10.07.2020 - 17:24 Uhr
NabburgOberpfalz

Hochzeiten nur auf Sicht

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2020 sollte für Standesämter und Kirchen im Landkreis Schwandorf ein Wahnsinns-Hochzeitsjahr werden. Corona hat einen Strich durch diese Rechnung gemacht. Doch nicht überall zeichnet sich jetzt eine Flaute beim Jawort ab.

Anne (geborene Fischer) und Benedikt Beigl konnten die strengen Auflagen wegen Corona nicht abschrecken. Nach der standesamtlichen Hochzeit vor einem Jahr ließen sie sich heuer am 13. Juni in Nabburg trauen. Die große Feier mit 120 Gästen im Jugendwerk musste allerdings ausfallen.
von Monika Bugl Kontakt Profil

Im Oberviechtacher Standesamt haben die Mitarbeiter zu Jahresbeginn eine ganze Menge Dokumente ausgestellt, die man üblicherweise zum Heiraten braucht. "Das wird ein Wahnsinns-Hochzeitsjahr", dachte sich stellvertretender Amtsleiter Gerhard Albang. Im Wernberger Standesamt hatte Helmut Lorenz allein für den 20. Juni 2020 schon acht Vormerkungen. "Sechs sind dann abgesprungen", lautet die Bilanz. Schuld daran ist das Coronavirus, das vor allem ab März enorme Einschränkungen mit sich brachte. Inzwischen wurden die Regelungen deutlich gelockert, 100 Gäste dürfen jetzt gemeinsam drinnen feiern, doppelt so viele im Freien. Und vor allem von den Örtlichkeiten hängt es jetzt ab, wo Heiratswillige sich das Ja-Wort geben.

Burg Wernberg kein Trau-Ort mehr

Auf der Verliererseite ist hier Wernberg-Köblitz. Um mehr als die Hälfte hat sich dort die Zahl der standesamtlichen Trauungen reduziert, seit die Burg Wernberg als Trau-Ort tabu ist. Der Grund: Das Hotel wurde in eine Klinik umgewandelt. Das für Trauungen begehrte Fachwerkzimmer sollte zwar den Heiratswilligen weiterhin zur Verfügung stehen, ist aber wegen Corona mindestens bis August gesperrt. Bedingt durch die geforderten Abstandsregelungen hätten dort ohnehin nur etwa zehn Personen Platz, genauso viele wie im Wernberger Rathaus. Viele Paare seien deshalb in Nachbarorte mit mehr Plätzen "abgewandert", weiß der Wernberger Standesamtsleiter.

Nabburg profitiert von Auswärtigen

Nabburg dagegen profitiert von Brautpaaren, die von außerhalb in die Stadt drängen. Denn während die Eheanmeldung am Wohnort eines Beteiligten erfolgen muss, besteht fürs Jawort freie Ortswahl. Und da bietet sich die Marienkirche an, wo der Abstand für 35 Plätze reicht. Im Sitzungssaal des Rathauses wären es 20, im kleinen Trauzimmer momentan nur 6, hat der Leiter des Nabburger Standesamts, Reinhard Schlosser, ausgerechnet. Als der Lockdown kam, hatten in Nabburg drei Paare abgesagt, "in letzter Zeit aber niemand". Bislang 30 Trauungen hat Schlosser in der Verwaltungsgemeinschaft heuer schon gezählt. Ob es ein Rekordjahr wird, wagt er nicht abzuschätzen. Der Verwaltungsakt habe sich mittlerweile "hochgeschaukelt zu einem Event mit 50 bis 60 Leuten".

"Trauhalla" für größere Gruppen

Gar nicht so schlecht steht es um die standesamtlichen Trauungen in der Kreisstadt Schwandorf aus, wo die Spitalkirche und die "Trauhalla" im Hotel Grabinger in Büchelkühn größere Gruppen aufnehmen können. Der enge historische Blasturm hat dagegen momentan als Trauzimmer ausgedient. 48 Trauungen sind in Schwandorf laut stellvertretendem Pressesprecher Roland Kittel heuer bis 1. Juli schon über die Bühne gegangen, in den vier Jahren davor waren es zwischen 57 und 69. Er rechnet allerdings mit einem Nachholeffekt. Darauf hofft man auch in Oberviechtach, wo das Trauzimmer im Rathaus mit entsprechend Abstand nur 9 Personen aufnehmen kann. Dort steht nun in diesem Jahr die zehnte Trauung an, eine wurde verschoben, zwei Paare seinen "abgewandert" in Nachbargemeinden. "Die meisten ziehen das durch, und erfahrungsgemäß kommen sogar im Dezember noch Heiratswillge dazu", sagt Albang. "Anders sieht es wahrscheinlich bei den kirchlichen Trauungen aus, da wird viel mehr auf nächstes Jahr verschoben", mutmaßt Kittel und spricht von "Hochzeiten nur auf Sicht".

"Unsere Ehevorbereitungsseminare waren heuer voll", berichtet Dekan Hans Amann, der in der Pfarrei St. Jakob in Schwandorf eine verschobene Hochzeit und zwei auswärts stattfindende Trauungen zählt. "Ich denke, da sind viele Paare noch in der Warteschleife." Allerdings seien kirchliche Trauungen auch schon vor Corona zurückgegangen. Mit drei bis vier Hochzeiten hätte er aber ohne Pandemie schon gerechnet. Immerhin sei nun der Störfaktor "Mund- und Nasenschutz" weg.

Unsere Ehevorbereitungsseminare waren heuer voll. Ich denke, da sind viele Paare noch in der Warteschleife.

Dekan Hans Amann

Dekan Hans Amann

"Alles storniert" oder "auf unbestimmte Zeit verschoben"

"Alles storniert", lautet die Zwischenbilanz von Pfarrer Markus Ertl, zuständig für die Pfarreiengemeinschaft Wernberg-Oberköblitz. Das betraf bislang vier bis fünf Termine. "Auf unbestimmte Zeit verschoben", heißt es auch bei kirchlichen Trauungen in Oberviechtach, wo immerhin bis zu 85 Einzelplätze im größten Gotteshaus zur Verfügung stünden. Ein paar Termine immerhin gebe es für Oktober, berichtet Kaplan Florian Frohnhöfer und verweist auf den Faktor "Gastronomie", der sich hier als größere Planungshürde herausstellen könnte. "Dabei könnte das alles nächstes Jahr noch viel schwieriger werden, weil dann Gaststätten und Bands schon von den nächsten Brautpaaren ausgebucht sind", gibt Dekan Amann zu bedenken.

"Bei mir könnt ihr auch am Tag vorher noch absagen", hat sich der Nabburger Pfarrer Hannes Lorenz während der Pandemie gegenüber den Brautpaaren flexibel gezeigt. 2 Trauungen gab es bislang seit Ostern, 5 oder 6 stehen noch in seinem Kalender. Von ursprünglich einem Dutzend wurden einige auf den Herbst verschoben oder aufs nächste Jahr.

Glückwünsche statt Party

Denise Ackermann-Schubert und ihr Mann Michael Schubert wollten nicht ab warten, nachdem schon die Taufe von Tochter Anna in der Osternacht verschoben werden musste. Mit 50 Gästen haben sie am 6.6. in Nabburg gleichzeitig Taufe und Trauung gefeiert und es nicht bereut, auch wenn es nach dem Gottesdienst nur Glückwünsche und gar keine Party gab. "Die holen wir irgendwann nach", verspricht die frischgebackene Ehefrau, die mit einem Schmunzeln an ihr Hochzeitsessen denkt: "Abends gab's dann einfach Pizza."

Das Coronavirus macht vielen Paaren einen Strich durch die Rechnung

Amberg
Denise Ackermann-Schubert und Michael Schubert haben sich trotz der Pandemie getraut: Pfarrer Hannes Lorenz (rechts) spendete im Gottesdienst am 6. Juni neben dem Sakrament der Ehe auch das der Taufe für Tochter Anna.
Trauung mit Mundschutz: Das konnte dieses Paar heuer ebenso wenig aufhalten wie die traditionellen "Hürden". Im Landkreis Schwandorf machen Standesämter und Pfarreien recht unterschiedliche Erfahrungen, wenn es um das Ja-Wort in Pandemie-Zeiten geht.
Die Kapazitäten für Gäste sind heuer entscheidend bei der standesamtlichen Trauung. Standesämter mit großen Räumen sind deutlich im Vorteil.
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