03.04.2020 - 09:55 Uhr
AmbergOberpfalz

Coronavirus und Hochzeiten: Verliebt, verlobt, verschoben

Diesen Artikel lesen Sie mit
Was ist OnetzPlus?

Es sollte der schönste Tag im Leben werden, doch das Coronavirus macht vielen Paaren einen Strich durch die Rechnung. Zwei Brautpaare aus Amberg erzählen, wie es ihnen geht, die Hochzeit schweren Herzens absagen und verschieben zu müssen.

Viele Paare in der Region müssen dieses Jahr auf den schönsten Tag im Leben verzichten: Etliche Amberger sagten ihre Hochzeit, die im Frühjahr beziehungsweise im Sommer geplant war, ab.
von Stephanie Wilcke Kontakt Profil

Der 17. April ist in der Familie von Vanessa Greß ein ganz besonderes Datum. Vor 27 Jahren gaben sich ihre Eltern das Jawort, vor zehn Jahren war es die Tante der 27-Jährigen. Es war der Herzenswunsch der medizinischen Fachangestellten aus Amberg, ihrem Gerhard (33) das ewige Versprechen in der Wallfahrtskirche auf dem Johannisberg genau an diesem Tag zu geben. "Alle sind noch zusammen. Das ist doch ein gutes Omen, oder nicht?", sagt Vanessa und lacht. "Es wäre unser Datum gewesen."

Vanessa und Gerhard Greß gaben sich im Herbst das Jawort am Standesamt. Jetzt im April sollte die kirchliche Trauung stattfinden.

Gewesen. Denn das Coronavirus hat die beiden gezwungen, von ihrem Traum heuer Abschied zu nehmen. Bereits Anfang März unkten Vanessas Mann und die Familie. "Sie sagten: Du wirst sehen. Eure Hochzeit werden wir absagen müssen." Die Medien habe sie fleißig verfolgt. "Erst hieß es, Feste mit mehr als 100 Leuten dürfen nicht stattfinden. Ich hatte gehofft, dass Hochzeiten davon ausgenommen sind." Die Familie wurde stutzig. "Ich wollte das alles nicht wahrhaben."

Trauung ohne Familie

Vanessa Greß fragte beim Pfarrer nach. Der erklärte ihr, dass er die Trauung schon halten könne. "Aber nur mit uns und den Trauzeugen. Die Trauung selbst sollte sehr kurz sein." Keine Familie dabei? "Das ist für mich alles andere als eine kirchliche Trauung, wie ich sie will." Vor gut zwei Wochen informierten die beiden dann schweren Herzens ihre 170 Gäste. "Wir tun jedem unglaublich leid. Schon bevor klar war, dass wir an dem Tag nicht feiern können, haben uns viele geschrieben, dass sie an uns denken."

Im September heiratete das Paar standesamtlich. Ein unglaublich schöner Tag, doch der Höhepunkt sollte eben gut ein halbes Jahr später folgen. "In unseren Eheringen ist der 17. April 2020 eingraviert." Die Kerze trägt das Datum, genau wie die Gastgeschenke. Alles war vorbereitet für den großen Tag.

Corona und die Auswirkung auf das Weidener Standesamt

Weiden in der Oberpfalz

Morgens sollten Trauzeugen und Friseur nach Hause kommen, ein gemeinsames Frühstück, ehe es dann auf den Johannisberg geht, wo die kirchliche Trauung stattfindet. "Für die Gäste hätte es oben Bratwürste vom Grill gegeben."

Das auch in Anlehnung an die Bergfeste-Tradition in der Region. "Meine Eltern und meine Tante haben auf dem Berg in Amberg geheiratet. Wir eben in Freudenberg, weil mein Mann von dort stammt." Zudem kommt Vanessa aus einer Dynastie eines Süßwaren- und Spielwaren-Stands, der bei vielen Veranstaltungen in der Region und Bergfesten verkauft.

Am Nachmittag wäre die Hochzeitsgesellschaft nach Oberleinsiedl in eine Wirtschaft weitergefahren. Am Abend waren die Funky Blues Rabbits bestellt, um die Party in Schwung zu bringen. "Eine Feier von Früh bis Spät."

In den Juni verschieben?

Vanessa und Gerhard überlegen, ob sie die Hochzeit noch verschieben wollen. Zwei Optionen im Juni hätten sie dafür. "Aber das ist nicht unser Tag", sagt sie. Band und Kirchenchor können jeweils nicht an einem der beiden Termine. "Beide bekommen wir nicht unter einen Hut."

Ob das alles Sinn ergibt, doch wieder die Planungen aufzunehmen? "Wir schauen von Tag zu Tag. Viele Veranstaltungen wie der Krüglmarkt sind abgesagt worden. Man weiß nicht, wie sich das alles entwickelt." Alles fix zu organisieren, die Gäste erneut einzuladen, dann wieder abzusagen - "vor der großen Enttäuschung haben wir Angst".

Verdorben hat ihnen das Coronavirus die Lust aufs (kirchliche) Heiraten nicht. "Es ist viel Enttäuschung da. Viele haben uns gesagt und versprochen: Dafür feiern wir später umso mehr." Notfalls eben am 17. April 2021. Wirklich ärgerlich ist für das Paar, dass für die sechs Brautkinder wunderschöne Kleidung selbst genäht wurde. Für die Buben grüne Trachtenjäckchen aus Samt und für die Mädchen Kleider. "Da blutet mir wirklich das Herz. Denn im Juni würden die Buben im Samt schwitzen und kommendes Jahr passen die Jäckchen nicht mehr."

Den 17. April begehen Vanessa und ihr Mann Gerhard "mit einem lachenden und einem weinenden Auge". Das Zehnjährige der Tante werden sie via Face-Time feiern, das Jubiläum der Eltern im gemeinschaftlichen Haus. "Wir schwelgen dann in Erinnerungen. Und wir denken daran, wie es bei uns geworden wäre. Es ist auf jeden Fall eine Geschichte, die wir noch unseren Enkeln erzählen können."

Kein Jawort in Paulanerkirche

Thorsten und Natalie wollten sich am 30. Mai in der Amberger Paulanerkirche das Jawort geben. Vergangene Woche sagten sie schweren Herzens die große Feier mit der Familie ab.

Die Enttäuschung bei Natalie Prell (33) und ihrem Partner Thorsten Günther (32) aus Amberg ist ihnen anzuhören. Die beiden hatten geplant, am 29. Mai standesamtlich zu heiraten und sich am 30. Mai in der Paulanerkirche das Jawort zu geben. Am Donnerstag sagten die beiden Eltern einer zweijährigen Tochter alles ab. Gerade die kirchliche Trauung und die große Feier mit 75 Gästen hätte der perfekte Tag werden sollen. Ein Tag, für den die beiden zwei Jahre lang Planungen angestellt haben. "Als ich mit unserer Tochter schwanger war, hat mir Thorsten einen Antrag gemacht", sagt die Siemens-Mitarbeiterin.

Auch in Schwarzenbach kann ein Paar nicht heiraten

Schwarzenbach bei Pressath

Gegen Mittag wären die beiden in der Kirche gewesen, danach sollten die Gäste eine Runde auf der Vils mit der Plätte drehen. In Oberleinsiedl wäre die Feier fortgesetzt worden. Die Absage sei eine vernünftige Entscheidung gewesen.

"Ein großer Teil meiner Verwandtschaft kommt aus Polen und ist älter. Meine Oma ist 90 Jahre alt, mein Onkel 75 Jahre und schwer krank." Die Gäste seien sehr enttäuscht gewesen, aber hätten verstanden, warum sich die beiden Amberger so entschieden haben. "Die Verantwortung wollte ich nicht übernehmen, dass sich vielleicht auch im Mai noch jemand ansteckt. Zudem weiß ich auch gar nicht, ob die Grenze wieder geöffnet hat, damit meine Familie überhaupt einreisen kann." Sie fürchteten auch, dass sich die Auswirkungen des Coronavirus auf die Stimmung an der Feier niederschlagen könnte. Trotzdem seien die Reaktionen der Gäste und Verwandten "recht aufbauend gewesen. Wenn wir dieses Jahr nicht kommen, lassen wir es 2021 krachen, sagten sie".

Auch einige Prominente müssen ihre Hochzeit verschieben

Denn eine kirchliche Trauung ohne die Familie käme für die beiden und ihre Tochter nicht infrage. "Wir wollen das groß feiern und alle sollen dabei sein." Zumal der Monat Mai für die beiden auch etwas Besonderes ist. "Da haben wir uns kennengelernt", erklärt das Paar, das seit vier Jahren zusammen ist. Auch die Temperaturen seien passend. "Einfach ein schöner Monat, um sich das Jawort zu geben." Dann also 2021.

Ein Kleid hat die künftige Braut auch aktuell gar nicht daheim. Denn: Nathalie hat den Traum in Weiß in Polen ausgesucht und gekauft. "Am 10. Mai wäre die letzte Anprobe gewesen", sagt sie geknickt. Abgesteckt oder verändert werde nun erst einmal nichts. "Ich kann nicht hinfahren und es holen."

Trotzdem im Standesamt?

In den Sternen steht derweil, ob die beiden zumindest standesamtlich heiraten können - ohne die 14 Gäste aus dem engsten Familienkreis. "Wenn das mit dem Standesbeamten nur zu zweit geht, werden wir das tun", sagt Thorsten.

Der 30. Mai. Er sollte der perfekte Tag für die beiden werden. "Vielleicht werde ich weinen. Denn ich bin wirklich sehr traurig, dass es nicht klappt." Thorsten sieht das ähnlich, sagt aber: " Man kann es im Moment nicht ändern. Die Planungen waren nervenzehrend, die Enttäuschung ist groß." Man müsse damit leben. "Ich hoffe aber, dass wir standesamtlich heiraten können. Das ist erst einmal wichtiger."

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.