Nabburg
19.10.2018 - 15:08 Uhr

Happy-end mit Expansion

Nahkampf, Liegestützen, dicke Ordner mit Gesetzen: Mit diesen Bildern zeigen Auszubildende, was man bei der Bereitschaftspolizei in Nabburg lernt. Vor 20 Jahren hat sich der Standort etabliert und eine „mittlere Katastrophe“ verhindert.

Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer (am Rednerpult) sieht für den Nabburger Standort der Bereitschaftspolizei eine aussichtsreiche Entwicklung. Das freut Vertreter von Polizei und Politik: (erste Reihe, ab Dritter von links) Außenstellenleiter Helmar Termer, Bürgermeister Armin Schärtl, stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl, Polizeipräsident Wolfgang Sommer und Abteilungsführer Ludwig Härtl. Bild: Gerhard Götz
Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer (am Rednerpult) sieht für den Nabburger Standort der Bereitschaftspolizei eine aussichtsreiche Entwicklung. Das freut Vertreter von Polizei und Politik: (erste Reihe, ab Dritter von links) Außenstellenleiter Helmar Termer, Bürgermeister Armin Schärtl, stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl, Polizeipräsident Wolfgang Sommer und Abteilungsführer Ludwig Härtl.

Als "mittlere Katastrophe", so stufte zumindest der Nabburger Bürgermeister Armin Schärtl die Pläne zur Auflösung des Bundesgrenzschutzes auf dem Fichtenbühl 1998 ein. "Damals konnte noch niemand erahnen, dass sich dieser Standort im Laufe der Jahre zu einem der modernsten Ausbildungsstandorte der Bayerischen Bereitschaftspolizei entwickeln würde", erklärte Landespolizeipräsident Wilhelm Schmidbauer bei der Feier des 20-jährigen Bestehens am Standort. Die Außenstelle Nabburg der siebten Bereitschaftspolizeiabteilung Sulzbach-Rosenberg genieße mittlerweile bayernweit hohes Ansehen.

In Feierlaune präsentierten sich dann auch die Festredner. Außenstellenleiter Helmar Telmer hatte ein lange Liste von Gästen, und das Saxofon-Quartett des Johann-Andreas-Schmeller-Gymnasiums sorgte für den passenden Rahmen bis hin zur musikalischen Begleitung bei Bayernhymne und Deutschlandlied. Beim Festakt auf dem Fichtenbühl umriss Schmidbauer eine Erfolgsgeschichte. Vor 20 Jahren starteten dort 54 Anwärter für den gehobenen Polizeidienst, es folgten weitere Ausbildungsseminare. Inzwischen verzeichnet der Standort über 700 Beschäftigte, darunter 568 Beamte in Ausbildung. Schmidbauer zählte vier Punkte auf, warum diese Nachwuchskräfte dringend benötigt werden: Bevölkerungswachstum, neue Kriminalitätsfelder wie Cybercrime, Bekämpfung der grenzüberschreitenden Kriminalität und der illegalen Migration sowie Steigerung der Präsenz im öffentlichen Raum, die durch den Terrorismus bedingt ist.

Auf die gestiegenen Einstellungszahlen bei der Polizei verwies in seiner Festrede auch der Abteilungsführer der siebten Bereitschaftspolizeiabteilung, Ludwig Härtl. Er erinnerte an die laufende Optimierung der Liegenschaft, eine andauernde Auf- und Abbauphase mit Investitionen von bisher gut 31 Millionen Euro. "Mittlerweile ist der Standort mit seinen vier Ausbildungsseminaren auf die Größe einer Abteilung angewachsen, und die bisherige Organisation stößt an Grenzen", gab Härtl zu bedenken. Er verwies auf Nachholbedarf in der Ausbildungslogistik. Auch fehlten Ausbildungsflächen im Freien, wie sie beispielsweise zum Üben von Verkehrskontrollen benötigt würden, man hoffe deshalb auf die Übertragung angrenzender Grundstücke aus dem Bundeseigentum. Auf der Wunschliste des Abteilungsführers ist aber auch die Nutzung eines Hallenbads für die Schwimmausbildung. "Die Erfolge der bayerischen Polizei sind kein Zufall, sondern neben vielen anderen Faktoren wie guter Bezahlung und Aufstiegsmöglichkeiten auch Folge einer aufwendigen und praxisnahen Ausbildung", so sein Fazit.

Extra für die Jubiläumsfeier hatten Auszubildende einen Videoclip zusammengestellt, der unter dem Titel "Nabburg sagenhaft" einen kurzen Einblick gab, was im Seminar alles verlangt wird. "Wir brauchen eine tüchtige Polizei, denn die Sicherheitslage wird nicht leichter", gab stellvertretender Landrat Arnold Kimmerl zu bedenken. Nabburgs Bürgermeister machte bei dieser Gelegenheit keinen Hehl aus seiner Erleichterung über den "Ersatz" für den Bundesgrenzschutz. Er erinnerte an Kundgebungen, Fackelzüge und Unterschriftenlisten für den Erhalt der angezählten Einrichtung, zeigte sich aber durchaus zufrieden mit der daraus erwachsenen "einmaligen Erfolgsgeschichte" - und auch mit den jüngsten Plänen, die Schmidbauer den Festgästen anvertraute: Innerhalb der nächsten fünf Jahre soll in Nabburg eine Einsatzhundertschaft mit drei Zügen neu aufgestellt werden.

Info:

Mehr Beschäftigte als beim BGS

Vorläufer des Ausbildungsstandorts auf dem Fichtenbühl war seit dem 10. Mai 1963 der Bundesgrenzschutz (BGS). Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs änderte sich die Sicherheitslage, der BGS wurde zur Bundespolizei und übernahm bahnpolizeiliche Aufgaben im Inland. Die Liegenschaften in Nabburg sollten nach der Auflösung für die Polizeiausbildung genutzt werden, bei der Übernahme waren noch etwa 80 Beamte einer mobilen Kontrolleinheit der Bundespolizei dort stationiert. Aktuell beschäftigt der Standort Nabburg 730 Personen und übertrifft damit die Spitzenbesetzung des ehemaligen BGS um mehr als 100 Beschäftigte. Die Einsatzeinheiten der Bereitschaftspolizei bilden das Rückgrat der Polizei in Fällen, die die örtlichen Kräfte nicht alleine leisten Können. Dazu zählen Fußballspiele, Demonstrationen und auch Grenzkontrollen. (bl)

Erhöhte Einstellungszahlen bei der Bereitschaftpolizei wirken sich positiv auf den Standort am Fichtenbühl aus, der bald noch mehr Personen aufnehmen soll. Bild: Gerhard Götz
Erhöhte Einstellungszahlen bei der Bereitschaftpolizei wirken sich positiv auf den Standort am Fichtenbühl aus, der bald noch mehr Personen aufnehmen soll.
 
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