06.12.2019 - 19:21 Uhr
NabburgOberpfalz

Eugen Felles Sicht auf Nabburg

2019 ist nicht nur das Jubiläumsjahr der Postkarte, sondern auch eines ihrer erfolgreichsten Illustratoren: Eugen Felle. Ihm hat es dabei auch Nabburg angetan.

Eine der zwei von Eugen Felle gezeichneten Vogelschaukarten von Nabburg: Dieses Exemplar ging nach Kopenhagen.
von Autor AUBProfil

Als Eugen Felle am 4. September 1869 das Licht der Welt erblickte, konnte er natürlich noch nicht ahnen, dass sich nur wenige Wochen später die Geburtsstunde jenes Massenmediums ereignete, dem er selbst, und das wiederum ihm, zu Weltruhm verhelfen sollte.

Beide gingen aber zunächst getrennte Wege - um erst dann zusammenzufinden, als Felle seine künstlerische Ausbildung beendet und die anfangs bildlose Karte postalisch bereits das "Laufen" gelernt hatte. Eben jener "Mobilitätsfaktor" zählte gerade vor der Jahrhundertwende zu den fortschrittlichsten Sektoren, vor allem der Ausbau des Eisenbahnnetzes, aber auch mehr und mehr Automobile erschlossen nun zuvor kaum erreichbare Regionen für den "Tourismus".

Schriftliche Grüße in Mode

Als es in Mode kam, den Daheimgebliebenen nicht nur schriftlich, sondern auch optisch "Schöne Grüße", zum Beispiel aus dem Urlaubsort zu schicken, verließ auch Eugen Felle sein "Atelier für künstlerische Zeichnungen und Entwürfe" und erweiterte seinen bisherigen Motiv-Horizont weit über das heimatliche Isny hinaus. In ausgedehnten Reisen zog er immer größere, regionale Akquise-Kreise, konnte mit seinem zeichnerischen wie kaufmännischen Talent eine stetig steigende Zahl an Werbe-Kunden gewinnen.

Etwa um 1905 kam er wohl auch in die Oberpfalz, die er vermutlich per Bahn entlang der Naab erkundete. Die Strecke ist zumindest auf den beiden Nabburger "Vogelschau-Karten" deutlich zu sehen. Diese exklusive, seinerzeit Aufsehen erregende Art der Darstellung wurde schon bald zu Felles "Markenzeichen", basierend auf seinem Talent an räumlich-plastischem Vorstellungsvermögen und viel fleißiger Recherche vor Ort. Beides ergab eine Perspektive auf die Erde, wie er sie selbst nie wirklich gesehen hatte. Er versuchte mit Hilfe seiner Kunst, eine neue Sicht auf die Welt in die Welt zu senden. Heute kann man sagen: Mission erfüllt.

Eugen Felles Paradeplatz-Motiv - verschickt bis nach Amerika

Dass nach Felles Intention bildliche Botschaften mehr sagen als (tausend) Worte, beweist jene Karte, die mit Datum vom 13. Juni 1922 von Nabburg an den "Bildhauer Ib. Nielsen in Kopenhagen (Dänemark)" adressierte war - versehen mit dem Text: "Lieber Ib. Einen Gruss aus dem fernen Land. Pass ein bisschen auf Kenneth und K.J. auf. Wo zum Teufel wart ihr abgeblieben am Bahndamm? Dein Freund O. Knudsen. Kriegskorrespondent." Jenseits des Bildes wird die Bedeutung jener Zeilen wohl ewig ein Geheimnis bleiben, denn weder über Absender, noch Empfänger oder irgendwelche Hintergründe gab es bisher ein Recherche-Ergebnis.

Zeichnung vom Oberen Markt

Bei einer anderen, deren Vorderseite die Felle-Zeichnung des Oberen Marktes ziert, sind hingegen die Nachforschungen zumindest schon ein Stückchen weiter. Sie stehen aber in keinem adäquaten Verhältnis zum Weg der Karte selbst - von Nabburg nach N. Carolina, North America.

"Lieber Bruder. Bin für die Osterfeiertage wieder zuhause, wo ich dir die herzlichsten Grüße von Mutter, Vater und allen Nabburgern sende. Fahre Mittwoch wieder nach Nürnberg", lässt der namentlich nicht genannte Schreiber (seinem?) Bruder Philip Lobinger wissen. Welche Funktion letzterer im 1842 gegründeten St. Marys College (eine bischöfliche Schule für Mädchen mit Sitz in Raleigh) inne hatte, geht daraus leider nicht hervor.

Ob die Nachricht wohl ankam? Der T-Stempel deutet zwar auf eine Unterfrankierung hin, die beiden anderen links unten weisen jedoch zumindest in die richtige Richtung: 2 - Due cent und Hudson Terminal 22. April - also knapp zehn Tage nach dem Abstempeln in Nabburg am 13. April 1914.

Nochmals kurz zurück zu Eugen Felle, der fast genau 20 Jahre später, am 31. März 1934 verstarb. Von ihm existieren weitere Ortsansichten, die in der neuen "Heimat Nabburg 2019" ausführlicher beschrieben und auch abgebildet sind.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.