23.06.2020 - 16:06 Uhr
NabburgOberpfalz

Kennametal Nabburg: Erste Verhandlungen am Freitag

Kennametal verlangt von der Belegschaft des Steel-Werks in Nabburg Zugeständnisse. Die wird es ohne Gegenleistung nicht geben. Kritik wird bei einer ungewöhnlichen Betriebsversammlung am Stil der Unternehmensführung laut.

Betriebsversammlung bei Kennametal: Die Nabburger Belegschaft hat für Verhandlungen mit dem Arbeitgeber über Einsparungen gestimmt, allerdings mit konkreten Voraussetzungen. Als "Zaungäste" zeigten Mitarbeiter aus anderen Standorten Solidarität mit ihren Kollegen.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die 260 Beschäftigten von Kennametal Steel an der Schlörstraße sollen weitere Einschnitte hinnehmen - wenn es nach dem Willen des Unternehmens geht. Betriebsratsvorsitzender Franz Forster und IG-Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner stellten bei einer Betriebsversammlung am Dienstag klar: Verhandlungen ja, aber nur auf Augenhöhe.

Forderungen an die Belegschaft

Nabburg

Die Versammlung fand - Corona-bedingt - unter freiem Himmel auf dem Werksgelände statt. Das gab rund 80 Kollegen aus weiteren Kennametal-Standorten die Gelegenheit, als "Zaungäste" zuzuhören und Solidarität zu zeigen. Denn eines scheint sicher, meint Fechtner: Die Forderungen werden nicht nur den Steel-Standort Nabburg treffen, sondern auch die Kollegen etwa in Vohenstrauß oder Mistelgau (Kreis Bayreuth). Forster kritisierte, dass im Nabburger Werk "über Jahre nichts modernisiert" worden sei. Die Belegschaft sei bereit, die Produktivität zu steigern. Ohne Investitionen sei dies aber nicht möglich. "Wir sind nicht hier, um Randale zu machen, sondern um zu unterstützen. Aber wir müssen auch eine Zukunft zu sehen", sagte der Betriebsratsvorsitzende. Durch unbezahlte Mehrarbeit oder Lohnverzicht nur die Dividenden der Aktionäre zu erhalten, das gehe nicht an. Die Existenz des Standorts müsse langfristig gesichert werden. Viele Kollegen seien lange dabei "und wollen auch weiter hier arbeiten".

Wichtiges Zeichen

Kennametal-Werkleiter Alexander Franz nannte es ein wichtiges Zeichen, dass die Belegschaft zu 95 Prozent für Verhandlungen votiert habe. Das erste Tarif-Gespräch am Freitag an, sagte der Werkleiter. In Arbeitsgruppen seien bereits wertvolle Ansatzpunkte gesammelt worden. Die werde er, ebenso wie Investitionsvorschläge, der Konzernleitung vorlegen. Er hoffe auf eine Lösung, "mit der wir leben können".

Die Konzernleitung mit Sitz den USA nahm der Bamberger IG-Metall-Bevollmächtigte Matthias Gebhardt ins Visier, der im Aufsichtsrat von Kennametal sitzt. Die Schließung dreier Standorte im vergangenen Jahr per E-Mail-Mitteilung habe einen großen Vertrauensbruch markiert. Seit ein paar Jahren beobachte er einen Paradigmenwechsel im Management: Es werde permanent Druck aufgebaut, die Spaltung der Belegschaften versucht, Angst gesät. "Ob das mit politischen Entwicklungen in den USA zusammenhängt, lasse ich mal offen", sagte Gebhardt. "In Deutschland gelten Tarifverträge und das Betriebsverfassungsgesetz. Und die sind einzuhalten. Wir leben nicht im Land von ,hire and fire' oder ,Hokuspokus'." Die Mutter in den USA müsse die Töchter in Deutschland "wie wirkliche Kinder behandeln", so Gebhardt, "und keine Mutter gibt ihre Kinder dem Messer hin."

"Kein Patentrezept"

"Es gibt kein Patentrezept", sagte der Amberger IG-Metall-Bevollmächtigte Udo Fechtner mit Blick auf die Verhandlungen, die am Freitag starten. Klar sei: Eine Einigung ohne Zusagen zu Investitionen und zur Beschäftigungssicherung werde es nicht geben. Kennametal habe über Jahre gutes Geld verdient, "weil ihr mit dem Hirn angeschoben habt." Dagegen hätten Management-Entscheidungen zu verärgerten Kunden und Problemen geführt. Die Covid-Pandemie alleine sei nicht der Auslöser für die Krise.

Wir sind nicht hier, um Randale zu machen, sondern um zu unterstützen. Aber wir müssen auch eine Zukunft zu sehen.

Franz Forster, Betriebsratsvorsitzender von Kennametal Steel in Nabburg.

Franz Forster, Betriebsratsvorsitzender von Kennametal Steel in Nabburg.

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