12.06.2018 - 10:32 Uhr
NabburgOberpfalz

Heimat als Gefühl

Die vielfältigen Facetten der Heimat aus bildlicher und literarischer Sicht stehen in Franz Grundlers Remise im Mittelpunkt. Grund hierfür ist ein etwas anderer Heimatabend.

Ein interessanter Heimatabend wurde den Besuchern der Remise geboten. Das Bild zeigt von links: Harald Grill, Bernhard Werner, Klaus Pöhler, Tamer Al Shawan und Franz Grundler.

Die Kreisgruppe des Bund Naturschutz lud unter dem Motto "Große Welt, k(l)eine Heimat“ zum zweiten Heimatabend in der Remise ein. Organisator Klaus Pöhler freute sich, dass er den bekannten Oberpfälzer Schriftsteller Harald Grill sowie den Fotografen Tamer Al Shawan für diesen besonderen Abend verpflichten konnte. Die Remise bot die perfekte Räumlichkeit hierfür und war erwartungsgemäß voll besetzt.

Die rund 60 begeisterten Besucher wurden zum nachdenklichen Thema „Große Welt, k(l)eine Heimat“ auf eine literarische Reise geschickt, an deren Ende ein völliges Umdenken über den Begriff „Heimat“ stattfand. So stellte Schriftsteller und Heimatdichter Harald Grill, der im Örtchen Wald zu Hause ist, überraschend klar, dass er lange Zeit nichts mit seiner „Heimat“ anfangen konnte. Der in Niederbayern geborene Grill, Sohn einer Schlesierin, brachte anfangs mit dem Begriff „Heimat“ die in den 50er Jahren kitschig inszenierten Heimatfilme in Verbindung, welche er ganz schrecklich fand.

Zu WAA-Zeiten aber fand sein Umdenken zum Thema Heimat statt. „Heimat ist viel tiefer“, stellte er fest. Heimat habe viel mit aufeinander zugehen zu tun, traf Grill eine Kernaussage. Hierzu trug er passende Dialektgedichte wie „Soweit und ganz nah“ vor und betonte abermals, dass grundlegende Gefühle Heimat ausmachen. Aus dem im Dezember vergangenen Jahres erschienenen Gedichtband „baustelle des himmels“ sowie aus verschiedenen seiner Bücher folgten im Anschluss Lesungen.

Eine kleine Premiere wurde den Zuhörern exklusiv geboten: Grill las aus seinem im September diesen Jahres erscheinenden Reiseroman „Hinter drei Sonnenaufgängen eine andere Welt“ interessante Zeilen. Das neue Werk handelt von einem vierteljährlichen Streifzug des Autors durch den Balkan, von Rumänien über Bulgarien nach Odessa. Abschließend gab er zu bedenken, dass auch Erinnerungen Heimat sind. Es gelte also, sich Erinnerungen zu schaffen, um Heimat zu spüren. Heimat könne man zudem auch in der Familie finden. Ein Nachgeben in manchen Lebenssituationen sei keine Schwäche, sondern vielmehr Stärke, unterstrich Grill. Heimat verbinde er viel mehr mit Empfindung und Gefühl, als nur mit einem gewissen Ort.

Ergänzt wurde die literarische Lesung durch eindrucksvolle Bildaufnahmen des Fotografen Tamer Al Shawan, einem syrischen Kriegsflüchtling, der seit einiger Zeit in Nabburg lebt. Dieser zeigte mit seinen Werken, die überwiegend rund um Nabburg entstanden sind, wie er seine „neue Heimat“ wahrnimmt, welch erstaunliche Ansichten, Feinheiten und Tierarten die Natur der Oberpfalz zu bieten hat. An diesem Abend feierte die Remise auch ihr zehnjähriges Bestehen. Zum Jubiläum spendierte die Raiffeisenbank den Besuchern den Eintritt.

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