12.07.2019 - 21:04 Uhr
NabburgOberpfalz

Die Jagdkanzel bleibt unten

Sicherheit statt Panoramablick: Die Jagd ist ein Hobby bis ins hohe Alter - wenn nur nicht der Aufstieg zum Hochsitz wäre. Der ehemalige Staatssekretär im Umweltministerium und passionierte Jäger Otto Zeitler (74) hat die Lösung.

Otto Zeitler liebt es seit seiner Jugend, auf die Jagd zu gehen. Als Senior möchte der ehemalige Landtagsabgeordnete nicht darauf verzichten. Er entwickelte eine mobile Kanzel mit Vorteilen auch für junge Jäger.
von Gertraud Portner Kontakt Profil

35 Jahre saß Otto Zeitler im Bayerischen Landtag, davon vier Jahre als Staatssekretär. Als Politiker krempelte der Nabburger schon mal die Hemdsärmel hoch. Auch im Ruhestand ist er ein Praktiker und kennt kein Rasten und Rosten. Und er frönt seine Jagdleidenschaft, die ihn schon als 16-Jährigen gepackt hat. "Die Knochen werden nicht jünger und auch in der Hüfte zwickt es", meint der vierfache Vater im Gespräch mit Oberpfalz-Medien augenzwinkernd. Deshalb habe er vor rund fünf Jahren eine mobile Kanzel mit Rädern entwickelt, die ohne gefährlichen Auf- und Abstieg die Freude an der Jagd erhält. Der Baumeister betont: "Auch Menschen mit Behinderung können ansitzen."

Eigentlich müsste die Abluft des Jägers nach oben und nicht der Jäger.

Otto Zeitler erklärt die Idee, die hinter seiner Entwicklung steht.

Otto Zeitler erklärt die Idee, die hinter seiner Entwicklung steht.

Abluft nach oben

"Luftaustausch statt Unfallrisiko", erklärt Otto Zeitler sein patentiertes System. Denn der entscheidende Punkt bei der Jagd sei der Wind. Denn wenn das Wild den Körperduft aufnimmt, sitze man müßig. "Beim normalen Hochsitz riskiert der Jäger schon mal Kopf und Kragen", sagt der 74-Jährige. Deshalb komme es im Winter nicht selten vor, dass man trotz eisiger Kälte länger oben sitzen bleibt, nur weil man den Abstieg auf der Leiter fürchtet. "Eigentlich müsste die Abluft des Jägers nach oben und nicht der Jäger", lautete schließlich die Idee, die mit "Niederdruck und Kamineffekt" umgesetzt wurde. Die in der Kanzel erwärmte Luft steigt nach oben und wird über ein Rohr weit weg vom Windfang des Wildes in die Natur entlassen. Die "Kanzelair" baut Zeitler in seiner Werkstatt zusammen. Einzelteile dafür werden überwiegend fertig angekauft. "Metall statt Holz und serienmäßig flexibel dem Gelände angepasst bis zu einer Augenhöhe von drei Metern und auf Wunsch auch höher", lautet seine Beschreibung. Mittlerweile hat der Waidmann gute Erfahrungen gemacht, denn auch Wildschweine würden nah rankommen, ohne dass sie die Witterung des Menschen aufnehmen.

Auch ein weiteres Problem - die Kälte beim Ansitzen - wurde mit der wärmegedämmten Kanzel mit Propangas-Heizung an der Decke und Zuluftlöchern im Boden beseitigt. Durch den geruchsneutralen Luftaustausch entsteht eine regulierbare Raumtemperatur für angenehme Wärme im Winter und erfrischende Kühle im Sommer. Diesen Luxus schätzt mittlerweile auch die jagdbegeisterte Familie. Unterwegs ist der Ex-Abgeordnete meist mit Jagdhund Sina, einem Deutsch-Drahthaar, in seinem langjährigen Revier bei Vohenstrauß. "Das liegt in meinem ehemaligen Stimmkreis", meint er schmunzelnd. Und er stellt klar: "Die Jagd ist nicht nur Schießen. Zu 99 Prozent hab ich gar kein Gewehr dabei." Zudem würden Jäger aktiv Umwelt- und Naturschutz praktizieren.

Auch Vocke ein Fan

Dieser Aspekt ist auch seinem früheren Landtagskollegen, dem Präsidenten des Bayerischen Jagdverbandes Prof. Jürgen Vocke, wichtig. Als dieser wieder einmal in Nabburg vorbeischaute, sei er ganz begeistert vom TÜV-geprüften, nahezu barrierefreien und serienreifen Produkt gewesen. Nicht nur die Landesjagdschule in Wunsiedel hat eine Dauerleihgabe erhalten. Auch Benjamin Steffen aus Norddeutschland freut sich über die Spende einer Nabburger "Kanzelair", worüber im September 2018 groß in der Deutschen Jagdzeitung (DJZ) berichtet wurde. Zeitler hatte im April 2018 vom Schicksal des 40-jährigen Jägers erfahren, dem mehrere Körperteile amputiert werden mussten. "Das ließ den Kanzelhersteller aus Bayern nicht kalt. Er fand nicht nur gute Worte, er handelte", heißt es im DJZ-Bericht. Dies war auch immer ein Anliegen des Politikers Zeitler. Jetzt revolutioniert er mit seiner mobilen Kanzel die Jagd.Entwicklung im Detail: www.kanzelair.com

Jagdhund Sina macht es sich vor der Kanzel bequem.
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