Hinter den Bauern liegen schwere Monate, deren Auswirkungen noch nicht vorbei sind. "Wir knabbern noch an der Dürre", weiß BBV-Kreisobmann Josef Irlbacher (Nabburg), dass die viehhaltenden Betriebe bei weitem nicht soviel Futter in ihren Lagern haben wie sonst. Die Vorräte reichen gerade noch bis zum Frühjahr. Die Hoffnungen ruhen auf einem möglichst kurzen Winter, so dass die erwachende Vegetation möglichst bald erste Grasschnitte zulässt. Mit dem Silomais muss man ohnehin bis zur nächsten Ernte im Herbst auskommen. "Ein zweites Dürrejahr wäre fatal", betont Irlbacher. Dann müsse mit weiteren Viehreduzierungen in den Ställen gerechnet werden. Was wiederum den Schlachtviehmarkt und die dortigen Erzeugerpreise unter Druck geraten ließe - ein Teufelskreis.
Ähnlich verhalte es sich beim Wald, der auch massiv unter der Trockenheit litt. Vor allem zog sie starken Schädlingsbefall nach sich. Die über den Winter anstehende Schadholzaufarbeitung drücke auch auf den Preis für Frischholz.
Preis passt nicht dazu
Josef Irlbacher und Geschäftsführer Josef Wittmann sehen zusätzlich Herausforderungen, die aus der Wohlstandsgesellschaft resultieren. Sie nennen da die Tierwohl-Diskussion, in der die Regierungen mitspielten, ohne im Sinne der Landwirtschaft eine Schiedsrichterrolle zu übernehmen. Da würden Themen hochgezogen, die von Naturschutzverbänden in die Welt gesetzt werden. Außerdem bekomme die Landwirtschaft immer mehr Rahmenbedingungen über den Markt diktiert. Josef Irlbacher nennt ein Beispiel: "Die Milch aus einem Anbindestall ist genauso gut wie aus einem Laufstall." In Wert und Qualität gebe es keinen Unterschied, aber in der Bezahlung für die Lieferanten.
"Da werden Keile in die Landwirtschaft getrieben", sagt Josef Wittmann und beobachtet, dass das Gut-Schlecht-Denken immer mehr zunehme: "Das schaukelt sich hoch." In der Realität sehe es so aus, dass Tierwohl-Bestrebungen den Landwirten nicht voll entlohnt werden, aber in den Marketing-Strategien des Handels immer mehr Niederschlag finden.
Grundsätzlich beklagen die Vertreter des Berufsstandes, dass "uns die Kosten davon laufen." Was sie damit meinen: Wachsende Auflagen lösen zusätzliche Aufwände aus, die letztlich über die erzielten Marktpreise nicht gedeckt werden können. "Die Schere klafft immer weiter auseinander", berichtet Geschäftsführer Josef Wittmann aus der Erfahrung. Beim Stallbau koste ein Kuhplatz inzwischen rund 15 000 Euro; noch vor wenigen Jahren waren es 10 000 Euro. "Da ist man dann bei einem Neubau schnell über einer Million", fügt er an. In der Schweinehaltung gebe es seit etwa zwei Jahren schon fast keine Neubauten mehr, weil die Verunsicherung im Hinblick auf die Auflagen einfach zu groß sei.
Image aufpolieren
Solche Themen würden letztlich dazu führen, dass es unter den Landwirten immer mehr Burnouts und Depressionen gebe. Das würden Zahlen der Sozialversicherungsträger belegen. Der BBV warnt seine Mitglieder vor Überarbeitung. Er hat inzwischen ein eigenes Programm mit Gesundheitsangeboten aufgelegt, die beruflich bedingten Stress-Situationen Rechnung tragen sollen.
Um ihre Bedeutung für die Gesellschaft zu unterstreichen, starteten die bayerischen Landwirte eine selbst finanzierte Image-Kampagne. Sie riefen den Verein "Unsere Bayerischen Bauern" ins Leben, der als erfolgreiches Bindeglied zwischen bayerischen Landwirten und regionalbewussten Verbrauchern auftreten soll. Er setzt sich für die bayerischen Landwirte und deren Produkte ein und macht den Verbrauchern deutlich, wie viel Arbeit in hochwertigen Lebensmitteln steckt. Dessen Geschäftsführerin wird als Rednerin beim nächsten traditionellen Sebastiani-Bauerntag in Nabburg erwartet.
Die Geschäftsführerin des vor zwei Jahren gegründeten Vereins „Unsere Bayerischen Bauern“ kommt als Rednerin zum Sebastiani-Bauerntag. Er beginnt am Samstag, 12. Januar 2019, im katholischen Jugendwerk in Nabburg. Voraus geht um 9 Uhr ein Gottesdienst in der Nabburger Stadtpfarrkirche. Eine weitere Großveranstaltung hat der BBV-Kreisverband dann schon wenige Wochen später vorgesehen. Der Landfrauentag steht dieses Mal unter dem Motto „Im Dialog bleiben“ und findet am Freitag, 1. Februar, um 13 Uhr in der Nordgauhalle in Nabburg statt. Als Rednerin wird dort die Staatsministerin a.D. Emilia Müller erwartet. Zwischendurch veranstaltet der BBV einen öffentlichen Film- und Diskussionsabend zum Thema „Der Niedergang der bäuerlichen Landwirtschaft“. Er ist für Donnerstag, 17. Januar, um 19.30 Uhr im Tierzuchtzentrum in Schwandorf geplant.













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