10.06.2021 - 20:32 Uhr
NabburgOberpfalz

Für Dekane aus dem Landkreis Schwandorf ein "Mutmacher" aus Rom

Papst Franziskus schickt Kardinal Reinhard Marx eine Mut spendende Botschaft und lehnt das Rücktrittsgesuch ab. Das ist ganz im Sinne eines Dekans im Landkreis Schwandorf.

Der Himmel über der katholischen Kirche Deutschlands zeigt sich trotz der Entscheidung von Papst Franziskus noch bewölkt. Der Amtsverzicht von Kardinal Reinhard Marx ist vom Tisch, der Missbrauchsskandal aber noch nicht aufgearbeitet..
von Irma Held Kontakt Profil

Der Erzbischof von München-Freising, Kardinal Reinhard Marx, hat am 21. Mai Papst Franziskus seinen Amtsverzicht angeboten, dies am vergangenen Freitag öffentlich gemacht. Gestern sagte der Papst: Nein. Für den Neunburg-Oberviechtacher Dekan Alfons Kaufmann kommt vielleicht der Zeitpunkt der Papst-Entscheidung, nicht aber zwangsläufig die Ablehnung überraschend, "weil ich glaube, dass Papst Franziskus Kardinal Marx sehr schätzt", sagt er auf Nachfrage von Oberpfalz-Medien am Donnerstagmittag als sich die Nachricht über die Ablehnung des Rücktritts verbreitet.

Der Pfarrer von Oberviechtach fühlte sich durch das Rücktrittsgesuch ein bisschen zurückgelassen. Er machte kein Hehl daraus, dass es ihm lieber sei, Kardinal Marx bliebe im Amt. Und zwar um seine Kraft zu nutzen und seinen Einfluss geltend zu machen, um Strukturen die den Missbrauch und dessen Vertuschung begünstigt hätten abzuschaffen oder so zu verändern, dass dies nicht mehr möglich sei. Diesen Wunsch hat Papst Franziskus am Donnerstag erfüllt.

Seelsorgerischer Brief

Den Inhalt des Papstbriefes kennt Alfons Kaufmann, als er mit Oberpfalz-Medien spricht noch nicht, dafür aber der Nabburger Dekan Michael Hoch. Er ist beeindruckt. Michael Hoch, Seelsorger in der Pfarrei Dürnsricht-Wolfring, versteht den Inhalt und die Gründe, weshalb das Oberhaupt der katholischen Kirche Marx' Amtsverzicht ablehnt, als Mutmacher. Er nennt das Schreiben einen seelsorgerischen Brief an den Erzbischof von München-Freising und eine Ermutigung. Für Michael Hoch ist das Schreiben von Papst Franziskus aber mehr als nur eine Aufforderung an Reinhard Marx: Mach weiter. "Es ist ein klares Bekenntnis, dass die Kirche aus dieser Geschichte lernen muss."

Der Dekan versteht das Schreiben als pastorale Antwort, die zugleich die ganze Kirche betreffe. Worte und Untersuchungen würden nicht reichen, es müsse der Weg der Veränderung beschritten werden. "Ich bin dankbar über die Klarheit der Analyse in diesem Brief." Zwei Dinge sind für Michael Hoch im Zusammenhang mit dem Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche von Bedeutung.

Zum Rücktrittsgesuch

Deutschland & Welt

"Unsere Geschichte"

"Was aufgedeckt wird, ist unsere Geschichte, unsere dunkle Vergangenheit." Das müsse aufgearbeitet werden. "Wenn ich die Geschichte kenne, weiß ich, wo ich in der Zukunft aufpassen muss und kann sie anders gestalten." Zweitens dürfe es für die Kirche keine Rolle spielen, was andere in anderen Bereichen gemacht haben. Der Dekan meint damit, beispielsweise sexuelle Übergriffe auch in der Jugendarbeit oder im Sport. "Das (sexueller Missbrauch, Anm. der Redaktion) widerspricht ganz extrem unserer Botschaft."

Alfons Kaufmann, Michael Hoch und der Schwandorfer Dekan Hans Amann, der gestern wegen anderweitiger Termine nicht zu erreichen war, zollten bereits im Vorfeld, unabhängig von der Entscheidung des Papstes Kardinal Reinhard Marx Respekt für seinen Schritt. Er habe auf diesem Weg Verantwortung für die Kirche übernehmen und ein Zeichen setzen wollen.

Mehr zu den Dekanaten Nabburg und Neunburg-Oberviechtach

Nabburg

"Ich bin dankbar über die Klarheit der Analyse in diesem Brief von Papst Franziskus."

Michael Hoch, Dekanat Nabburg

Michael Hoch, Dekanat Nabburg

"Ich glaube, dass Papst Franziskus Kardinal Marx sehr schätzt."

Alfons Kaufmann, Dekanat Neunburg-Oberviechtach

Alfons Kaufmann, Dekanat Neunburg-Oberviechtach

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.