Statt mit Handschuhen wärmten sich die Frauen mit einem Hand-Muff, die Männer trugen einen Schnauzer als "Rotzbremse", und bei Läusen in den Kinderhaaren kamen Kamm und Kernseife zum Einsatz. Das alles erfuhren die Studenten der OTH Regensburg bei ihrem Projekt "Wöi's gwen is", das Professorin Irmgard Schroll-Decker im Freilandmuseum vorstellte.
Die jungen Leute weckten mit ihren Fragen bei den Senioren Erinnerungen an die Kindheit, als die Leute noch zwischen Sonntags- und Werktagskleidung unterschieden, am Samstag für die ganze Familie Badetag war und das Wäschewaschen einem Kraftakt gleichkam. Die Toilette war ein "Plumpsklo" im Freien, das Klopapier zugeschnittenes Zeitungspapier. Die Frauen blieben zu Hause bei den Kindern, führten den Haushalt und halfen in der Landwirtschaft mit. Der Mann ging in die Arbeit und war Ernährer. Die Familien lebten von den Früchten des Gartens und der eigenen Schlachtung. Gedüngt wurde mit dem Mist vom Misthaufen. Das Essen war Nahrungsaufnahme und diente der Sättigung.
Scheidung war praktisch ausgeschlossen. Frauen gewalttätiger Männer suchten vorübergehend Schutz bei den Eltern, bis sich der renitente Ehemann beruhigt hatte. Die Kinder mussten mithelfen, die Mädchen im Haushalt, die Buben bei der Versorgung der Tiere. Die Schneiderin war ein typischer Frauenberuf, die jungen Männer wurden Schlosser oder Maurer. "Wir mussten früh heiraten, weil ein Kind unterwegs war", bekamen die Studenten öfters zu hören. Nach der "Frühgeburt" folgten viele weitere. Die Geschwister waren bis zu 20 Jahre auseinander. Die Kinder erzogen "sich gegenseitig" und übernahmen Wäsche und Kleidung der älteren Geschwister.
"Gegen das Vergessen anzukämpfen", sieht Birgit Angerer als Daueraufgabe. Deshalb begrüßte die Leiterin des Freilandmuseums das Hochschulprojekt "Wöi's gwen is". Die Ergebnisse der Umfragen stehen im Archiv des Museums zur Verfügung.













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