oder anderen Unbelehrbaren an der Kasse.

Im Nabburger Rewe-Getränkemarkt werden am Samstagvormittag im Kassenbereich noch zwei Plexiglas-Schutzscheiben montiert. Am Eingang steht ein Schild "Bitte Abstand einhalten" - mit drei Ausrufezeichen, "um sich und andere zu schützen". Damit sich die Kunden in den Gängen zwischen den Getränkekisten nicht zu nah kommen, ist Einbahnverkehr angesagt. Am Boden weisen rote Pfeile den Weg. Auch an der Kasse zeigen Markierungen an, welcher Abstand zum Vordermann gewahrt werden muss.

"Und die Kunden halten sich daran", berichtet Betreiber Bernhard Harbig. "Sie wissen, dass wir das für ihre und unsere Sicherheit tun". Getränkemarktleiter Nico Pscheidl ergänzt: "Die Kunden schauen drauf und verlangen das auch".

Der Andrang ist laut Bernhard Harbig bei weitem nicht so groß, wie an einem normalen Einkaufstag. "Äußerst ruhig für einen Samstag". Harbig beobachtet, dass nach den Hamsterkäufen der letzten beiden Wochen, wo in den Supermärkten ganze Regale leergeräumt wurden, eine gewisse Sättigung eingetreten ist. An der Kasse wird verstärkt mit Karte bezahlt, damit kein Bargeld angefasst werden muss. Und beim Verlassen ersetzt der Spruch "Bleiben Sie gesund" das "Servus".

Abstand halten – in den Geschäften wird plakativ darauf hingewiesen.
Polizeikontrollen:

Geöffnete Sonnenstudios

Die Polizei überwachte am Wochenende die Ausgangsbeschränkungen. "Unsere Leute sind verstärkt unterwegs und werden bei ihren Kontrollen durch die Bayerische Bereitschaftspolizei unterstützt", betont der Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz, Florian Beck. In der Zeit zwischen Samstag, 6 Uhr, und Sonntag, 6 Uhr, wurden in der Oberpfalz 82 Verstöße gegen die vorläufige Ausgangsbeschränkung registriert. Jeder Verstoß sei einer zuviel, so Beck, doch in Relation zur Gesamtbevölkerung sei die Zahl der Verstöße tendenziell gering. Meist handle es sich um individuelles Fehlverhalten. Auf diesen Nenner lasse sich auch die Situation im Landkreis Schwandorf bringen. Angezeigt wurde beispielsweise eine geöffnete Schankwirtschaft in Schwandorf. Im Bereich Wernberg-Köblitz und Schwandorf stießen die Streifenbesatzungen auf jeweils geöffnete Sonnenstudios. Die Bevölkerung ist nach Ansicht Becks sehr sensibel. Die Polizei werde auch von Bürgern auf Verstöße aufmerksam gemacht.

Sie haben übrigens viel Klärungsbedarf hinsichtlich der Ausgangsbestimmungen. Nach der Bekanntmachung der Ausgangsbeschränkungen am Freitag standen in den Dienststellen die Telefone nicht mehr still.

Geschlossen: Geschäfte mit Sortimenten, die nicht für den täglichen Bedarf erforderlich sind, haben am Freitag umgehend gehandelt.
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