17.04.2019 - 18:05 Uhr
NabburgOberpfalz

Bei Kennametal: Jobsicherung mit allen Mitteln

Managementfehler am Konzernsitz in den USA und Gewinnsteigerung sind die zwei Komponenten, die 56 Kennametal-Mitarbeitern an der Alten Naab den Job kosten sollen. IG Metall und Betriebsrat versprechen druckvolle Verhandlungen.

Stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Zirwick, Betriebsratsvorsitzender Manfred Kraus und IG-Metall-Vertreter Udo Fechtner (von links) wollen Kennametal den Stellenabbau schwer machen, denn der Konzern habe keine wirtschaftliche Not.
von Irma Held Kontakt Profil

Betriebsrat und zweiter IG-Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner, solidarisch unterstützt von zwei Betriebsräten vom Kennametal-Werk an der Schlörstraße, erläutern bei einem Gespräch beim "Kräuterbeck", was hinter den Entlassungen steckt und wie sie die Stirn bieten werden. Fechtner stellt sofort klar: "Das hat nichts mit der Konjunktur zu tun." Kennametal habe auch kein wirtschaftliches Problem. Nach mehreren Vorstands- und Strategiewechseln in kurzer Zeit gehe es darum, mit weniger Produkten und Leuten den gleichen Umsatz zu erzielen und so den Gewinn zu steigern.

Der Umsatz solle gar nicht unbedingt zulegen. Hinzu kämen Zukäufe, die weit unter dem Einkaufspreis wieder abgestoßen wurden. "Die Beschäftigten sollen ausbaden, was oben verbockt worden ist." Nach den Worten von Betriebsratsvorsitzendem Manfred Kraus waren im April 2018 mit Leiharbeitern 243 Menschen im ehemaligen Rübig-Werk beschäftigt. Die Leiharbeiter seien weg, ebenso 24 Leute, die bereits vor etwa einem halben Jahr nach Vohenstrauß versetzt wurden. Mit dem Wegfall von weiteren 56 Stellen (wir berichteten) zum 30. Juni 2019 verliert der Standort in eineinviertel Jahren insgesamt 84 Beschäftigte. Der Betriebsrat, so zweiter Vorsitzender Wolfgang Zirwick, habe bereits eine Fachanwaltskanzlei eingeschaltet. Der Stellenabbau bei Kennametal Fine Machining sei deshalb so gravierend, weil dort Sonderwerkzeug produziert wird, das nicht in hohen Stückzahlen gefertigt wird und weniger Gewinn als den von der Konzernspitze vorgegebenen abwerfe. Zirwick zufolge haben bereits neun von den genannten 56 Arbeitern das Werk verlassen, seien woanders untergekommen oder besuchten Schulen. Es gehe nun darum, so viele Stellen wie möglich zu sichern. Dazu diene bereits seit Jahresbeginn der Abbau von Stunden auf dem Zeitkonto mit der Folge, dass Kennametal seinen Kunden gegenüber nicht mehr so termintreu sei. Denn, dass etwas im Busch sei, ahnte die Belegschaft auch vor den Betriebsversammlungen am Dienstag vergangener Woche, aber nicht, dass der Stellenabbau so massiv ausfalle.

Ein weiterer Weg zur Arbeitsplatzsicherung seien die im Tarifvertrag garantierten zusätzlichen acht Urlaubstage jährlich. Wenn alle dieses Recht in Anspruch nähmen, errechneten sich daraus sieben bis acht Stellen. Des weiteren, ergänzt Kraus, soll älteren Mitarbeitern ab 59 Jahren eine Rentenbrücke gebaut werden. Auch der Ausdruck Sozialplan fällt. Fechtners Ziel ist es obendrein, junge Mitarbeiter zu halten, denn der Altersdurchschnitt liege jetzt zwischen 43 und 44 Jahren und soll nicht auf 50 hoch schnellen.

Bei Zirwick stößt vor allem auf Unverständnis, dass keine Neukundengewinnung in Angriff genommen werde, sondern Produkte teurer verkauft würden, um mit weniger den Umsatz stabil zu halten. "Mit langfristiger Strategie hat das nichts zu tun", ergänzt Fechtner. Er habe auch den Eindruck, dass die Leine, an der der US-Konzern die Europazentrale laufen lasse, immer kürzer werde, was es nicht leichter mache. Gewerkschaft und Betriebsrat stünden nicht unter Zeitdruck, könnten den Druck erhöhen. Und da sitzt auch die Stadt mit im Boot, wenn sie gebraucht werde, versprach Bürgermeister Armin Schärtl.

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