12.01.2022 - 14:54 Uhr
NabburgOberpfalz

Fast flächendeckender Ausbau des Glasfasernetzes in Nabburg noch in der Schwebe

In wenigen Tagen wird sich entscheiden, ob in Nabburg der Glasfaser-Ausbau beginnt oder nicht. Die Firma Leonet würde ihn machen. Deren Repräsentanten sagen in der Stadtratssitzung, woran es momentan noch fehlt.

Die Firma Leonet möchte noch heuer damit beginnen, in Nabburg Glasfaser zu verlegen. Damit sich für die Firma der eigenwirtschaftliche Ausbau rentiert, braucht sie in den nächsten Wochen noch rund 200 abgeschlossene Verträge.
von Wilhelm Amann Kontakt Profil

Der Stadtrat sollte am Dienstagabend laut Tagesordnung einen Sachstandsbericht zum eigenwirtschaftlichen Breitbandausbau durch die Firma Leonet AG mit Sitz in Teisnach (Landkreis Regen) hören. Vorab berichtete Bürgermeister Frank Zeitler von einem unerwarteten Sinneswandel bei der Telekom.

Bei einem Gespräch, bei dem es am 30. November im Rathaus um die Zusage für den Breitbandausbau des Industrie- und Gewerbegebietes ging, habe der zuständige Kommunalbetreuer der Telekom erklärt, dass sein Unternehmen nun auch Interesse an einem eigenwirtschaftlichen Ausbau des weiteren Stadtgebietes oder für Teile des Stadtgebietes habe. "Persönlich war ich von dieser Aussage mehr als überrascht und habe gefragt, wie das plötzliche Interesse zustande kommt", sagte Zeitler und verwies darauf, dass in den letzten Jahren keinerlei Bestreben der Telekom in diese Richtung erkennbar war. Erst jetzt, nachdem ein Wettbewerber in Form von Leonet auftauchte, entwickle man bei Telekom anscheinend auch Aktivität.

Telekom nicht konkret

Er habe der Telekom aber zugesagt, dass die Stadt und er als Bürgermeister alle Anbieter insofern unterstützen, dass ihnen die Möglichkeit geboten wird, ihre Pläne vorzustellen. Die Telekom habe dann am 22. Dezember ihr Interesse bestätigt, ohne auf konkrete städtische Ausbaubereiche oder Rahmenbedingungen einzugehen. "Ich möchte ganz bewusst bei dieser Gelegenheit einmal darauf hinweisen, dass der Breitbandanbieter nicht der Stadt, sondern den potenziellen Kunden ein Angebot unterbreiten muss", so Zeitler. Die Stadt stelle lediglich den öffentlichen Grund und Boden zur Verfügung und ist daher vor Umsetzung der Maßnahme zu fragen oder in Kenntnis zu setzen. Es stehe jedem Telekommunikationsanbieter frei, einen eigenwirtschaftlichen Ausbau in einer Kommune voran zu treiben.

Für Nabburg stellten das bereits vorgestellte, konkretisierte und offizielle Interessenbekundungsverfahren der Leonet und das noch unverbindliche Ausbauinteresse der Telekom laut Zeitler ein wichtiges Zeichen und Signal dar: "Wir haben jetzt die Chance, den Wohn- und Wirtschaftsstandort Nabburg mit einer sehr wichtigen und in die Zukunft gerichteten Infrastrukturmaßnahme voran zu bringen und eine Vorreiterrolle einzunehmen. Ob wir das schaffen, bestimmt nicht die Stadt, sondern der Endkunde!" Leonet habe das Thema vor Monaten angestoßen, sei in die Vorleistung gegangen und genieße daher sein vollstes Vertrauen. Das Unternehmen habe versichert, in Nabburg einen hohen Euro-Millionenbetrag investieren zu wollen.

200 Verträge fehlen noch

Die Leonet-Geschäftsführer Jochen Mogalle und Martin Naber gingen dann auf den erreichten Sachstand ein. Wobei Naber vorab unterstrich, dass der steigende Bandbreitenbedarf für das Internet dazu führen werde, dass es irgendwann ohne Glasfaser nicht mehr gehen werde. In Deutschland herrsche aktuell enormer Nachholbedarf beim Glasfaser-Ausbau. Da sei es gerade für Kommunen wichtig, vorausschauend zu denken, denn: "Wenn die Bürger mal vor dem Rathaus stehen und sich beschweren, ist es zu spät."

Naber erklärte, dass Leonet im Zuge der am 20. September gestarteten, dann mehrfach verlängerten und jetzt noch bis 31. Januar dauernden Vorvermarktung rund 35 Prozent beauftragte Hausanschlüsse und 20 Prozent abgeschlossene Endkundenverträge generiert habe. Insgesamt wolle man in Nabburg von 1955 Gebäuden mit 3227 Wohn- und Geschäftseinheiten rund 95 Prozent mit Glasfaser versorgen. Damit sich das Projekt rentiert, für das Leonet selbst das Risiko trägt, benötige man noch rund 200 weitere Verträge.

Im Laufe einer längeren Diskussion appellierte Bürgermeister Frank Zeitler zum Mitmachen. Er wolle hier keine Werbeveranstaltung für Leonet halten, sondern darstellen, dass es um eine in die Zukunft gerichtete Internet-Versorgung für Nabburg, seine Einwohner, Betriebe und Einrichtungen gehe: "Wir sollten in den Zug einsteigen, solange er noch im Bahnhof steht. Ist er einmal abgefahren, so ist die Chance vertan."

Stadtrat Tobias Knechtel (CSU) erkundigte sich, ob der Ausbau auch Reserven enthalten würde. Naber antwortete, dass es in ausgebauten Straßenzügen auch noch nachträglich möglich wäre anzuschließen. Die Stadträte Helmut Ertl (ÜPW) und Armin Schärtl (SPD) hielten den Ausbau jetzt nicht für notwendig und bekundeten, auch selbst auf einen Anschluss zu verzichten. Schärtl fragte zudem, mit welchen Argumenten Leonet noch zu 200 weiteren Verträgen kommen will, nachdem das Stadtgebiet teilweise schon mehrfach abgefragt worden war. Dazu ließ Naber wissen, dass die Vermarktung aufgrund der Corona-Regeln nicht immer einfach abgelaufen sei. Zudem habe man gespürt, dass viele Leute abwarten wollten, ob der Ausbau nun wirklich kommt. Bei einer nochmaligen Nachfrage könne man sich gut vorstellen, weitere Zusagen zu bekommen.

Drohender Zeitverlust

Naber wurde dann noch deutlicher: Jeder müsse sich jetzt fragen, was passiert, wenn das Projekt nun mangels Wirtschaftlichkeit gestoppt wird und der Ausbau nicht zustande kommt. Dann würden sich folgende Fragen stellen: Will die Stadt selber aktiv werden und dabei versuchen, an Fördergelder zu kommen? Oder will man auf einen Mitbewerber warten, der auch erst wieder ein bestimmtes Quantum an Verträgen braucht, bevor er tätig wird? So oder so sei nichts gewonnen, nur Zeit verloren. Naber sah keine Argumente, die gegen einen Ausbau sprechen. Nabburg könne jetzt schnell zu einer Versorgungsquote kommen, von der selbst Großstädte noch weit entfernt sind.

Für CSU-Stadtrat Michael Giesl steht fest: "Wir brauchen den Glasfaser-Ausbau, und zwar schnell." Gerade jetzt in Corona-Zeiten zeige sich bei Home-Office und Home-Schooling immer wieder, wie schnell die bisherigen Internet-Leistungen an ihre Grenzen stoßen. Es liege deshalb schon in der Verantwortung der Stadträte, für einen Ausbau zu werben, denn er werde zweifellos im Interesse der ganzen Stadt erfolgen. Ähnlich sah es sein Fraktionskollege Kilian Gradl: "Der Stadtrat sollte die Firma Leonet unterstützen und ihr nicht Steine in den Weg legen."

SPD-Stadträtin Rita Holzgartner warf die Frage auf, wie denn die Kosten für nachträgliche Anschließer ausfallen würden. Laut Leonet-Geschäftsführer Naber werden die jetzt angebotenen Tarife dann nicht mehr gelten. Der Preis werde sich im Einzelfall an dem erforderlichen Aufwand orientieren. Wobei sein Kollege Jochen Mogalle ergänzte, dass es wohl eher das Problem werde, für vereinzelte Anschließer überhaupt Firmen zu finden, die den Auftrag ausführen wollen.

Am Ende des Meinungsaustauschs forderte Bürgermeister Frank Zeitler die Stadträte dazu auf, aus dem Thema jetzt kein Politikum zu machen, sondern sich als Repräsentanten der Stadt im Familien-, Bekannten- und Freundeskreis dafür einzusetzen, dass der Ausbau zustande kommt. Er hoffte abschließend , dass Leonet den Ausbau planmäßig starten kann.

Beginn mit Gedenkminute

Die Stadtratssitzung hatte am Dienstagabend in der Nordgauhalle mit einer Gedenkminute für den verstorbenen Stadtrat Dionys Ringlstetter begonnen. Für die Fraktionen der CSU und der Aktiven Bürger Union hatte er dem Stadtrat von 1996 bis 2008 angehört.

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