30.08.2019 - 17:01 Uhr
NabburgOberpfalz

Elegant und auf soliden Beinen

Noch knapp drei Wochen bis zum nächsten großen Schritt: Dann erstreckt sich wieder eine Brücke über die Autobahn bei Perschen. Vier jeweils 75 Tonnen schwere Fertigteile werden dort in einer nächtlichen Aktion per Kran platziert.

Wie riesige Arme aus Beton und Stahl strecken sich die schrägen Brückenteile den Tragflächen entgegen, die ab Donnerstag, 19. September, die A 93 bei Perschen überspannen sollen. Dazu wird der Verkehr auf der Autobahn kurzzeitig angehalten.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Seit fast einem Jahr gibt es die Brückebaustelle an der A 93. Eine ganze Armada an Zuschauern wohnte im November dem Abriss der maroden Brücke über die Autobahn bei. Jetzt steht ein neues Spektakel an. In der Nacht von 18. auf 19. September erfolgt der Träger-Einhub: Vier gewichtige Betonteile, die wie Balken fungieren, liegen dann auf den schrägen Pfeilern, die sich jetzt schon erwartungsvoll vom Nabburger Ortsteil Perschen aus ihrem Gegenstück auf der anderen Autobahnseite zuwenden. Der riesige Kran, der sie zentimetergenau platzieren soll, wird schon am Montag erwartet. Denn zuvor ist das Drahtgerüst für die Verbindung zum Widerlager zu installieren, damit auch dieser Abschnitt bis zum Einhub steht. "Wie in eine Kuchenform" wird hier noch einmal Beton gegossen. Das restliche Areal bis zur Straße wird mit Erde verfüllt.

"Es läuft sehr gut", erklärt Baudirektor Tobias Bäumler von der Autobahndirektion Nordbayern am Freitag beim Ortstermin auf der Baustelle. Zufriedene Mienen gibt es auch ringsum bei den Bauleitern, die im Container auf der Baustelle die Pläne genau im Blick haben. "Der Brücken-Unterbau ist nahezu fertig", zieht Bäumler Bilanz. Jetzt müssen nur noch die Widerlager auf Perschener und Neusather Seite in den kommenden zwei Wochen verbunden werden, dann können die schweren Trägerteile kommen, die die Fahrbahn überspannen.

Nur kurzzeitig gesperrt

"Jedes dieser vier Teile ist 75 Tonnen schwer", berichtet Bäumler und vergleicht: "Es wiegt damit so viel wie 50 VW Golf." Für vorbereitende Maßnahmen wird der Verkehr Richtung Regensburg auf die Fahrspur Richtung Hof umgeleitet, in Fahrtrichtung Regensburg werden die gigantischen Fertigteile angeliefert. Wenn der Kran sie in Position bringt, wird der Verkehr kurzfristig angehalten. "Unter dieser schwebenden Last ist es ein besseres Gefühl, wenn kein Auto durchfährt", meint Bäumler, der weniger ein Missgeschick der Bautrupps als ein Erschrecken der Autofahrer fürchtet. "Wenn die Träger aufliegen, ist die Messe gelesen", stellt er klar. Und dabei könne man sich nur darauf verlassen, dass zuvor auch alles richtig ausgemessen wurde. "So viel Ingenieurkunst sollte man uns schon zutrauen", merkt er mit einem Schmunzeln an.

Nach dem entscheidenden Kraftakt am 18./19. September hängt viel vom Wetter ab. Wo die riesigen Beton-Tafeln aufeinander treffen, muss in den folgenden Tagen abgedichtet werden. "Dazu muss es trocken sein", erläutert der Fürther Dienststellenleiter, der keinen Zweifel hat, dass das Fundament den künftigen Belastungen standhalten wird. Nur etwa 30 Prozent des verarbeiteten Betons sind sichtbar. Ähnlich wie bei einem Eisberg befindet sich die Masse unter der Oberfläche: 20 Betonpfähle mit einem Durchmesser von 1,20 Metern reichen bei einer Brückenhöhe von etwa 6 Metern bis zu 33 Meter unter die Erde. Dabei liegt Perschen keineswegs in einer Erdbeben-Zone. "Selbst wenn wir hier ein Erdbeben hätten, kann man davon ausgehen, dass diese Brücke stehen bleibt", ist Bäumler überzeugt.

Ob Gestein oder Betonreste von der alten Brücke, für die ausführende Firma Pro-Bau war die Bohrung bei Perschen problemlos. "Die Firma hat bereits am Autobahnkreuz Fürth-Erlangen gute Qualität abgeliefert", weiß der Baudirektor, der als schwierigsten Teil beim Brückenbau die Verdichtung in den Streben wertet. "Das ist wie beim Kuchenbacken: Wenn die Luft nicht rauskommt, gibt es ein Loch im Beton."

Im Kostenrahmen

Qualität, Zeitplan und Kostenrahmen: Mit allen drei Faktoren ist man bei der Autobahndirektion zufrieden. Rund 3,6 Millionen Euro sind für das Bauwerk veranschlagt, das bis zum Jahresende befahrbar sein soll. 25 Zentimeter Beton kommen auf die Trägerteile noch obendrauf, und natürlich darf auch das Geländer nicht fehlen. Die Farbe steht schon fest: Ein klassisches Grau soll es werden für das aus fachlicher Sicht "elegante" Bauwerk, dem in den nächsten Jahren weitere folgen werden. Schon vorgemerkt sind bei der Autobahndirektion die Brücken in Nabburg, Lindenlohe und Kronstetten, die es zu ersetzen gilt. Allerdings noch nicht 2020. Schließlich steht bei der A 93 auch noch eine Fahrbahn- Erneuerung von Schwandorf Nord bis Teublitz (Fahrtrichtung Regensburg) auf dem Plan. Die Nabburger Autobahnbrücke müsse auf jeden Fall erst haushaltsrechtlich genehmigt werden, erklärt Bäumler und verspricht baustellenmüden Anwohnern zumindest eine Verschnaufpause.

Albert Thanhäuser, Bauleiter der Autobahndirektion, Polier Alfred Ritzer und Oberbauleiter Martin Riehl von der Firma ProBau (von links) sind stolz auf das Bauwerk, das ohne Mittelpfeiler auskommt.

Selbst wenn wir hier ein Erdbeben hätten, kann man davon ausgehen, dass diese Brücke stehen bleibt.

Baudirektor Tobias Bäumler

Baudirektor Tobias Bäumler

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