30.11.2021 - 16:03 Uhr
NabburgOberpfalz

Großes Interesse an Impfungen für Kinder ab 12 Jahren

Während ganz Deutschland noch über die Corona-Impfung für Kinder ab 12 Jahren diskutiert, wird in Nabburg bereits fleißig geimpft. Der Andrang ist laut Kinderärztin Dr. Regina Schwindler groß.

Augen zu, auch wenn der Piks meistens gar nicht zu spüren ist. Die Vorbereitungen für die Impfung der Fünf- bis Zwölfjährigen laufen.
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Wir haben die ersten Impfungen für Über-Zwölfjährige schon hinter uns und viele weitere Anfragen", sagt Dr. Regina Schwindler. Sie betreibt zusammen mit ihrem Kollegen Dr. Stefan Weickardt eine Kinderarztpraxis in der Regensburger in Nabburg. Erst am vergangenen Donnerstag hat die europäische Arzneimittelbehörde EMA das Vakzin von Biontech für Fünf- bis Elfjährige zugelassen, die offizielle Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) steht aber noch aus.

"Entweder man wartet auf eine Wildinfektion oder man lässt sich impfen", sagt Dr. Schwindler. Kinder, die geimpft seien, hätten ein deutlich geringeres Risiko, bei einer Covid-Infektionen einen schweren Verlauf zu erleiden.

"Der Biontech-Impfstoff ist weltweit so viel verimpft worden. Das ist der am besten untersuchte Impfstoff, den wir haben", erklärt sie nicht nur im Gespräch mit Oberpfalz-Medien, sondern auch in den Sprechstunden in ihrer Praxis. Derzeit umfasst die Warteliste in der Praxis Weickardt und Schwindler für Über-Zwölfjährige, Jugendliche und Erwachsene sechs Din-A4-Seiten. Für die Arbeitsabläufe bedeutet das Impfen einen erheblichen Mehraufwand. "Da wird manchmal auch in der Mittagspause gearbeitet." Beim Spritzen ist Eile und Organisationsgeschick angesagt, denn der Stoff muss spätestens sechs Stunden nach dem Öffnen eines Fläschchens verbraucht sein. "Ein großer Vorteil wäre es, wenn es Einzel-Impfdosen gäbe", sagt Dr. Schwindler.

Die Praxis in Nabburg bestellt jede Woche die maximale Menge an Impfstoff, sechs Fläschchen sind das. "In der Regel bekommen wir immer ein Fläschchen weniger", berichtet die Ärztin. Auch dieser Umstand hemme den Erfolg der deutschlandweiten Anstrengungen. Der Ansturm wird noch größer werden - davon ist Dr. Schwindler überzeugt. Spätestens dann, wenn die Empfehlung der Stiko für Kinder unter 12 Jahren, wie bereits vage angekündigt, in der zweiten Dezember-Hälfte kommt. Dr. Schwindler glaubt aber, dass den Arztpraxen - vor allem bei den Kinderimpfungen - weiterhin eine wichtige Rolle zukommt. "Kinder in einer Impfstraße zu impfen oder an den Schulen halte ich für schwierig", sagt sie. Gerade bei den kleineren Patienten sei es wichtig, dass sie mit dem Umfeld und den handelnden Personen vertraut sind. "Besser ist es natürlich immer, wenn die Eltern dabei sind."

Sorgen macht sich die Kinderärztin derzeit auch wegen eines anderen Krankheitserregers. Das sogenannte RS-Virus hat im Landkreis Schwandorf voll zugeschlagen - heuer nicht nur bei Säuglingen und Kleinkindern, sondern auffallend oft auch bei Mädchen und Buben im Grundschulalter. Mehrere Kinder mussten aufgrund von Atemnot in Krankenhäuser eingewiesen und dort in einzelnen Fällen sogar beatmet werden. "Das war in einer Häufigkeit, wie wir sie nicht kennen." Schwindler geht davon aus, dass die Corona-Schutzmaßnahmen im Laufe des Jahres zu einer flächendeckenden Immunschwäche bei Kindern geführt hat.

RS-Virus überrollt die Oberpfalz

Weiden in der Oberpfalz

Neue Impf-Möglichkeit im Landkreis Schwandorf

Schwandorf
Info:

Korrektur

In einer früheren Version des Artikels hatte es geheißen, dass in der Kinderarztpraxis in Nabburg bereits jetzt auch Kinder im Alter zwischen 5 und 12 Jahren geimpft werden. Das ist nicht der Fall. Wir haben den Artikel entsprechend korrigiert.

Info:

Corona-Impfung für Kinder

  • Die Gesundheitsminister der Länder drücken bei den Corona-Impfungen für Kinder aufs Tempo. Sie fordern die EU-Kommission zu früheren Impfstofflieferungen auf und bitten die Ständige Impfkommission (Stiko) um eine "sehr zeitnahe" Empfehlung.
  • Die Gesundheitsministerkonferenz sei sich einig, dass man überall Kinder- und Familienimpfstraßen auf den Weg bringen wolle, sagt der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek.
  • Die europäische Arzneimittelbehörde hatte vergangenen Donnerstag grünes Licht für die Zulassung des Präparats von Biontech/Pfizer auch für die Gruppe der Fünf- bis Elfjährigen gegeben - aber in niedrigerer Dosierung: Kleinere Kinder bekommen im Vergleich zur Altersgruppe ab zwölf nur ein Drittel der Dosis gespritzt, also 10 statt 30 Mikrogramm.

 

 

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